Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grammatik der Ornamente
Person:
Jones, Owen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1862676
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1866027
ORNAMENTE 
RENAISSANOE. 
Theil des Fussgestells umgeben, als auch in den " Puttini " oder pausbäckigen Knaben die sie tragen. Die 
gekrümmten Beinchen eines dieser " Puttini " beweisen die ungekiinstelte Nachahmung der Natur, die dem 
Künstler eigen war. Sein grosses Werk aber war der Brunnen auf dem Marktplatz zu Sienna, dessen 
Ausführung auf zwei Tausend zwei Hundert Groldducaten zu stehen kam. Dieser Brunnen ist jetzt beinahe 
ganz verfallen, zeigt aber, selbst in seinem gegenwärtigen Zustande, unverkennbare Spuren der ungewöhn- 
lichen Fähigkeiten des Meisters. Seit der Ausführung dieses Meisterstücks war er unter dem Namen 
J acopo della Fonte bekannt. Auch wurde ihm als Anerkennung manche Auszeichnung zu Theil, und er 
ward zum Kirchenvorsteher der Stadt ernannt, wo er sein thätiges und bewegtes Leben, in 1424, im Alter 
von vier und sechzig Jahren beendete. Zwar glückte es ihm nicht die Ausführung der zweiten Bronzethüre 
des Baptisteriums zu Florenz, um die er sich nebst andern Candidaten beworben hatte, zu erhalten, doch 
genoss er der höchsten Achtung während seines Lebens, und übte auch nach seinem Tode noch einen grossen 
und heilsamen Einfluss auf die Sculptur aus. So gross aber auch sein Verdienst war, stand er doch, in der 
richtigen Nachahmung der Natur, an Anmuth, an geschickter und leichter Combination der Verzierung, 
seinem Zeitgenossen, Lorenzo Grhiberti, bei weitem nach. 
Florenz war in 1401, unter einer wesentlich demokratischen Regierungsform, eine der blühendsten 
Städte in Europa. In dieser bürgerlichen Demokratie waren die verschiedenen Handwerke in Zünfte, 
unter dem Namen " Arti," abgesondert, und wurden von Abgeordneten (Uonsoli) repräsentirt. Diese 
letztem beschlossen, im obgenannten Jahre, eine zweite Bronzethüre am Baptisterium errichten zu lassen, 
als Anhang zu der, welche Andrea Pisano früher, in einem sehr edlen aber gothischen Styl angefertigt hatte. 
In Folge dieses Entschlusses, lud die Signoria, welche die vollziehende Macht ausiibte, alle die vorzüg- 
lichsten Künstler Italiens zum Wettstreit ein. Lorenzo Ghiberti, in Florenz gebürtig, der zu jener Zeit 
erst zwei und zwanzig Jahr alt war, ging auf den Wettstreit ein, und wurde, nebst zwei andern Künstlern, 
Brunelleschi und Donatello, des Unternehmens würdig erklärt. Die zwei letztem zogen sich, wie es scheint, 
freiwillig zurück, und er übernahm die Arbeit, welche drei und zwanzig Jahre nachher beendet war. Die 
Ausführung sowohl als die Zeichnung War so meisterhaft, dass die Signoria sich veranlasst fühlte ihm die 
Anfertigung einer zweiten Thüre zu übertragen, die im Jahre 1444, beendigt war. Es wäre unmöglich die 
Wichtigkeit dieser Arbeit zu hoch anzuschlagen, welche, sowohl im Betracht ihres Einflusses auf die Kunst, 
als hinsichtlich ihres innern Werthes, über jedes andere Werk dieser Art erhaben steht. Das Ornament, 
welches die Felder umschliesst (von dem ein Theil unter Fig. 3, Tafel LXXV., zu sehen ist), verdient es 
Wohl mit der grössten Aufmerksamkeit geprüft zu werden. 
Lorenzo Ghiberti, der ursprünglich von seinem Schwiegervater zur Goldschmiedekunst gebildet wurde, 
gehörte keiner besondern Schule an, und hat auch keine eigentliche Schule gebildet, und sein Einfluss auf 
die Kunst rührt weniger von der Entwickelung einer Kunstschule oder von der Heranbildung von Zöglingen 
her, als von der Aufmerksamkeit und der Huldigung die seinen Arbeiten, von Männern wie Buonarotti und 
Rafael, zu Theil wurde. Er starb in einem sehr vorgerückten Alter in seiner Geburtsstadt, im Jahre 
1455. Einer seiner unmittelbaren Nachfolger, Donatello, wusste der Kunst eine lebensvolle männliche 
Kraft zu geben, die in Ghibertfs Compositionen, so schön diese auch waren, oft fehlte. Die Eigenschaften 
dieser beiden genannten Künstler vereinigten sich in der Person des Lucca Della Robbia, der während seines 
langen Lebens (von 1400 bis 1480) eine unendliche Menge von Werken lieferte, in deren Verzierungsdetails 
sich der anmuthigste und freieste Einklang mit der Antike kund thut. Filippo Brunelleschi vereinte in 
sichzugleich die Talente eines Bildhauers und die eines Architekten. Die erstem bewährte er im ausge- 
zeichneten Probestück, das er bei Gelegenheit des Wettstreites mit Grhiberti, um die Ausführung der be- 
riihmten Thüren von San Giovanni Battista, verfertigte, und als Beweis der letztern kann die von ihm 
erbaute Kathedrale Sta. Maria delle Fiore, Florenz, angeführt werden. Diese Combination von Fähigkeiten 
der Baukunst und der Bildnerei, bildete übrigens einen Charakterzug jener Periode. Figuren, Blattwerk 
und conventionelle Ornamente verschmolzen sich so harmonisch mit Gesimsgliederungen und andern 
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