Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856158
Neue 
Schulen 
historischer Grundlage. 
Schule nahm einen Anlauf, das historisch Gegebene im deutschen Sinne zu verarbeiten und lebensfähig 
zu machen. Aus diesem Streben entstand die hellenistische Renaissance. Die Gegensätze der klassischen 
und romantischen Schule gab es gleichfalls in der Skulptur, indes ist auf diesem Gebiete die klassische 
Richtung die entschieden vorherrschende, schon wegen ihrer grösseren F ormvollendung, auch verschmähen 
die entschiedensten Romantiker durchaus nicht eine gelegentliche Anleihe bei der Antike in der Stoffwahl 
und in der Ausgestaltung der Einzelheiten. Die deutsche Malerei der romantischen Schule nimmt zuerst 
einen entschiedenen Anlauf zu selbständiger Entwicklung vermittelst einer Anlehnung an die altdeutschen 
Meister; aber der Einfluss Frankreichs ist auf die Länge nicht abzuwehren, namentlich lernen seit den 
vierziger Jahren fast alle deutsche Meister in Frankreich die Ölmalerei und den Kolorismus. Das Abhängig- 
keitsverhältnis der deutschen Malerei von der französischen ist erst in neuster Zeit gebrochen, aber immer 
noch leben in Deutschland eine grosse Anzahl Maler, die sich als Schüler der Franzosen bekennen müssen, 
während der von Deutschland nach Frankreich geübte Einfluss vierhältnismässig unbedeutend zu nennen ist. 
Die in den zahlreichen Länderhauptstädten Deutschlands aufblühenden Architekturschulen zeigen 
unter sich bedeutende Verschiedenheiten, entsprechend dem verschiedenen Stammescharakter der einzelnen 
Landschaften und machen innerhalb der in dem vorliegenden Abschnitt in Betracht kommenden Zeit, 
von den zwanziger bis zu den sechziger Jahren, grosse innere Wandlungen durch; indes ist ihre 
Entwicklung doch hinreichend folgerichtig, um die ihnen beigelegte Bezeichnung von Schulen zu recht.- 
fertigen. Die grosse Zahl gleichzeitiger deutscher Schulen muss auffallen im Vergleich zu anderen Ländern, 
ihr Vorhandensein beweist für ein reich ausgebildetes Kunstleben, aber auch zugleich für das Bestehen 
noch unausgeglichener Gegensätze im inneren Leben des Volkes. 
Die Umbildung der antikisierenden Richtung zu einer lebenskräftigen griechischen Renaissance 
erscheint in der Berliner Schule am reinsten, knüpft sich an das Wirken eines hervorragenden Meisters, 
des schon in der vorhergehenden Epoche genannten Karl Friedrich Schinkels, und bleibt hier bis 
in die sechziger Jahre massgebend, während im übrigen Deutschland schon früher ein Anschluss an die 
Formen der italienischen Hochrenaissance oder an die dervaterländischen mittelalterlichen Stilarten stattfindet. 
Für die Entwicklung der Berliner Architektur kommt für die Zeit von den Befreiungskriegen bis zum Tode 
des Königs Friedrich Wilhelm III. eigentlich nur das Wirken Schinkels in Betracht; dieser wurde mit 
dem Bau der neuen Wache in Berlin (1816) ein Vertreter der griechischen Antike, während er bis 
dahin Romantiker gewesen war. Die neue Wache giebt einen selbständigen Versuch die griechische 
Antike dem modernen Geiste und den modernen Verhältnissen anzupassen. Die Ecktürme sind der Befesti- 
gungsbaukunst entlehnt und sollen den 'l'ypus eines Wachgebäudes zum Ausdrucke bringen; die dorische Halle 
der Fassade hat den wirklichen Zweck zum Aufenthalt der Mannschaften zu dienen; im F ries derselben 
erscheinen statt der Triglyphen Siegesgöttinnen in Hochrelief.  Im Jahre 1817 erhielt Schinkel den Auftrag 
zum Bau eines Schauspielhauses auf dem Gensdarmenmarkt, dessen Inneres allerdings nicht zur Entwicklung 
kommen konnte, wegen der Überladung des Programms mit fremdartigen Zwecken, aber in der Aussen- 
gestaltung das Höchste dessen giebt, was die griechische Renaissance in anmutiger Gruppierung der 
Massen eines Stockwerksbaues leisten konnte; einige Härten, wie der falsche Giebel am Mittelbau der 
Hinterfront und die Einschachtelung kleinerer Ordnungen in grössere, waren freilich nicht zu vermeiden. 
Der Konzertsaal des Schauspielhauses ist einer der besten von Schinkel geschaffenen Innenräume (Abb. 36). 
Der Museumsbau Schinkels in Berlin (1824-1829) zeigt an der Fassade eine mächtige griechisch-jonische 
Säulenhalle über hohem Unterbau, und in Verbindung mit der Halle eine prachtvolle Freitreppenanlage, 
dagegen geht das grosse Kuppelvestibul wieder auf römische Formen zurück. Nach aussen ist die Kuppel 
hinter einer Attika versteckt. Die Museumsräume sind verhältnismassig unbedeutend und wurden im 
oberen Stock später umgebaut. Schinkel kehrt später noch einigemale zur Gotik zurück; da er aber glaubt 
den mittelalterlichen Stil im griechischen Geiste vollenden zu können, werden seine derartigen Schöpfungen
        

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