Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856224
Deutschland. 
ist die schlossartige Villa für Prinz Albrecht bei Dresden (1849-1855), mit der danebenliegenden klei- 
neren Villa für den Hofmarschall des Prinzen; letztere wurde zuerst erbaut. Die Hauptvilla wurde nicht 
ganz vollendet, es fehlt der Zusammenhang zwischen den Terrassen an der Elbe und dem Schlosse. In 
Berlin erbaute Lohse das Gebäude der Köppjohannschen Stiftung in der Albrechtstrasse, das Wilhelms- 
gymnasium in der Bellevuestrasse, das Achardsche Stiftungshaus am Gensdarmenmarkt, das Haus Bellevue- 
strasse 15, das Haus Potsdamerstrasse 10, das Wohnhaus des Herrn von Grafe, Roonstrasse 9 und 10, 
ausserdem noch mehrere feinere Wohnhäuser. Die neue Dekorierung der Festräume im Palais des 
Prinzen Albrecht in Berlin kam 1862 zur Ausführung. Ausserdem lieferte Lohse die Plane zur Fassade 
des Ostbahnhofes und zur Einrichtung der Königszimmer daselbst. Die Bauten Lohses folgen in der 
Detaillierung durchaus dem von Strack und Stüler angeschlagenen Tone. Karl v. Diebitsch (1819, 
1' 1869 in Kairo) widmete sich ganz der Wiederaufnahme des maurischen Stils, den er auf seinen 
Studienreisen in Spanien und Algier kennen gelernt hatte. In Berlin hat er eine Anzahl Innendekora- 
tionen im maurischen Stile ausgeführt: im Reichenheimschen Hause, in seinem eigenen Hause am Hafen- 
platze, das auch in seiner ausseren Ziegelarchitektur maurische Einflüsse erkennen lässt; auch im 
Albrechtsschloss bei Dresden ist von ihm ein Badezimmer maurisch eingerichtet. Seine übrigen Bauten 
stehen in Ägypten. Wilhelm Salzenberg (1803-1887) ist mehr durch seine Aufnahmen der 
Sophienkirche in Konstantinopel als durch seine Bauausführungen bekannt geworden. Das Gebäude der 
Telegraphendirektion in Berlin von ihm ist ein Nutzbau ohne höhere Bedeutung; die Herstellung des 
Rathauses zu Münster, besonders der igrosse von ihm ausgebaute Saal im Obergeschoss, ein mächtiger 
Raum mit gotischer Holzdecke, ist seine beste Leistung. Die katholische Kirche in Potsdam, in Formen 
der italienischen Frührenaissance, ist allzu archaistisch aufgefasst, besser ist ihm die Herstellung der 
Klosterkirche in Lehnin gelungen. Von Neuh aus und Holz wurde 1845-1847 das Empfangsgebäude 
der Hamburger Bahn in Berlin erbaut. Karl Ferdinand Busse (1802-1867) hat 1852 das Inquisi- 
toriats-Gebäude in Breslau im Ziegelrohbau in Anlehnung an englische Gotik errichtet, ausserdem 
das Landgerichtsgebäude in Elberfeld, die Kreisgerichtsgebaude in Minden und Warendorf und 1858 
das Bad Oynhausen, letzteres in ansprechender Berliner Renaissance. Ferdinand v. Arnim (1814 
bis 1866) hat die innere Dekoration des Jagdschlosses für Prinz Friedrich Karl in Klein-Glienicke 
entworfen. 
Durch Karl Bötticher (1806-1889) erhält die Berliner Schule in den fünfziger Jahren einen 
neuen gräcisierenden Antrieb; er versuchte dem Schinkelschen Bauideal durch archäologische Studien 
eine Wissenschaftliche Grundlage zu geben. Bötticher hat nicht selbst gebaut, ist aber an den Dekora- 
tionen des Neuen Museums und des Bierschen Hauses in Berlin beteiligt gewesen und hat als Lehrer eine 
weitgehende Wirkung geübt. Sein Hauptwerk ist die "Tektonik der Hellenen" (1844-1852, 2. Aufl. 
1869-1881), allerdings in ihren Grundlagen nur eine geistreiche Spekulation; indes doch soweit von Einfluss, 
um die Berliner Schule noch hinter die Schinkelsche Freiheit in Behandlung der griechischen Formen zurück 
zu drängen, nicht zum Vorteil ihrer Weiterentwicklung. Ludwig Lohde (1806-1875) wirkte als 
Lehrer am Gewerbe-Institut, ganz im Bötticherschen Sinne. Hermann Spielberg (1827-1886) ist 
als Lehrer ein Anhänger Böttichers; er hat nur einige bescheidene Wohnhäuser in Halle und Berlin 
gebaut. Gustav Stier (1807-1880), noch ein unmittelbarer Schüler Schinkels, War später als Lehrer 
thätig und wirkte durch Veröffentlichungen und Bauausführungen für die Ausbildung der Backstein- 
architektur; von ihm ist die Synagoge der jüdischen Reformgemeinde in der Johannisstrasse erbaut 
(1853-1854). 
Der bedeutendste Vertreter der Bötticherschen Richtung in der Architektur ist Martin 
Gropius (1824-1880), zugleich ein Vertreter der konstruktiven Schule, ähnlich wie Duc in Paris. 
Gropius erbaute zahlreiche Villen und Wohnhäuser in und bei Berlin und ersetzte die übliche, den
        

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