Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grammatik der Ornamente
Person:
Jones, Owen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1862676
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1864305
BYZANTINISCHE ORNAMENTE. 
Sicilien, nur dazu dienen, den Einüuss der byzantinischen Kunst kund zu thun, ohne die wahre Beschaffen- 
heit derselben deutlich zu machen. Um diese Kunst vollkommen zu fassen, bedurften wir gerade das, was 
die Verwüstungen der Zeiten und die Kalktiinchen der Muhammedaner uns entzogen hatten, nämlich ein 
byzantinisches Gebäude im grossen Masstabe während der Glanzperiode der byzantinischen Kunst errichtet. 
Dank den aufgeklärten Gesinnungen des jetzigen Sultans, wurde uns endlich diese lang vermisste Quelle der 
Belehrung eröffnet, und durch die Liberalität der preussischen Regierung der Welt bekannt gemacht, im 
Präßlltigen Werke des Herrn Salzenberg über die Kirchen und Gebäude des alten Byzantiums, ein Werk, 
dessen Studium wir allen Kunstliebhabern empfehlen, die einen graphischen Begriff von der wahrhaft 
byzantinischen decorativen Kunst haben wollen. 
Auf keine Kunst ist das Sprichwort, ex nihilo nihil ßt, so anwendbar, als auf die decorative Kunst: 
und wir finden die Bestätigung desselben im byzantinischen Style, dessen eigenthümliche Charakterzüge aus 
dem Verein verschiedener Schulen entstanden, und wir wollen im Kurzen andeuten, welche Hauptursachen 
bei der Bildung desselben thatig gewesen seien. 
Noch ehe der Sitz der Regierung des römischen Reichs, im Anfang des vierten Jahrhunderts, von Rom 
nach Bizanz verlegt worden War, befanden sich schon die Künste entweder auf der Stufe des Verfalls oder 
im Zustande der Umbildung. So unlälugbar es auch ist, dass Rom seinen eigenthümlichen Kunststyl den 
Zahlreichen, unter römischer Herrschaft stehenden Völkern mittheilte, so ist es andererseits ebenfalls gewiss, 
daSS die halbschlagige Kunst der Provinzen mächtig auf den Mittelpunkt der Civilisation zurückwirkte, 
und schon zu Ende des dritten Jahrhunderts den verschwenderischen Verzierungsstyl modiiicirte, welcher 
die prächtigen Bäder und die andern öffentlichen Gebäude Roms charakterisirte. Die Nothwendigkeit, 
Welche Constantin zwang in Byzanz, dem neuen Sitz seiner Regierung, morgenländische Künstler und 
Arbeiter bei seinen Werken anzustellen, bewirkte eine noch wesentlichere und bemerklichere Veränderung 
im hergebrachten Styl; und ohne Zweifel trugen alle benachbarten Nationen dazu bei, der neugebildeten 
Schule ihr eigenes Gepräge aufzudrucken, bis endlich die bunte Masse, unter der langen und für die Kunst 
S0 günstigen Regierung des ersten Justinian, in ein systematisches Ganzes verschmolzen wurde. 
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Zu diesem Resultat hat der Einfluss der, unter der Regierung der Cäsaren in Kleinasien erbaueten 
Tempel und Schauspielhäuser, erstaunlich viel beigetragen: man bemerkt in diesen Gebäuden schon die 
Tendenz, Welche nachher die byzantinischen Ornamente charakterisirte, elliptisch gekrümmte Umrisse, 
Soharfgespitzte Blätter, und dünnes ununterbrochenes Blattwerk in der Verzierung zu gebrauchen, und zwar 
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