Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grammatik der Ornamente
Person:
Jones, Owen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1862676
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1863388
ORNAMENTE 
WILDEN 
STAE M ME. 
des Musters einen höchst verfeinerten Geschmack und die grösste Geschicklichkeit. N0. 9 ist die Borte am 
Rande des Zeuges; es wäre schwer, mit denselben beschränkten Mitteln, Schöneres zu leisten. Die Muster 
werden mittelst kleiner Holzstempel gebildet, und obgleich die Ausführung etwas roh und unregelmässig sein 
dürfte, so ist doch die _Absicht überall sichtbar; und beim ersten Blick fallt einem die Geschicklichkeit in's 
Auge, mit welcher die Massen balancirt sind, so wie die sinnreiche Methode die Tendenz des Auges in einer 
Richtung fortzulaufen, durch das Anbringen anderer in entgegengesetzter Richtung sich bewegenden 
Linien zu hemmen. 
Als Herr Brierly die Insel besuchte, lieferte eine einzige Frau alle die daselbst gebrauchten- Muster, und 
für jedes neue Muster bekam sie zur Belohnung eine gewisse Quantität des Zeuges. Das Muster N0. 2, 
vom selben Orte, enthält ebenfalls eine vortrefiiiche Lehre der Composition die wir uns zu Nutze machen 
können, obgleich sie von der Künstlerin eines wilden Stammes herkommt. Nichts könnte sinnreicher sein 
als die allgemeine Anordnung der vier Vierecke und der vier rothen Flecken. Ohne diese rothen Flecken 
auf gelbem Grunde wäre ein Mangel der Ruhe in der allgemeinen Anordnung empfindbar gewesen; ohne 
die rothen Linien, die diese Flecken umgeben, und dazu dienen dem Roth auf dem gelben Grunde durchzu- 
helfen, wäre die Anordnung noch immer unvollkommen-gewesen. Wären die rothen Dreiecke nach Aussen 
gewendet anstatt eaawärts, so wäre die Ruhe gleichfalls gestört und der auf's Auge hervorgebrachte Eindruck 
Wäre der des Schielens; bei der gegenwärtigen Anordnung hingegen findet das Auge, mittelst der rothen," 
um die mittlern Vierecke angebrachten Flecken, einen Mittelpunkt in jedem Viereck und in jeder Gruppe. 
MS Muster bildenden Stempel sind ganz einfach, indem jedes Dreieck und jedes Blatt 
"mittelst eines einzelnen Stempels gebildet werden. Dies beweist wie ein A einfaches Werk- Q 
Zeug selbst in der ungebildetsten Hand, die sich aber von der instinktartigen Beobachtung der in den 
Naturwerken herrschenden Anordnung der Formen leiten lässt, leicht zu all den uns bekannten geometri- 
x w r , sehen Anordnungen der Form führen würde. 
x , Ter achtspitzige Stern in der obern Ecke, links, des Musters N0. 2 t 
 wurde mittelst einer achtmaligen Aufiegung desselben Werkzeugs O 
1 s hervorgebracht. Dasselbe geschah mit der schwarzen Blume, die  Ä 
1 x aus sechzehn einwärts ' und sechzehn auswärts gerichteten 0 
l x Spitzen besteht. Die verwickeltsten Motive der A byzantini- 
äillffiligjääbischen und maurischen Mosaiken liessen sich auf. diese Weise erzeugen; Das Geheimniss des 
Jedem Ornamente hegt dann, einen allgemeinen kuhnen Effect dui ch die W iederholung einiger ein- 
fachell Elemente hervorzubringen, die Mannichfaltigkeit sollte vielmehr in der Anordnung der verschiedenen 
illheile der Zeichnung gesucht werden, als in der Vervielfältigung verschiedener Formen. Die nächste Stufe 
m deP Verzierung, nach der Tatuirung des Leibes, ist natürlich das Aufdrucken verschiedener Muster auf 
die dem Leibe zur Bedeckung dienende Kleidung, und zwar mittelst desselben          
Verfahrens. In beiden diesen Verzierungsarten muss die Mannichfaltigkeit grös-      
ser und die Individualität mehr ausgeprägt sein als in den nachfolgenden Ver- WIEN!  M lszlllhl-tilhllit  am! 
fahrungsiveisen, die immer mechanischer werden. Der Gebrauch die Strohhalme  "lIlügtltmllllllillllvlbliliL H",  
oder die Baumrinden Streifen zu flechten, anstatt sie in dünnen Blättern an- i!"  im:    d Hi: 
zuwenden, muss natürlich den ersten Gedanken des WVebens eingeben, und [Wgiprjifllg     
kann nicht verfehlen den Geist allmälig zur Würdigung der gehörigen Dispo-  llllmwiqrigil  lywvlxf  
sition der Massen heranzubil den. Das Auge des Wilden, gewohnt daran nur N wIlilltt.Tlitmt.  W. 
die Harmonie der Natur zu betrachten, muss leicht auf die Empfindung {Willi  jttitüü   
und Wahrnehmung des richtigen Gleichgewichts eingehen, hinsichtlich der  i!)      {litt Et 
Farbe; und dies ist auch wirklich der Fall in den Ornamenten der Wilden, wo Fyv.    Hi"![Immmtiiiitlti illßgn  
das richtige Gleichgewicht der Farbe und der Form immer streng erhalten wird.     M m l  
Nach der Bildung von gedruckten und gewobenen Ornamenten folgt die i"  l im  Htittllt im 
Lust geschnitzte und Relief Ornamente hervorzubringen. Die zur Verthei- Genochtenes  den Sandwich
        

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