Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856188
Deutschland. 
einen grossen Spielraum gelassen, vielleicht nicht zum Vorteile des Ganzen. Zu Anfang der sechziger 
Jahre beschäftigten Strack die Entwürfe zu Brückenportalen, Kriegermonumenten und zu dem Sieges- 
denkmal auf dem Königsplatz; letzteres ist in der Erfindung nicht bedeutend: ohne sichtliche Vorbereitung 
steigt die Säule aus der kreisrunden Halle auf, welche wieder unvermittelt auf einem kubischen Untersatze 
ruht. Das Verhältnis zwischen Säule und Figur ist ganz unbestimmt; man kann zweifelhaft sein, 0b 
die Säule höher, oder die Figur grösser sein musste. Nach 1865 führte Strack den Stülerschen Entwurf 
zur National-Galerie aus, musste indes das Innere nach den Bedürfnissen umgestalten, sodass sich 
zwischen Äusserem und Innerem eine entschiedene Disharmonie ergab. Die Umwandelung des Peripteros 
in einen Pseudoperipteros rührt noch von Stüler her, ebenso die Erweiterung der einfachen Freitreppe 
zu einer Doppelstiege; dagegen ist das Innere ganz von Strack, aber nicht besonders zweckmässig 
angeordnet: Vestibul und Treppenhaus nehmen den vierten Teil des Innenraums in Anspruch und sind 
wenig zu Museumszwecken zu benutzen. Die plastische und malerische Dekoration ist streng im 
Strackschen Sinne gehalten. Die letzten Schöpfungen Stracks, die Bauten am Halleschen Thor und die 
Bellealliancebrücke, sind stark schematisch und ohne Frische der Empfindung. Ein Werk: Architektonische 
Details ist 1857 von Strack herausgegeben. Friedrich August Stüler (1800-1865) hält sich nicht so 
eng wie Strack innerhalb des von Schinkel umschriebenen Kreises; er ist der bevorzugte Architekt 
des Königs Friedrich Wilhelm IV. und teilt die romantischen Neigungen seines königlichen Bauherrn. 
In den Jahren 1841-1845 erbaut Stüler das Neue Museum in Berlin, mit dem älteren Schinkelschen 
Bau durch eine Galerie über einer Strassendurchfahrt in Zusammenhang gebracht. Der Stülersche 
Bau giebt indes nur einen Teil der Bebauung der Museumsinsel, welche in Gestalt einer grossartigen 
Forumsanlage geplant war und auch Akademien und Verwaltungsgebäude einschliessen sollte. Ein 
korinthischer Tempel auf hohem Unterbau, eine Aula enthaltend, sollte den Mittelpunkt bilden.  Derselbe 
ist, allerdings ausserhalb des geplanten Zusammenhangs, in der oben erwähnten Nationalgalerie durch 
Strack, wenigstens dem äusseren Bilde nach, zur Ausführung gekommen.  Das Neue Museum verwertet 
vielfach für die Deckenbildungen die Eisenkonstruktionen mit Gewölben in sehr ansprechender Weise 
und verdient deshalb studiert zu werden, ausserdem ist das Museum der einzige damalige öffentliche 
Bau Berlins, zu dessen inneren Schmucke die Malerei in reichem Masse herangezogen wurde. Das grosse 
Treppenhaus ist allerdings ungeachtet der reichen Ausstattung nur ein leeres Schaustück und in seinen 
Teilen etwas zusammengesucht. Das Itavenesche Wohnhaus (1835) in der Wallstrasse, jetzt abgebrochen, 
war eines der ersten Berliner Privathäuser, bei dem nach künstlerischer Durchbildung gestrebt wurde, 
dasselbe hatte eine eiserne Haupttreppe von feinerer Ausführung. Die eisernen Treppen wurden nun 
überhaupt in Berlin sehr häufig in besseren Bauten angewendet. Stüler und Drewitz bewirken 
zusammen, von 1845 bis 1846, den Umbau des ehemals von Happeschen Palais in der Leipzigerstrasse zum 
Kriegsministerium, äusserlich in den Formen der florentinischen Paläste. Mit Schadow zusammen 
erbaute Stüler in den Jahren 1845-1853 die Kapelle des Königlichen Schlosses in Berlin, zu der 
bereits ein nicht benutztes Projekt Schinkels vorlag und vollendete zugleich den Ausbau des weissen 
Saals, der in neuester Zeit wieder eine Umwandlung erfahren hat. Die Schlosskapelle ist in klassischen 
Formen gehalten, ganz fremdartig zu den Barockformen des Schlosses, indes ist die dekorative Aus- 
stattung reich und mit Zuhilfenahme der Malerei ausgeführt. Der romantische Einfluss des Königs 
kommt voll in dem Basiliken-Entwurf Stülers für den Neubau des Doms in Berlin zum Ausdruck. 
Es war eine fünfschifüge Basilika nach altchristlichem Schema mit flachen Decken geplant. Vor der 
Westfront erhebt sich eine Flingangshalle mit sieben Arkaden, über derselben erscheint der Giebel des 
Mittelschiffs, flankiert durch zwei an der Axe der zweiten Seitenschiffe aufsteigende Türme in der 
Campanile-Form. Neben der Kirche liegt der Camposanto als quadratischer Hof, rings von Arkaden 
umgeben, an der Spreeseite mit Sakristei und Grabkapelle ausgestattet. Erst in jüngster Zeit sind die
        

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