Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Handwerk in Japan
Person:
Brinckmann, Justus
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1867160
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1868373
Kunst 
Handwerk 
Japan, 
höher als diese alte Kiefer. Alles ist nur ein Spielzeug, aber ein aller- 
liebstes Spielzeug! 
Eine besondere Art der Hausgärten steht mit der alten, für das 
japanische Kunsthandwerk in mehrfacher Hinsicht bedeutsamen Sitte 
der feierlichen Theegesellschaften der Männer in Verbindung. Schon 
in dem älteren, im I5.]ahrhundert durch den Abt Kiu-shin festgesetzten 
Ceremoniell der Cba-rzoyu wird der Pflege des Gartens, auf den die 
Theestube sich Öffnet, Sorgfalt gewidmet; die Trittsteine und der Kies 
müssen gereinigt, die Bäume und Sträucher von welkem Laube ge- 
säubert, alle Pflanzen frisch begossen sein. Höhere Bedeutung aber 
wird dem Garten in den gegen Ende des 16. Jahrhunderts von Senno 
Rikiu festgestellten Bräuchen zugewiesen. Mag die eigenthümliche 
Anlage dieses mit Roji, thauiger Grund, bezeichneten Gartens sich 
daraus erklären, dafs ursprünglich die Theegesellschaften bei den in 
waldigen Gebirgen belegenen, mit Pflanzungen uralter Bäume umge- 
benen Tempeln abgehalten wurden, so ist doch die bewufste Absicht, 
durch die Gartenkunst auf die Stimmung einzuwirken, unverkennbar. 
Von der Theestube aus gesehen, sollte der Garten ein perspectivisch 
kunstvoll geordnetes Landschaftsbild darbieten, dessen Anpflanzungen 
und Zierstücke in dem Beschauer jene ernsten Gedanken, jene ehr- 
furchtsvolle Erinnerung an die Vorbilder einer grofsen Vergangenheit 
in dichtender und bildender Kunst, jene friedliche, den höchsten Betrach- 
tungen geöffnete Stimmung wecken und erhalten sollten, in welcher die 
echten und rechten Cha-noyu-Gäste sich zusammenfinden. 
 Besondere Bücher geben den Gartenkünstlern Anleitung, wie 
sie allen Erfordernissen der Cluz-Izoyu zu genügen haben. Die Mittel, 
mit denen sie die beabsichtigte Wirkung zu erreichen suchen, sind im 
Allgemeinen dieselben, wie in den übrigen Gärten. Vorzugsweise ge- 
pflegt aber werden Gruppen düsterer Gewächse, von Cryptomerien und 
anderen Nadelbäumen von anscheinend uraltem Wuchs, welche Bambusen 
und immergrüne Untergesträuche überragen. Häufig lugt aus einer 
solchen Baumgruppe eine Laterne in Art jener, welche die Zugänge zu den 
Tempeln bezeichnen oder in den heiligen Hainen zum Gedächtnifs grofser 
Todten von ihren Verehrern gestiftet werden. Da finden sich von kan- 
tigen oder runden, schlanken Sockeln getragene oder mit drei, vier oder 
fünf vorspringenden Füfsen breit im Boden wurzelnde, aus einem mäch- 
tigen Steinblock gemeifselte Laternen  [slzi-dörö  welche mit ihren 
breiten, flechten- und moosbewachsenen Dächern ungeheuren Pilzen 
gleichen. Andere aus schwarz-grün patinirter Bronze zeigen die feineren 
Glieder des Erzes mit den geschwungenen Lotoskelchen der heiligen 
Geräthe und dem geschweiften Dach der buddhistischen Tempel oder 
den mehrfachen Geschossen der Pagoden. Unter einfacheren Verhält-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.