Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grammatik der Ornamente
Person:
Jones, Owen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1862676
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1866861
BLAETTER 
UND BLUMEN 
NATUR. 
Ornamenten 
Gebäudes 
grösster 
Sicherheit 
beurtheilen, 
Welchem 
Grade der Erfindungsgeist des Künstlers bei der Ausführung des Werkes betheiligt und thätig gewesen sein 
mochte. Das Gesarnmtverhältniss des Gebäudes mag wohl vortreiilich erscheinen, die Gliederungen mehr 
oder minder genau den gediegensten Modellen nachgebildet sein, aber die Ornamente allein können 
zeugen wie weit der Architekt zugleich ein Künstler ist; sie allein dienen zum richtigen Maasstab der 
Sorgfalt und gediegenen Feinheit- die bei der Arbeit in Anwendung gebracht Wurden. Ein Ornament 
am rechten Ort anzubringen ist schon keine so sehr leichte Aufgabe; das Ornament aber so zu gestalten, 
dass es dem Werke neue Schönheit verleihe und als Ausdruck der Absicht desselben diene, ist noch viel 
schwerer. 
Unglücklicherweise ist es in unsern Zeiten nur zu allgemein der Gebrauch die Verzierung der architek- 
tonischen Theile der Gebäude, und besonders die innere Ausschznückung derselben, unfähigen Händen zu 
überlassen, die dieser Aufgabe durchaus nicht gewachsen sind.  
Die unglückselige Leichtigkeit, welche die erneuerte Anwendung des Acanthusblattes zur Anfertigung 
von Ornamenten darbietet, hat viel zu diesem Resultat beigetragen, und zugleich den schöpferischen Instinkt 
im Geiste der Künstler abgestumpft, die nur zu geneigt sind andern Händen alles zu überlassen, was andere 
Hände möglicherweise leisten können, und sich ihrer hohen Stelle als Architekt, als Haupt und Anführer 
zu Gunsten Anderer zu begeben. 
Wie muss man es also anstellen um diesem allgemeinen Verlangen nach Fortschritten Genüge zu leisten 
_auf welche Weise soll der neue Ornamentationsst-yl erfunden oder entwickelt werden? Manche dürften 
wohl zur Antwort geben: man müsse zuerst einen neuen Styl der Architektur finden, und mit den Ornamen- 
ten den Anfang zu machen, hiesse am unrechten Ende beginnen. 
Das ist aber unsere Ansicht nicht. Wir haben schon bewiesen, dass bei allen Völkern das Verlangen 
nach Ornamentationswerken sich gleichzeitig mit den ersten Schritten der Oivilisation entwickelte, und dass 
die Architektur die Ornamente adoptirt ohne sie zu schaffen. 
Die korinthische Bauordnung soll, wie man sagt, dem Erfinder derselben durch ein Acanthusblatt, 
Welches um einen irdenen Topf wuchs, zuerst eingeilösst worden sein; doch existirte das Acanthusblatt als 
Ornament schon lang vorher, oder, jedenfalls wurden die Principien des Wachsthums dieses Blattes in den 
conventionellen Ornamenten beobachtet. Aber die Anwendung dieses Blattes zur Bildung des Kapitäls, 
das war die Eründung, welche die korinthische Bauordnung schuf. 
Das Princip der blattartigen Gestaltung und selbst die allgemeine Blältterform, welche in der Architektur 
des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts vorherrschten, fanden sich schon lange vorher in den illumi- 
nirten Manuscripten ; und da diese Formen wahrscheinlich aus dem Morg-enlande hergeleitet sind, so haben 
sie dem früh-englischen Styl ein beinahe morgenländisches Gepräge aufgedruckt. Die Architekten des 
dreizehnten Jahrhunderts waren also mit diesem Ornamentationssystern vollkommen vertraut; ja, es lässt 
sich kaum bezweifeln, dass dieser Styl während des dreizehnten Jahrhunderts nur deshalb so allgemein 
angenommen wurde, weil die Hauptziige desselben schon früher existirten und allgemein familiär waren. 
Der Später darauf folgende geblümte Styl in unmittelbarer Nachahmung der Natur, war ebenfalls schon 
vorher in Ornamentationsarbeiten vorgekommen. Der glückliche Erfolg mit welchem allerlei Blumen in 
unmittelbarer Nachahmung der Natur auf die Seiten der Messbiicher hingemalt wurden, veranlasste die 
Künstler zum Versuch, ähnliche Verzierungen im Gestein der Bauten zu bilden, die mit den gemalten 
Ornamenten wetteifern sollten.  
Die architektonischen Ornamente der elisabetheischen Periode Waren 
grösstentheils 
Nachbildungen 
Arbeiten des Webers, des Malers 
des Graveurs. 
Künstlern 
elisabetheischen 
Epoche waren, 
andere 
die Gemälde, Tapeten, Möbeln, Metallarbeiten und 
Luxus-Artikel, welche 
England 
vom Continent 
bezog, besser bekannt als sie es mit den architektonischen Monumenten sein konnten. 
Die Künstler waren 
 daher 
Ornamentation 
Epoche 
vertraut, 
besassen 
unvollkommene
        

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