Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grammatik der Ornamente
Person:
Jones, Owen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1862676
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1864609
TUERKISCHE ORNAMENTE. 
in der Eintheilung der Form, und in allen den Principien der Ornamentation, eine eben so grosse Vollkom- 
menheit als man in den ausgearbeitetsten und wichtigsten Verzierungen findet. 
Die einzigen vollkommenen Muster der Ornarnentation findet man in den türkischen Teppichen; diese 
aber werden meistens in Kleinasien angefertigt, und Wahrscheinlich nicht von türkischen Künstlern. Die 
Zeichnungen sind durchgehends arabisch, und unterscheiden sich von den persischen Teppichen dadurch, 
dass das Blattwerk auf eine ccnventionellere Weise behandelt ist. 
Wenn man Tafel XXXVII. mit Tafeln XXXII. und XXXIII. vergleicht, wird man leicht die Verschie- 
denheit der Stylarten bemerken. Zwar verkünden sich durchgehends dieselben Principien der Eintheilung 
der Form, doch sind einige geringere Verschiedenheiten in denselben bemerklich, die wir hier angeben 
wollen. 
In den arabischen sowohl als in den maurischen Stylarten hatte die Oberfläche der Ornamente nur eine 
sehr geringe Rundung, und die Ausschmückung der Oberiiäche geschah mittelst Linien, die in die Ober- 
fläche vertieft wurden; oder wo die Oberfläche schlicht bleiben sollte, erzeugte man Muster auf Muster mit 
Hiilfe der Malerei. 
In den türkischen Ornamenten, im Gegentheil, ist die Oberfläche ausgeschnitzt, und dieselben Ornamente, 
Welche im arabischen Manuscript, Tafel XXXIV., mittelst gemalter schwarzer Linien auf goldenen Blumen 
erzeugt wurden, sind hier auf der Oberüäche ausgeschnitzt, so dass der Effect bei weitem nicht so kühn ist, 
als der welcher aus dem vertieften Blattwerk der arabischen und maurischen Verzierungsweisen entsteht. 
Eine andere Eigenthümlichkeit, welche beim ersten Blick ein türkisches Ornarnentsstück von einem 
arabischen unterscheidet, ist der Missbrauch den die Türken vom einspringenden Winkel A A, machten. 
Dieser Winkel ist auch ein hervorragendes Merkmal in dem arabischen, aber ganz besonders im persischen 
Styl. Viele Tafel XLVI.   
Bei den Mauren aber bildet er nicht länger den charakteristischen 
Zug der Verzierung, sondern kommt 
nur ausnahmsweise vor. 
Dieselbe Eigenthümlichkeit wurde in die elisabetheische Ornamentationsweise aufgenommen, die, mittelst 
der Renaissance in Frankreich und in Italien, vom Morgenland abgeleitet wurde, und zwar als Nachbil- 
dung der zu jener Zeit so allgemeinen damascirten Arbeit. 
Tafel XXXVI. zeigt, dass die schwellende Rundung immer an der innern Seite der Spiralkrümmung des 
Hauptstammes vorkommt; im elisabetheischen Ornamente aber befindet sich dieselbe eben so oft an der 
äussern als an der innern Seite. 
Es wäre schwer, ja fast unmöglich, in Worten die Verschiedenheiten in Verzierungsweisen anzudeuten, die 
sich durch eine so starke Familienähnlichkeit auszeichnen, als die persischen, arabischen und türkischen 
Stylart-en; und doch entdeckt das Auge diese Verschiedenheiten eben so leicht, als es eine römische Bild- 
Säule von einer griechischen unterscheidet. Obwohl die Hauptprincipien in den Stylarten der Perser, der 
Araber und der Türken sich gleich blieben, findet man doch verschiedene Eigenthümlichkeiten in den 
Verhältnissen der Massen, mehr oder weniger Anmuth in der Wallung der Krümmungen, eine Vorliebe zu 
gewissen Richtungen der Hauptlinien und eine besondere Weise im Verilechten der Formen, während die 
allgemeine Form des conventionellen Blattwerks durchgehends dieselbe ist.  Der Grad der Fantasie, der 
Zartheit oder Rohheit, der sich im Entwürfe darthut, unterscheidet aufs unfehlbarste die Werke des ver- 
feinerten und geistreichen Persers von denen des nicht minder verfeinerten, aber zugleich bedachtsamern 
Arabers oder des unerfinderischen Türken. 
Tafel XXXVIIL, die einen Theil der Ausschmiickung an der Kuppel des Grabes Solimans I. zu Con- 
strantinopel darstellt, bildet, so viel wir wissen, das vollkommenste Muster der türkischen Verzierung, und 
kommt beinahe den arabischen Mustern gleich. Noch ein anderer Zug in den türkischen Ornamenten ist 
das Vorherrschen der grünen und der schwarzen Farben; eine Eigenthümlichkeit, die man auch in den 
modernen Decorationen von Kairo bemerkt. Grün ist aber nicht so vorherrschend in den altern Mustern, 
Wo Blau vorzüglich gebraucht wurde. 63
        

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