Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868401
Die 
der 
Gartenkunst 
Japanep 
Bei manchen ländlichen Umzäunungen beläfst man dem Bambus 
und dem Schilf, mit Welchem sie durchflochten werden, die beblät- 
terten Endzweige und die zierlich verästelten Blüthenrispen oder man 
flieht schlanke, durch Abbinden geringelte Schilf- oder Strohgarben 
in schrägen Richtungen so durcheinander, dal's die Blüthenstände der 
Gräser den oberen Rand der Hecke zierlich krönen. 
Hecken jeglicher Art finden in der japanischen Ziermalerei 
ausgedehnteste Anwendung, um einen Vordergrund abzugrenzen, 
blühende Stauden als unter gärtnerischer Pflege gewachsen zu be- 
zeichnen, oder rankendem Kürbis oder Windenartigen Gewächsen Halt 
zu geben. Besonders häufig kommen sie in den Lackmalereien auf 
den Schreibkästen vor. 
Die zuletzt erwähnte Heckenart hat sogar einmal Weitverbreitete 
Anwendung in der europäischen Zierkunst gefunden. Zuerst auf frühen 
Porzellanen aus Meifsen, dann auf ihren vielfachen Nachahmungen, 
z. B. auf den weichen Porzellanen von Chantilly, auch auf den viel- 
farbigen Fayencen von Rouen ist die japanische Hecke, überragt von 
einigen im Zickzack gezeichneten Mume-Büschen oder anderem Pflanzen- 
werk ein stehendes Motiv, aus dem in der Folge, als die Erinnerung 
an seinen Ursprung verwischt War, sich jenes bekannte rohe, meist in 
violetter Ueberglasurmalerei mit Weniger Goldhöhung ausgeführte 
courante Geschirr-Muster der Meifsener Manufactur entwickelte, Welches 
ein dickes garbenartiges Ding zeigt, dem oben einige unkenntliche 
Blumenzweige entwachsen. Dem Japaner bleibt eine derartige Ver- 
knöcherung seines Motivs, für welche unser europäisches Kunsthand- 
werk Beispiele die Fülle bietet, erspart, Weil er seine Augen offen 
hält zu erfrischendem Ausblick in Garten und Feld. 
Vom Lande sind solche Umzäunungen in die Stadtgärte-n ge- 
wandert, wo sie bald als Einfassungen abgesonderter Theile des 
Gartens, bald um einzelne weniger ansehnliche Partien dem Auge zu 
entziehen, oft nur aus rein decorativen Absichten vielfache Anwendung 
finden und den ländlichen Charakter der Anlage verstärken. Häufig 
kommt in den künstlicheren Gärten eine Abart der Kaki vor, die 
Aermelhecken nSode-gaki", so genannt in Folge ihres Vergleiches mit 
den lang herabhängenden Aermeln des japanischen Gewandes. Sied 
bestehen einfach in einer nur 4-5 Fufs langen, nicht über mannshohen, 
senkrecht gegen die feste Wand eines Hauses oder eine Umfassungs- 
mauer gestellten Zierhecke. Bald sind sie von eckigem, bald von 
abgerundetem oder geschweiftem Umrifs, bald aus zierlichem Flecht- 
Werk, bald aus säulenähnlichen Binsengarben, bald aus Garben, welche 
mit schlanken Reisigbündeln wechseln, bald in Gestalt einer, von einer 
wagerecht befestigten Garbe herabhängenden langen Strohfranse, die
        

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