Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grammatik der Ornamente
Person:
Jones, Owen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1862676
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1866852
BLAETTER 
BLUMEN NACH 
DER NATUR. 
TAFEL 
XCVIII. 
Schwertlilie. 
Weisse Lilie. 
Affodille. 
Narzisse. 
Zwiebel. 
Hagebuttenrose. 
Blumen in Plan und Aufriss. 
7. Mäuseohr. 
8. Geissblatt. 
9. Malve. 
10. Wiesengauchblume. 
11. Ehrenpreis. 
12. Oampanula. 
Glossocomia. clematidea. 
Winde. 
Primel. 
Sinngrün. 
Clarkia. 
Leycesteria. formosa. 
TAFEL 
XOIX. 
Geissblatt. 
Natürliche Grösse. 
TAFEL 
Passionsblumen. 
Natürliche Grösse. 
BLAETTER 
UND 
BLUMEN 
NACH 
DER 
NATUR. 
IN den vorhergehenden Capiteln haben wir darzuthun gesucht, dass alle Ornamente der besten Kunst- 
perioden vielmehr auf der Beobachtung der Principien beruheten, die in der Natur bei der Anordnung 
der Form sich verkünden, als auf dem Bestreben die Werke der Natur nachzuahmen; und dass die 
Ueberschreitung dieser Grenze, in jeder Kunst, als ein sicheres Symptom des Verfalls galt: indem die wahre 
Kunst darin besteht, die Formen der Natur zu idealisiren, nicht zu copiren. 
Wir erachten es für nöthig mit Nachdruck auf diesem Punkt zu verweilen, da im gegenwärtigen Zu- 
stand der Ungewissheit worin wir uns befinden, eine allgemeine Tendenz sich zu entwickeln scheint, in den 
Ornamentationsarbeiten die natürlichen Formen so getreu als nur möglich darzustellen. Die Welt ist es 
müde die ewige, Wiederholung derselben conventionellen Formen anzuschauen, die den verschollenen Styl- 
arten längst vergangener Zeiten entlehnt, gegenwärtig nur wenig Anspruch finden. Von allen Seiten 
hört man daher das Losungswort erschallen: " Nehmet Eure Zuflucht zur Natur, wie die Alten es thaten." 
Wir wären unter den Ersten diesem Rufe beizustimmen, doch wird der Erfolg ganz davon abhängen was man 
an den Quellen der Natur suchen mag. Wenn wir an den Quellen der Natur schöpfen, wie die Aegypter 
es thaten, dürfen wir uns wohl einen glücklichen Erfolg versprechen, wenn wir aber zur Natur zurückgehen, 
wie die Chinesen es thun, oder etwa wie die gothischen Künstler des vierzehnten und fünfzehnten Jahrhun- 
derts es zu machen pflegten, so werden wir nur wenig dabei gewinnen. Dass auf diese Weise keine wahrhafte 
Kunst sich entwickeln lässt, erhellt deutlich genug aus den geblümten Teppichen, den geblümten Papier- 
Tapeten und aus den blumigen Sdhuitzereien der gegenwärtigen Zeit; im Gegentheil, je genauer wir die 
Natur copiren, desto weniger gelingt es uns ein Kunstwerk zu schaffen. 
Die Omamente gehören freilich nur zu den Accessorien der Arhhitektur, und dürfen daher billigerweise 
wedegdie Stelle der baulichen Theile usurpiren, noch dieselben überladen oder gar verbergen; doch bilden 
sie nichts desto weniger, unter allen Umständen, die wesentliche Seele eines architektonischen Monumentes.
        

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