Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grammatik der Ornamente
Person:
Jones, Owen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1862676
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1865138
INDISCHE 
ORNAMENTE. 
In Teppichen und in Farbencombinationen 
matterem Ton 
werden 
allgemein 
schwarze 
Contouren 
zu diesem Zwecke angewendet. 
Was die Indier immer, und in gewobenen Zeugen insbesondere, als Hauptzweck vor Augen zu haben 
scheinen, ist: dass jedes Ornament sanft, nicht grell deünirt erscheine; dass colorirte Gegenstände aus der 
Entfernung angesehen einen neutralisirten Blüthenglanz darstellen; dass, bei jedem Schritt näher, neue 
Schönheiten zum Vorschein kommen; und dass, bei ganz naher Besichtigung erst, die Mittel hervortreten 
sollen, durch welche der Eifect erzeugt worden ist.  
Hierin befolgen sie übrigens nur die Principien der Verzierung der Oberflächen, die sich in der Archi- 
tektur der Araber und der Mauren kund geben. Der Zwickel eines maurischen Bogens und ein indischer 
Shawl beruhen in ihrer Construction auf denselben Principien.  
Das Ornament N0. 3, Tafel LIIL, einem im India House befindlichen Buchdeckel entnommen, ist ein 
prächtiges Muster gemalter Verzierung. Das Ebenmass der Hauptlinien des Musters, die verständige Ver- 
theilung der Blumen über die ganze Oberfläche, und der ununterbrochene Zusammenhang der Linien der 
Stämme, trotz der verwickelten Verschlingungen derselben, stellen dieses Ornament weit über jedes europäische 
Werk derselben Art. An der innern Seite desselben Deckels, N0. 2, Tafel LIV., verrathen die Ornamente 
zwar eine minder conventionelle Behandlung, hingegen ist die äusserste Grenze in der Behandlung der 
Blumen auf flacher Oberfläche, mit einer Genauigkeit beobachtet, die Staunen erregt. Dieser Buchdeckel 
bietet uns das Muster zweier abgesonderten Stylarten zugleich dar, indem die Aussenseite, Tafel LIII., auf 
arabische, und das Innere auf persische Weise behandelt ist.
        

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