Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grammatik der Ornamente
Person:
Jones, Owen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1862676
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1866073
ORNAMENTE 
RENAISSANCE. 
einfiössen 
sollte, und 
Gedanken, die 
Anblick 
der Ornamente 
Friesen, Pilastern, Feldern, 
Bogenzwickeln 
verzierten 
Bautheilen 
erregen 
IIIUSS. 
Tragische 
komische 
Masken, 
musikalische Instrumente, halb priapische Sehlussverzierungen, antike Altäre, Dreifüsse, Trinkgeräthe, tan- 
zende Amor-ini, hybridische Seeungeheuer und Chimären, stehen kaum in harmonischem Einklang mit Denk- 
mälern in heiligen Bauten oder in Tempeln errichtet, die dem Gottesdienst geweihet sind. Doch wäre es un- 
recht die Künstler der Renaissance allein, für diese fehlerhafte Vermischung profaner und heiliger Dinge mit- 
einander, verantwortlich zu machen. 
Ihre Arbeiten müssen als der Spiegel des herrschenden Geistes jener 
Epoche betrachtet werden, in welcher der mythologische Symbolismus einen neuen Aufschwung erhielt und 
nur als ein Protest galt, gegen die hemmenden und beschränkenden Fessel der ascetischen Tradition, die unter 
den Herrschern des Ostens zum Dogma. wurde, und von der Kirche, die Jahrhunderte lang auf die ebenso 
unruhige als unwissende Bevölkerung den grössten Einfluss ausübte, eifrig bestätigt und unterstützt worden 
war. S0 kam es, dass im vierzehnten Jahrhundert, selbst die frömmsten Männer von dergleichen unge- 
erfüllt waren. 
reimten Verbindungen 
Es ist 
nieht 
nöthig 
Weiter 
gehen, als 
zur " Commedia " von 
Dante, die die litterarische Welt doch einstimmig als das göttliche Heldengedicht bezeichnet, um 
erken- 
nen, wie das ganze Gewebe der Litteratur jener Zeit, vom verschlungenen Gewinde gothischer und classischer 
Eingebung, aufs bunt-este durchkreuzt War. 
Das Studium 
italienischen Cinque- 
Cento Ornamente 
Relief 
Architekten 
minderem Nutzen als es für den Bildhauer sein kann: denn in keinem andern Style sind die Ornamente 
besser abgemessen, oder in ihrer Anordnung besser darauf berechnet, mit den anliegenden architektonischen 
Linien aufs gefälligste zu contrastiren, 
denen 
begrenzt 
Schranken 
Subordination 
gehalten werden. Selten, ja fast nie, sieht man in senkrechter Stellung ein Ornament, das seiner Natur 
nach eine horizontale Stellung erfordert, oder vice versä. Die Verhältnisse der Ornamente und die der 
Gliederungen, so wie die der Stiele und Querstücke, welche dazu dienen dem Ganzen eine regelmässige 
Symmetrie zu verleihen, stehen fast immer im vollkommensten Einklang miteinander. Die Tafeln LXXIV., 
LXXV. und LXXVI. stellen eine Sammlung von Mustern dar, die sich meistens durch anmuthvolle Linien, 
und durch eine höchst künstliche, obwohl dem Anschein nach ganz natürliche, Vertheilung der Ornamente auf 
den Feldern besonders auszeichnen. Die Werke der Lombardi in der Kirche St-a. Maria dei Miracoli, Venedig 
(Tafel LXXIV., Fig. 1, 8, 9, und Tafel LXXVI.,  2); die des Andrea Sansovino zu Rom (Tafel LXXIV., 
Fig. 1); und die des Domenico und des Bernandino di Mantua, zu Venedig, (Tafel LXXIV, Fig. 5 und 7  
verrathen die grösste Vollkommenheit in diesen Eigenschaften. Später aber, nach der Periode in welcher 
diese Künstler blühten, fing man an die Ornamente beinahe durchgehends im Hoch-Relief auszuarbeiten, 
zugleich Wurden die Stamme und Ranken dicker gemacht und ohne immer spitz auszulaufen, der zufällige 
Wachsthum und das Spiel der Natur wurde nicht mehr so emsig nachgeahmt, die Felder wurden über- 
dies reichlicher mit Verzierungen ausgefüllt, so dass das Ganze zwar bunter erschien, aber auch weniger 
zarte Verfeinerung verrieth. Die Bildhauerarbeiten traten in die Schranken als Nebenbuhler der Bau- 
werke, so dass die Architekten zu ihrer Selbstvertheidigung und um die Sculptur in den Schatten zu 
stellen, ihre Gliederungen grösser und hervorragender machten, demzufolge, nach und nach, ein schwer- 
falligerer Styl zur Mode wurde. Diese Tendenz der Ornamente zur Ueberschwülstigkeit verkündet sich schon 
in manchen genuesischen Werken, die wir Tafel LXXV., F ig. 1, 2, 4, 5, 8, 9, 11; und Tafel LXXVI., 
Fig. 4, 5, 7, 8, 10, dargestellt haben. Fig. 6 der letztgenannten Tafel, vom berühmten Grabmal Mar- 
tinengo, zu Brescia, verräth ebenfalls diese Tendenz der Ueberfüllung. 
Zugleich mit der hier kurz berührten Umwandlung in der Soulptur, äusserte sich eine ähnliche Bewegung 
in der Malerei. Giotto, ein Schüler des Cimabue, befreiete sich von den Fesseln der griechischen Tradition, 
um sich mit ganzer Seele der Natur zu widmen. Seine Ornamente, wie die seines Meisters, bestanden aus 
einer Combination von gemalten Mosaiken, verschlungenen Bändern und freien Darstellungen des Acanthus. 
In seinen Werken zu Assisi, Neapel, Florenz und Padua, entwickelte er durchgehends eine anmuthige und
        

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