Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grammatik der Ornamente
Person:
Jones, Owen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1862676
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1864098
POMPEJISCHE ORNAMENTE. 
Die allgemeine Anordnung der Verzierung an den innern Wänden pompejischer Häuser besteht aus 
einer Würfel-Vertäfelung, die etwa den sechsten Theil der Wandeshöhe einnimmt und breite Pilaster trägt, 
etwa halb so breit als der Würfel selbst, mittelst welcher die Wand in drei oder mehr Felder abgetheilt 
wird. Die Pilaster sind mittelst eines Frieses von verschiedener 
Breite mit einander verbunden, der in der Entfernung des vier-           H"  
ten Theiles der Gesammthöhe der Wand von der Decke hinläuft.  
Der obere Theil der Mauer ist häufig weiss, und in jedem Falle w"       rmräwwr r-ghiäriilr.      kürt 
in einer minder ernsthaften Auiiassungsweise behandelt als die iiilll]      M!  
untern Theile, indem er meistens Scenen unter freiem Himmel   [i  i    
vorstellt, und auf dem Grunde die gemalten Darstellungen    Ei    
jener fantastisch architektonischen Gebäude enthält, die den    j If  {l    
Zorn des Vitruvius in so hohem Grade erregten. In den besten "i    11      1' 3Min?   
Mustern findet man eine Abstufung der Farben von der Decke i       3km"  
Abriss der Seite eines pompejischcn Hauses. 
abwärts, die endlich im Würfel in Schwarz ausgeht, doch ist 
das durchaus keine feste Regel. Wir wollen hier einige, unter den colorirten Illustrationen Zalnfs ausge- 
wählte Varietäten anführen, um zu zeigen, wie wenig System in der Ordnung der läarben herrschte:  
Wüffel. 
Gelb 
Pilaster. 
Grün 
Felder. 
Roth 
Fries. 
Schwarz 
Schwarz 
Purpur 
Schwarz 
Schwarz 
Schwarz 
Schwarz 
Schwarz 
Gelb und Roth 
(abwechselnd) 
Gelb und Roth 
(abwechselnd) 
Grün und Roth 
(abwechselnd) 
Schwarz 
Schwarz 
Schwarz 
Die effectreichste Anordnung scheint folgende zu sein: Würfel schwarz, Pilaster und Friss mth, die 
Felder gelb, blau oder weiss, der obere Wandtheil über dem Fries weiss mit farbigen Verzierungen dar- 
auf. Die beste Anordnung der Farben zu den auf der Grundfarbe angebrachten Ornamenten ist; auf 
schwarzem Grund, Grün und Blau in Massen, aber Roth nur spärlich und Gelb noch spärlichen Auf 
blauem Grund, Weiss in dünnen Linien und Gelb in Massen. Auf rotheni Grund, Grün, Weiss und Blau 
in dünnen Linien; Gelb auf Roth ist effectlos, wenn es nicht mittelst Schattirungen hervorgehoben wird. 
Man findet in Pompeji beinahe jede Varietät der Schattirung und des Tones der Farben. Blau, Roth 
und Gold ünden sich nicht nur in kleinen Quantitäten an den Verzierungen, sondern auch in grossen Massen 
als Grundfarben der Felder und der Pilaster. Doch kommt das Gelb zu Pompeji fast dem Orange 
nahe, und das Roth hat einen starken Anstrich von Blau. Dieser neutrale Charakter der Farben machte es, 
dass sie in so heftigem Widersatz ohne Misston zusammengestellt werden konnten,  ein Resultat, welches 
durch die umher angebrachten secundären und tertiären Farben noch weiter befördert ward. 
Doch ist der Styl der Verzierungen im Ganzen so launenhaft, dass er ganz ausser dem Bereich der 
wahren Kunst liegt, und daher auch keine strenge Kritik darauf anwendbar wäre. Es ist ein Styl, der zwar 
meistens 
einen 
gefälligen 
Eindruck 
hervorbringt, 
Gemeinheit 
grenzt, 
wenn 
nicht 
absolut
        

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