Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grammatik der Ornamente
Person:
Jones, Owen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1862676
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1864718
MAURISOHE 
ORNAMENTE. 
wüchse geben; doch nehmen wir den Ausdruck hier in einem beschränktem Sinne, nämlich, die allgemeinen 
Linien können zwar im wahrsten Verhältniss mit der Construction fortlaufen, und doch dürften Knorren 
und Höcker, oder ähnliche Auswüchse an denselben vorkommen, die, 
Regeln 
Construction 
verletzen, doch der Schönheit höchst nachtheilig sein müssten, wenn sie nicht allmälig 
allgemeinen 
Linien entepriessen. 
Keine Form kann 
wirklich 
schön, 
Ebenmass 
Anordnung 
Linien 
wirklich 
vollkommen 
sein, wenn keine vollkommene Ruhe daraus entsteht. 
Jeder Uebergang von krummen Linien zu krummen, oder von krummen zu geraden, muss allmälig 
geschehen. So wäre der Uebergang in Figur A nicht länger anmuthig, wenn der Absatz in A, im Verhältniss 
 j zu den Krümmungen, zu tief wäre, wie das in B der Fall ist. So 
X2 KBIJ   oft zwei gebogene Linien (wie hier), mittelst eines Absatzes abge- 
"M" sondert werden, so müssen die so geschiedenen Linien in einer 
eingebildeten Linie parallel mit einander fortlaufen  am Punkte 
WO sie die Tangenten zu einander bilden würden; denn sobald die eine oder die andere Linie von dieser 
parallelen Richtung abweicht, wie in Figur D, so nimmt das Auge, anstatt allmälig der Krümmung hinab 
zu folgen, eine auswärtige Richtung, und die Ruhe muss gestört werdenfk 
Zuerst wurden die allgemeinen Formen entworfen, die nachher unterabgetheilt, und mittelst allgemeiner 
Linien verziert wurden; die Zwischenräume füllte man dann mit Ornamenten aus, welche ihrerseits wieder 
abgetheilt und ausgeschmückt wurden, um einer nähern Besichtigung Genüge zu leisten. Dieses Principium 
fihrten die Mauren immer mit der grössten Gediegenheit durch, und der genauen Beobachtung dieses Ge- 
setzes verdankt ihre Ornamentation ihre harmonische Schönheit und ihren entschiedensten Erfolg. Ihre 
Hauptabtheilungen contrastiren miteinander, und balanciren sich aufs herrlichste; woraus eine vollkommene 
Klarheit entsteht, indem die Details nie störend auf die allgemeine Form einwirken. Aus der Ferne 
betrachtet, fallen einem die Hauptlinien zuerst ins Auge; wenn man näher tritt, werden die Details als 
ergänzende Theile der Composition bemerkbar; und bei näherer Besichtigung entdeckt man fernere Details 
auf der Oberfläche der Ornamente selbst. 
Die Harmonie der Form besteht im 
gehörigen 
Gleichgewicht 
Contrast 
geraden, 
krummen 
und geneigten Linien. 
Gerade wie in der Farbe keine Composition vollkommen sein kann, in der irgend eine der drei Grund- 
farben fehlt, so kann auch, hinsichtlich der baulichen oder decorativen Form, keine Composition vollkommen 
sein, worin irgend eine dieser drei Grundiiguren fehlt; und die Verschiedenheit so wie die Harmonie der 
Composition und des Entwurfes hängt vom grössern oder mindern Hervorragen oder zurücktreten dieser 
drei Formen abd" 
In der Verzierung der Oberfläche würde jede Anordnung der Formen, welche, wie in Figur A, bloss aus 
geraden Linien besteht, einförmig erscheinen und könnte kein 
 vollständiges Wohlgefallen erregen; fügt man aber andere Linien 
 hinzu, welche das Auge gegen die Winkel richten, wie in B, so 
 ist der Anblick gleich wohlgefallliger. Nun darf man nur noch 
 Linien hinzugeben, die eine kreisförmige Tendenz haben, wie in 
  C, um vollständige Harmonie zu erzeugen. In diesem Falle ist 
A B c das Viereck die tonangebende Hauptform, und die winkeligen 
und krummen Formen sind untergeordnet. 
3' Die Griechen behandelten diese Uebergänge aufs meisterhnfteste in allen ihren Gesimsen, in denen diese Verfeinerung sich im 
höchsten Grad kund thnt; dasselbe lässt Siull von den gediegenen Contouren der griechischen Vasen sagen. 
1' Das treiiiichste Beispiel dieser Harmonie bieten uns die griechischen Tempel der, wo die geraden, die geneigten und die krummen 
Linien im vollkommensten Verhältniss zu einander stehen. Die gothische Baukunst hat ebenfalls zahlreiche Illustrationen dieses 
Principiums aufzuweisen : jede Tendenz der Linien sich in derselben Richtung fortzubewegen, wird sogleich mittelst der geneigten und 
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