Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grammatik der Ornamente
Person:
Jones, Owen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1862676
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1864324
BYZANTINISCHE 
ORNAMENTE. 
Die Ornamente der lezten Reihe auf derselben Tafel illustriren insbesondere den romanischen Styl 
(NO- 27 und 36), und stellen die bei den nördlichen Völkern so beliebte verschlungene Verzierung dar, 
Welche meistens auf einem einheimischen Typus gegründet ist; während No. 35 (St. Denis), uns eines der 
zahlreichen Beispiele darbietet, die den römischen Modellen nachgebildet worden sind. Der diesem Gegen- 
stand zu Grunde liegende Typus  welcher übrigens im romanischen Styl ganz häufig vorkommt  findet 
sich auf der römischen Säule zu Cussy, zwischen Dijon und Chalons-sur-Saone. 
Wir sehen also, dass Rom, Syrien, Persien und manche andere Länder einen bildenden Einfluss auf den 
byzantinischen Styl und die dazu gehörige Verzierung ausgeübt haben. Dieser Styl den wir in seiner ganzen 
Vollkommenheit zur Zeit des J ustinian finden, wirkte in seiner neuen systematischen Gestalt wieder auf die 
westliche Welt zurück, und erlitt auf seiner Bahn gewisse Modificationen. Diese Modificationen, welche in 
der Religion, dem Kunstzustande und den Sitten der verschiedenen Länder ihren Ursprung hatten, verliehen 
ihm oft einen specifischen Charakter und erzeugten in gewissen Fällen verwandte und doch verschiedene 
Ornamentsstylarten in der keltischen, der angelsächsischen, der lombardischen und der arabischen Schule. 
Ohne uns auf die Frage einzulassen, ob byzantinische Arbeiter mehr oder weniger in Europa beschäftigt 
worden sind, können wir mit Gewissheit sagen, dass auf allen jenen frühern Arbeiten des mittlern und 
des westlichen Europas, die unter der generischen Benennung 'romanisch' bekannt sind, der Charakter der 
byzantinischen Schule stark eingeprägt ist. 
Die rein byzantinischen Ornamente unterscheiden sich durch breitgezackte, scharfgespitzte Blätter, die 
in der Sculptur am Rande schräge geschnitten, durchgehends tief cannelirt, und an den verschiedenen Ent- 
stehungspunkten mit tiefen Löchern angebohrt sind. Das laufende Blattwerk ist gewöhnlich dünn und 
ununterbrochen, wie in den Nummern 1, 14, 20, Tafel XXIXü. und Tafel XXIX. Die Grundfarbe, in 
Mosaiken sowohl als Malereien, ist beinahe ohne Ausnahme Gold; dünne verschlungene Muster werden den 
geometrischen Zeichnungen vorgezogen. Die Einschaltung thierischer oder anderer Figuren ist in der 
Sculptur selten, und selbst in der Farbenmalerei nur auf heilige Gegenstände beschränkt, die überdies steif 
und conventionell ausgeführt sind; im Ganzen ist die Sculptur nur von untergeordneter Bedeutsamkeit. 
Die romanischen Ornamente, im Gegentheil, verdanken ihren Effect grösstentheils der Sculptur: sie 
Zeichnen sich durch reichen Effect des Helldunkels aus, sind tief eingeschnitten, haben hervorragende 
massive Ausläufe, und zahlreiche Figuren jeder Art, nebst Blattwerk und conventionellen Verzierungen. 
Anstatt Mosaiken findet man gewöhnlich Malerei, und Thierfiguren kommen in der Malerei eben so häufig 
als in der Sculptur vor, viele N o. 26, Tafel XXIXäi. Der Grund ist nicht mehr ausschliesslich goldfarbig, 
Sondern blau, roth oder grün, viele No. 26, 28, 29, Tafel XXIXäi. In anderer Hinsicht aber, einige Local- 
unterschiede abgerechnet, findet man vieles vom byzantinischen Charakter im romanischen Styl beibehalten; 
und besonders in Glasmalereien erhielt sich dieser Charakter bis zur Mitte, ja sogar bis zum Schlusse des 
dreizehnten Jahrhunderts. 
Der Ornamentsstyl der geometrischen Mosaikarbeit gehört, besonders in Italien, ganz vorzüglich der 
Yümanischen Periode an; Tafel XXX. enthält zahlreiche Muster davon. Diese Kunst blühte vornehmlich im 
zwölften und im dreizehnten Jahrhundert und besteht darin, viereckige Stückchen Glas in eine verwickelte 
Serie von diagonalen Linien anzuordnen, deren Lauf, mittelst verschiedener Farben, bald gehemmt, bald in 
bestimmter Richtung entwickelt wird. Die Muster vom mittlern Italien, No. 7, 9, 11, 27, 31, sind viel 
einfacher als die von den südlichen Provinzen und Sicilien, wo die sarazenischen Künstler ihre angeborne 
Vßrliebe zu verwickelten Motiven eingeführt hatten, wie man aus den gar nicht ungewöhnlichen Mustern 
No. 1, 5, 33 von Monreale, bei Palermo, ersehen kann. Es muss hier bemerkt werden, dass in Sicilien zwei 
Stylart-en zugleich herrschten: nämlich der eben erwähnte Styl, der aus verschlungenen Diagonallinien 
besteht, und von vorzüglich maurischem Charakter ist, wie es Tafel XXXIX. beweist; der andere Styl 
besteht aus verschlungenen gekrümmten Linien, N o. 33, 34, 35, ebenfalls von Monreale, in welchem man, 
Wenn nicht die Hand, doch wenigstens den Einfluss byzantinischer Künstler erkennt. Verschieden an 
P 53
        

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