Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grammatik der Ornamente
Person:
Jones, Owen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1862676
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1863764
A SSYRISCHE 
PERSISCHE 
ORNAMENPE. 
Stufen der Vollkommenheit herab, und steht zur ägyptischen im selben Verhältniss, wie die römische zur 
griechischen. Die ägyptische Kunst artete stufenweise immer mehr aus, von den Zeiten der Pharaos bis 
zu denen der Griechen und Römer; die Formen, zuerst so fliessend und anmuthig, Wurden roh und abge- 
brochen; das Schwellen der Gliedmassen, welche zuerst mehr angedeutet als ausgedrückt war, wurde 
endlich höchst übertrieben, die conventionelle Behandlung wich einem unvollkommenen Bestreben alles 
natürlich zu machen. Dieses Bestreben aber wurde in der assyrischen Bildnerei noch weiter getrieben; und 
obwohl man sich, in der allgemeinen Anordnung des Gegenstandes und in der Stellung der einzelnen 
Figuren, noch immer an der conventionellen Behandlung hielt, so bemühte 
man sich doch andererseits, die Muskulatur der Gliedmassen und die  A  
Rundung des Fleisches anzugeben; Welches in jeder Kunst als ein Symp-   
tom des Verfalles gelten muss, denn die Natur will idealisirt, nicht copirt  
werden. Manche Bildsäulen der neuern Zeit weichen von der Venus von l  ' e" 
Milo im selben Verhältniss ab, als die Basreliefs der Ptolomäer sich von 
denen der Pharaos unterscheiden. 3'  
Die assyrischen Ornamente bieten, nach unserem Vermeinen, das An-  
sehen eines entlehnten Styles dar, der überdies schon den Stempel des  
Verfalles an sich trägt. Zwar kennen wir den Styl noch nicht vollkom- Aegyptisch. 
111811, indem gerade jene Theile der Paläste, die die meisten Ornamente i 
aufzuweisen hätten, die obern Theile nämlich, in Folge der eigenartigen  
Construction der assyrischen Gebäude gänzlich zerstört worden sind. Es weil  
unterliegt jedoch keinem Zweifel, dass die Ornament-e eben so verschWen-  a"  
derisch in den assyrischen als in den ägyptischen Denkmälern angebracht   
wurden: in keinem der beiden Stylarten findet man schlicht-e unverzierte W111 all) 
Oberflächen an den Wänden, indem diese durchgehends entweder mit Bil- Anm u  
dern oder Inschriften bedeckt sind, und an den Stellen wo dergleichen un-   U00 Ü 
anwendbar wären, wurden, zur Unterstützung des allgemeinen Effects, reine  
Schmuckverzierungen gebraucht. Alle die Ornamente, welche wir bis auf 
dßll heutigen Tag besitzen, sind den Kleidern der auf den Basreliefs befind- 
lichen Figuren entnommen, oder bestehen aus einigen Bruchstücken ge- ASSYÜSCIL 
malter Ziegel, einigen Gegenständen von Bronze und den Darstellungen der geheiligten Bäume der Bas- 
reliefs. Wir haben aber keine Ueberbleibsel ihrer constructiven Ornamente, indem die Säulen und andere 
Baustützen die dergleichen Ornamente aufweisen könnten, überall vernichtet worden sind. Die construc- 
tiven Ornamente von Persepolis, Tafel XIV., gehören augenscheinlich einer viel spätern Periode an und 
tragen das Gepräge eines auswärtigen Einflusses, daher sie ganz unzuverlässige Wegweiser wären, uns in der 
Restauration der constructiven Ornamente assyrischer Paläste zu leiten. 
Die assyrischen Ornamente, obwohl ihnen nicht dieselben Typen als den ägyptischen zu Grunde liegen, 
verkünden doch ganz dieselbe Darstellungsweise. In beiden Stylarten sind die Reliefs, sowohl als die 
gemalten Ornamente bloss im Umriss dargestellt. Die Oberfläche zeigt nur geringe Modellirung, da diese eine 
eigene Erfindung der Griechen ist, bei welchen sie jedoch immer in den gehörigen Schranken gehalten wurde; 
Illld erst die Römer machten einen so unmässigen übertriebenen Gebrauch davon, dass endlich die Fülle des 
Effects sich ganz verlor. Die Byzantiner hielten sich wieder an ein gemässigtes Relief, Welches bei den 
Arabern noch {laeher wurde, und bei den Mauren war eine modellirte Oberfläche eine grosse Seltenheit. 
Im selben Verhältniss steht, andererseits wieder, der romanische zu dem früh-gothischen Styl, welcher 
letztere indessen selbst von vollerem Eüecte ist, als der spätere gothische Stiyl, WO die Oberflächen S0 ausge- 
arbeitet- wurden, dass der Eindruck der Ruhe ganz verloren ging. 
Wenn man etwa die an den geheiligten Bäumen der Tafel XII., 
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gemalten Verzierungen 
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