Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grammatik der Ornamente
Person:
Jones, Owen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1862676
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1866436
ELISABETHEISCHE 
ORNAMENTE. 
oft Modelle zu gemalten sowohl als zu geschnitzten Ornamenten zeichneten, und sogar in ihre Gemälde häufig 
Yerzierungen einschalteten, wie Solches im Bilde der Königin Maria, von Lucas de Heere, zu sehen ist, in 
welchem sich abgetheilte Felder von geometrisch verschlungener Gestalt befinden, die mit juwelenförmigem 
Blattwerk ausgefüllt sind. Wir können also mit Zuversicht schliessen, dass die protestantischen Staaten 
der Niederlande und Deutschlands)? im Anfang der Regierung Elisabethb einen bedeutenden Einfluss auf 
die Kunst von England ausgeübt haben müssen. Zur selben Zeit (1556-1559) wurde auch das Heideli 
berger Schloss erbauet, welches wohl nicht ohne Wirkung auf die englische Kunst blieb, besonders da die 
Prinzessin Elisabeth, Tochter J akobis I., als Königin von Böhmen, zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts 
sich mit ihrem Hofe da aufhielt. 
Gegen Ende der Regierung Elisabeth's und unter Jakob I. sind die englischen Künstler am zahlreichsten, 
ja sie hatten kaum einen Concnrrenten in der Kunst, wenn man etwa Jansen und Chrismas ausnimmt; 
daher auch zu jener Periode der Ausdruck der einheimischen Kunst sich auf 's bestimmteste äussert, und die 
jenem Zeitpunkt angehörigen merkwürdigen Bauten von Audley End, Holland House, Wollaton, Knowle 
und Burleigh, nebst den damit verbundenen Decorationen, sind alle Leistungen englischer Baukünstler. 
Demzufolge findet man den rein italienischen Ornarnentationsstyl, in den meisten Werken der Künstler 
die unter Heinrich VIII. blühten, wie man aus den schon genannten Kunstwerken sowohl als aus den 
Fig. 1, 3, Tafel LXXXIII., wohl ersehen kann. Zur Zeit der Elisabeth findet man nur selten die Nach- 
bildung italienischer Modelle, indem damals der decorative Styl der deutschen und niederländischen Künst- 
ler allgemein befolgt wurde. Unter der Regierung Jakob's I. macht sich derselbe Styl bemerkbar, den die 
englischen Künstler zu dem ihrigen gemacht hatten, und meistens auf eine grossartigere Weise ausübten; 
viele Tafel LXXXIV., Fig. 5 und 11, von Aston Hall, einem Gebäude das gegen Ende der Regierung des 
letztgenannten Monarchen erbauet wurde. Der Charakter der Ornamente jener Periode verräth wenig 
Originalität, sondern bloss eine Modiiication fremder Modelle. Schon gegen Ende des fünfzehnten J ahr- 
hunderts lässt sich in der Glasmalerei, in den illuminirten Büchern und andern ähnlichen decorativen 
Arbeiten Italiens, der Keim der durchbrochenen Schnörkelverzierungen bemerken. Die prächtigen Ränder 
des Giulio Clovio (1498-1578), Schülers des Giulio Romano, offenbaren an vielen Stellen dieselben 
Charakterzüge, welche die Schnörkel, die Bänder, die Nagelkopf-Verzierung und die Laubgehänge der 
Arbeiten der elisabetheischen Periode an den Tag legen. Dasselbe lässt sich von den Glasmalereien des 
Giovanni da Udine (1487-1564) an den Fenstern der laurentianschen Bibliothek zu Florenz, bemerken, und 
verkündet sich noch deutlicher an den Frontispicen im grossen Werk Serlids über die Architektur, Paris 
1546. Das andere Merkmal der elisabetheischen Ornamente, nämlich die verwickelten und fantastisch 
verschlungenen Bänder hat seinen Ursprung in den zahlreichen und treiiiichen Zeichnungen der sogenannten 
" Kleinmeister 9' von Deutschland und den Niederlanden, und namentlich in den Werken der Künstler 
Aldegrever, Virgilius Solis aus Nürnberg, Daniel Hopfer aus Augsburg, und Theodore de Bry, die alle wäh- 
rend des sechzehnten Jahrhunderts eine grosse Menge Ornamentszeichnungen in Kupferstichen heraus- 
gegeben haben. Auch dürfen wir die Baucompositionen und Ornamente des W. Dieterlin nicht mit Still- 
schweigen übergehen; sie trugen ganz das fantastische Gepräge des elisabetheischen Styls an sich, und 
wurden, nach der Behauptung Vertuels, von Chrismas in seinem Entwurf der Fagade von N orthumberland 
House benutzt. Nachdem wir also die Quellen angegeben haben, welchen der sogenannte elisabetheische 
Ornamentationsstyl sein Dasein verdankt, wollen wir noch folgendes bemerken. Es ist unläugbar, dass 
Decorationen verschieden behandelt werden sollten und müssen, je nach den verschiedenen Gegenständen 
und Materialien zu welchen sie gebraucht werden, daher die italienischen Meister, von diesem ästhetischen 
Gesetz lebhaft durchdrungen, es in den meisten Fällen sorgfältig vermieden den Styl der Malerei in's Gebiet 
der Sculptur oder der Architektur zu übertragen; sie beschränkten den Gebrauch desselben auf 
Entwurfe beinahe 
1' Das merkwürdige Monument des Sir Francis Vere (aus der Zeit Jakobs I.) zu Westminster, ist in seinem 
identisch mit dem Denkmal Engelberifs von Nassau, in der Kathedrale von Breda (sechzehntes Jahrhundert). 
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