Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grammatik der Ornamente
Person:
Jones, Owen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1862676
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1866542
ITALIENISCHE 
ORNAMENTE. 
Doch bilden die im italienischen Styl gemalten Arabesken und die Stucchi, die ihnen oft zur Seite stehen, 
eine bemerkenswerthe Ausnahme, daher wir uns vorbehalten ihnen weiter hin eine spezielle Notiz zu wid- 
men. Die Bauten, welche von Rafael herrühren, im Palaste Pandoliini zu Florenz und im Palaste Cafferelli, 
vormals Stoppani zu Rom, sind zwar vortrefHieh, doch beruht Rafaels Ruf als ein Ornamentist mehr auf seinen 
Arabesken als auf seinen architektonischen Leistungen, daher wir auch seiner hier nicht weiter erwähnen 
wollen. Noch wollen wir auf den Werken des Baldassare Peruzzi verweilen, denn, so interessant sie auch sein 
mögen, bieten sie doch, in Bezug auf die Ornamente, keine auffallende Individualität dar, indem sie der 
Antike genau gleichen. Bramante kann ebenfalls nur als ein Künstler der Renaissance, 
und unter keinem andern Gesichtspunkt angesehen werden. Erst der grosse Florentiner, v1! i! "m  A! 
dessen leuchtendes Genie und feuriger Geist keinen Zwang dulden konnte, riss sich mit    
Gewalt von den Fesseln der Tradition los, und pflanzte den ersten Keim jener eigen- u"! _ H i 
willigen Originalität, der nach und nach alle seine Zeitgenossen in jedem Gebiete der h"?  X  l 
Kunst ansteckte, und eine zügellose Licenz erzeugte, welche am Ende, unter minder III  H  
kräftigen Händen, in allen Zweigen der Kunst in eine allgemeine Abweichung von den K i Mix  
Gesetzen des verfeinerten Geschmackes ausartete.      
Michelangelo, geboren 1474, gehörte zur edeln Familie der Buonarrot-ti, Nach-  l 
kömmlinge der Grafen von Canossa. Er war ein Schüler des Domenico Ghirlandaio,    
und entwickelte schon frühzeitig ausgezeichnete Anlagen zur Sculptur, daher er den   
Antrag erhielt, diese Kunst, in der von Lorenzo de Medici gegründeten Schule, weiter  "ä sie J  
auszubilden. Als die Familie der Medici, in 1494, aus Florenz verbannt wurde, begab    
sich Michelangelo nach Bologna, wo er am Grabmal St. Dominids arbeitete. Bald lh   _ 
aber kehrte er wieder nach Florenz zurück, wo er seinen "Bacchus" ausführte und im K] i H  
Alter von drei und zwanzig Jahren den berühmten " Cupid" lieferte, dem er seine Be- Hi     
rufung nach Rom verdankte. In dieser letztern Stadt verfertigte er unter andern    
Werken die "Pieta," welche vom Cardinal d'Ambcise bestellt worden war und sich  l 
gegenwärtig in der Peterskirche befindet. Seine nächste Leistung war die riesenmässige jij;   
Statue " David's " zu Florenz. Im Alter von neun und zwanzig Jahren begab er sich,    
auf Einladung Julius II., wieder nach Rom, um das Mausoleum dieses Papstes zu er-  5    
richten. Für dieses Mausoleum war der " Moses " zu San Pietro in Vincoli, so wie auch "l    n 
die im Louvre befindlichen 4' Sklaven," ursprünglich bestellt worden; doch wurde das  all  V1 
Gebäude in einem kleinern Masstabe ausgeführt, als es zuerst beabsichtigt worden War. h   
Hierauf unternahm er das Ausmalen der sixtinischen Kapelle, eine seiner grössten   Im! 
Leistungen, sowohl hinsichtlich der erhabenen Ausführung", als auch im Betracht des  "ll 
Einflusses welchen diese Arbeit, nicht nur auf die Kunst der damaligen Epoche, sondern   
auch auf den Kunststyl der Nachwelt, ausübte. In 1541 vollendete er die vom Papst   
Paul III. bestellte Frescomalerei des "jüngsten Gerichtes." Der Rest seines langen  
Lebens war dem Bau der Peterskirche gewidmet, ein Werk das ihn bis zu seinem Tode "  
beschäftigte, und wofür er jede ihm dargebotene Belohnung ablehnte. Senkrgzälxxltäsegurlinment 
In allen den zahlreichen Leistungen des Michelangelo, scheint das Begehren nach 
Neuheit, seine Aufmerksamkeit von dem ausschliesslichen Streben nach gediegener Vortrefflichkeit abge- 
wendet zu haben. Seine kühnen Neuerungen im Gebiete der Ornamentation waren nicht minder auiiällend als 
die, welche er in den andern Fächern der Zeichenkunst offenbarte. Seine grossen gebrochenen Giebel und 
Gliederungen, seine kühn entworfenen Consolen und Schnörkel, seine unmittelbare Nachahmung (nicht ohne 
eine gewisse Uebertreibung) der Natur, die sich in einigen seiner Verzierungen darthut, die schlichte 
Ausseniiäche seiner architektonischen Öompositionen, Waren eben so viele neue Elemente, und wurden von 
Seiten minder eriinderischer Künstler gierig aufgegriffen. S0 erlitt die römische Zeichenschule eine
        

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