Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856230
Neue 
auf historischer Grundlage. 
Schulen 
Steinbau nachbildende Putzfassade durch die vtektonische" Fassade, welche als ursprünglich für den 
Verputz gedacht erscheinen sollte. In Verfolg dieses Bestrebens machte Gropius den Versuch an dem 
Hauptgesimse die Holzkonstruktion in edler Form in die Erscheinung treten zu lassen. Seine Details 
sind grösstenteils den Motiven der griechischen Vasenmalerei entnommen. Statt der Tapeten im Innern, 
wendete Gropius mit Vorliebe eine abgestimmte Leimfarbenmalerei an. Seine feineren Wohnhaus- 
bauten sind einige Hauser in der Viktoriastrasse, die Villa Bleichröder in Charlottenburg, die Hauser 
von Aarons in der Mauerstrasse, von Lessing in der Dorotheenstrasse, von Koch und Hesse in der 
Alexandrinenstrasse, von Mendelssohn in der Französischenstrasse, von Gropius in der Georgenstrasse; 
sie sind aber teilweise schon wieder durch Umbauten beseitigt. Gropius war in bedeutendem Um- 
fange für das Kunstgewerbe thatig und gab Entwürfe zu Tapeten, Stoffmustern, Möbeln und dergl. Seit 
1866 arbeitete Gropius mit Heino Schmieden zusammen, und es entstanden eine Anzahl Kranken- 
häuser und Irrenanstalten, meist in Ziegeln und Terrakotta durchgebildet, dann Bibliotheks- und Bank- 
gebaude, in denen das konstruktiv-rationalistische Element stark in den Vordergrund trat. Gropius 
hat eine Vorliebe für den Flachbogen und sucht denselben künstlerisch durchzubilden, falls Haustein 
zur Verwendung kommt, zieht er die geradlinige Überdeckung und horizontale Deckenbildung vor. In 
allen Gropiusschen Bauten spielt die Farbe eine Rolle, sie war sein Lieblingselement und beschäftigte 
ihn stets. Gleichzeitig entstanden noch mehrere Wohnhäuser: das Friedenthalsche Wohnhaus in der 
Lennestrasse in reicher farbiger Terrakottaarchitektur, die Villa Abel in Wannsee, die Villa Warschauer 
in Charlottenburg u. a. Der Hauptbau von Gropius und Schmieden ist das Kunstgewerbe-Museum 
in Berlin (1877-1880), in dem bereits reichere, der Renaissance entnommene Motive zur Verwendung 
kommen und zugleich im Äusseren und Inneren der Farbe ein weites Feld eingeräumt ist. Den Kirchen- 
bau wollte Gropius ganz rationalistisch gestalten, wie sein beachtenswerter Entwurf zur Thomaskirche 
in Berlin zeigt: der Kirchenraum bildet ein Auditorium in verlängerter Halbkreisform, in dessen Mitte 
die Kanzel steht, die Sitze steigen amphitheatralisch auf, das Altarhaus steht durch weite Bogenöffnungen 
mit dem Auditorium in Verbindung. Der Backsteinbau mit Terrakotten eroberte sich unterdes in 
Berlin ein immer weiteres Feld. A. Gremer erbaute 1863-1865 das Anatomiegebaude in Ziegelbau, 
im engen Anschluss an romanische Formen, in den folgenden Jahren das chemische Laboratorium in der 
Georgenstrasse in oberitalienischer Backsteinarchitektur mit Terrakotten. Adler hatte durch sein Werk 
über den „Markischen Backsteinbau" die Geister nach dieser Richtung hin angeregt und selbst durch 
den Bau der Thomaskirche in Berlin den Backsteinbau in Verschmelzung mittelalterlicher und klassi- 
scher Motive weiter gebildet. Von Gustav Möller (1826-1881) ist die Lucaskirche in der Bern- 
burgerstrasse im Ziegelbau mit Terrakotten errichtet, dann die Erziehungsanstalt für Knaben am Urban, 
im Rundbogenstil mit romanischen Motiven und antiker Detaillierung, in Fortsetzung der Soller-Stüler- 
schen Überlieferungen. Römer erbaut 1869 das Bahnhofgebaude der Niederschlesisch-Märkischen Eisen- 
bahn in Berlin im Ziegelrohbau mit Rundbogen; die grosse Halle ist hier in der Front mit Entschieden- 
heit ausgesprochen. Das Berliner Rathaus von Waesemann (t 1879), wieder im Ziegelrohbau mit 
reicher Verwendung von Terrakotten, aber auch von Granit zu den Gliederungen, zeigt im Äusseren 
romanisierende oberitalienische Motive, die Innendekorationen sind meist unter Beihilfe von Kolscher 
entstanden. Kolscher und Lauenburg errichten 1864 das Gebäude des Berliner Handwerkervereins 
in der Sophienstrasse. In den Privatbau Berlins hat Eduard Titz vielfach eingegriffen, ohne ausge- 
sprochene eigene Richtung; eine Anzahl seiner Bauten hat bereits Neuausführungen weichen müssen, wie 
das Hötel d'Angleterre am Schinkelplatz, das Herzogsche Wohnhaus in der Sommerstrasse u. a. 
Titz machte sich durch den Wiederaufbau des Krollschen Lokals nach dem Brande bekannt, indes 
behielt er die alten Hauptformen bei, nur die damals reich erscheinende Innendekoration ist sein eignes 
Werk. Das Viktoriatheater, jetzt abgebrochen, führte Tietz wieder nach den Planen von Langhans
        

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