Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grammatik der Ornamente
Person:
Jones, Owen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1862676
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1866088
ORNAINIENTE 
RENAISSANCE. 
richtige Würdigung des unentbehrlichen Gleichgewichtes in Bezug auf Quantität, Vertheilung und verhält- 
nissmässiges Colorit, welches zwischen den Wandmalereien und den Wandornamenten obwalten muss. Diese 
richtigen Principien des Gleichgewichts Wurden im vierzehnten Jahrhundert allgemein gewürdigt und aus- 
geübt, und die Künstler Simone Memmi, Taddeo Bartolo, die Familie Orcagna, Pietro di Lorenzo, Spinello 
Aretino und viele andere Waren anerkannte Meister in der Kunst der Wändeverzierung. Im folgenden 
Jahrhundert zeigte sich Benozzo Gozzoli ebenso eifrig in seinen Nachforschungen des Alterthums als in 
seinen Studien der Natur, wie man aus den Hintergründen seiner Malereien im Campo Santo, wie auch 
aus den herrlichen Arabesken in seinen Malereien in San 
Giinignano wohl ersehen kann. Doch war es vorzüglich 
Andrea Mantegna, der der Malerei dieselbe Richtung gab, 
Welche Donatello der Sculptur gegeben hatte, und zwar nicht 
nur in den Figuren, sondern in jeder 
) i t Varietät der Ornamente, die er dem 
J   i Alterthurn entlehnte. Seine herrlichen 
   Gartens, die sich im Schlosse Hampton 
i 9  Court in England befinden, Wären in 
fäß?   jeder Beziehung, und bis auf die klein- 
 i  sten Details der Ausschmiickung, des 
  Pinsels eines alten Römers würdig. 
ß"    Gegen Ende des fünfzehnten J ahrhun- 
 3 s; M; 1; derts nahm der Styl der Polychromie 
K!    Wieder eine frische Wendung. Von 
   den Eigenthüinlichkeiten dieses Styls, 
lt xxäßß   in Bezug auf Arabesken und groteske 
t  Ornamente, werden wir in einem der 
il   folgenden Capitel zu sprechen Gelegen- 
     heit haben. 
  Wenn wir uns von Italien gegen 
    Frankreich Wenden, finden wir, dass 
    die Franzosen die ersten Waren, an dem 
 k  wir in Italien aufiodernden Feuer der Re- 
ieglirä-eäiä: Kiäiäffäiräi  312g naissance die Fackel der auiiebenden 
deimracolir Venedig)" Kunst zum Nutzen ihres Landes anzu- 
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Theil einer Thürälgeglliiäggägstäezixiaporias, nahe der 
zünden, wozu die Kriegszüge Karls VIII. und Ludwigs XII. in Italien nicht wenig beitrugen, indem die 
Prachtwerke von Rom, Florenz und Mailand bei dem Adel Frankreichs eine hohe Verehrung für die Künste 
erweckte. Das erste Merkmal der bevorstehenden Umwälzung zeigte sich in dem zu Ehren Karls VIII. in 
1499 errichteten Monument (welches unglücklicherweise in 1793 zerstört wurde), um welches zwölf weib- 
liche Figuren, von vergoldeter Bronze, die Tugenden darstellend, ganz im italienischen St-yl gruppirt Waren- 
Im selben Jahre wurde der berühmte Architekt, Fra Giocondo von Verona, Freund und Mitschüler des 
ältern Aldus, und der erste Verleger einer richtigen Ausgabe des Vitruvius, von Ludwig dem Zwölften nach 
Frankreich berufen, wo er sich von 1499 bis 1506 aufhielt, und für seinen königlichen Gönner den Entwurf 
zweier Brücken über die Seine lieferte, und wahrscheinlich auch andere unbedeutendere Werke, von denen 
jedoch keine Spur mehr bleibt. Man hat diesem Künstler auch die Baute des prächtigen, im Jahr 1502' 
vom Cardinal d'Amboise angefangenen Schlosses Gaillon zuschreiben wollen, doch wird diese Annahme von 
Emeric David und andern französischen Archäologen als grundlos erklärt. Der Styl des Gebäudes selbst 
verräth unläugbar einen französischen Ursprung und zeugt deutlich gegen Griocondo, der vielmehr ein 
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