Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grammatik der Ornamente
Person:
Jones, Owen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1862676
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1865730
ORNAMENTE. 
MITTELALTERLICHE 
In den Säulenkapitälen der früh-gothisehen Architektur entspringen die Ornamente unmittelbar aus 
dem Schaft, welcher sich oberhalb des Halses in eine Serie von Stämmen abtheilt, von denen jeder einzelne 
in eine Blume ausgeht. Diese Verzierungsweise kommt der des ägyptischen Kapitals gleich. Im decorir- 
ten Styl hingegen, wo sich ein deutlicheres Bestreben auf Nachahmung der Natur offenbart, hörte dieses 
natürliche Entspriessen der Ornamente auf, indem es unmöglich wäre ein natürliches Blatt als einen Theil 
des Schafts zu behandeln. Deshalb endete man den Schaft in der Gestalt einer Glocke von Blättern 
umwunden, und im Verhältniss als diese Blätter natürlicher wurden, ward auch die Anordnung derselben 
minder künstlerisch. Ebenso verhält es sich mit den Buckelverziemngen, die die Kreuzungspunkte 
der Gewölberippen verdecken. In den früh-gothischen Gewölben bilden die Stämme und Blätter, aus 
welchen die Buckelverzierungen bestehen, die Fortsetzung der Rippenglieder; in den spätem Perioden 
aber rnaskirte man die Kreuzungspunkte der Rippen, indem man die Buckelverzierungen darüber hin- 
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Kirche zu Stone, Kent. 
-Von der topographischen Gesellschaft herausgegeben. 
legte, demzufolge bildeten dieselben nur ein aufgelegtes Ornament, gerade wie das Acanthusblatt an dem 
Grlockenkorb des corinthischen Kapitals.  
In den Bogenspandrillen erstreckte sich, so lange die conventionelle Behandlung beibehalten wurde, ein 
einziger Hauptstamm über den ganzen Bogenzwickel hin, und aus diesem einzigen Stamm entsprossen 
Blätter und Blumen; als man aber anfing die Natur nachahmen zu wollen, War der Stamm nicht länger 
die Grundlage der Gestalt des Ornamentes, welches überdies, bei diesem verwerflichen Bestreben dem 
Steine den weichen Schmelz der Natur einzuprägen, seine ganze Anmuth einbüsste. Der Hauptstamm als 
der hervorragende Grundzug der Verzierung verlor sich nach und nach, und die Bogenzwickel wurden oft 
mit drei ungeheuern Blättern bedeckt, die aus einem verdrehten Stamm im Mittelpunkt entsprangen. 
Von der innern Ausschmückung der Häuser im dreizehnten Jahrhundert sind nur wenige Reste vorhanden, 
daher wir nicht im Stande sind diese Art Ornamente vollkommen zu beurtheilen. Die in den illuminirten 
Manuscripten jener Epoche vorkommenden Ornamente geben uns keinen zuverlässigen Leitfaden zu dieser 
Beurtheilung, indem der Styl derselben, nach dem zwölften Jahrhundert, selten architektonisch ist; über- 
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