Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856138
auf historischer 
Schulen 
Madrid, um 1867 von Francesco Jareiio in dieser Stilart erbaut. Da das Blaurische mit den älteren 
Epochen der spanischen Architektur so eng verflochten ist, so ist eine moderne Wiederaufnahme dieses 
Stils gewissermassen selbstverständlich, namentlich auf dem Gebiete der Innendekoration. Ein Beispiel 
giebt der arabische Saal im Palaste de Vista Alegre in Madrid (Abb. 35), der an einer Seite von einer 
freien Saulenstellung eingefasst wird, welche an den Löwenhof der Alhambra erinnert und mit einer 
flachen, zeltartig gesprengten Decke schliesst. 
Deutschland. 
Ein neuer Abschnitt der deutschen Kunstentwicklung beginnt nach den Befreiungskriegen, getragen 
vom Vaterländischen Gefühl, obgleich die politische Einigung Deutschlands nur auf einem schwachen 
Bande beruhte und die verschiedenen Volksstämme immer noch einen starken Gegensatz festhielten. In 
einigen Staaten waren Konstitutionen erlassen, gemass der auf dem Wiener Kongress festgestellten Bundes- 
verfassung; indes waren die Karlsbader Beschlüsse von 1819, sowie die Beratungen des Kongresses in 
Troppau um 1820 auf die Wiederbeseitigung der Volksvertretungen gerichtet. Der auf die Schöpfung 
einer politischen Einheit des Reichs gerichtete Gedanke wurde zwar von den Burschenschaften hochgehalten, 
doch wurden diese 1823-1824 unterdrückt, und es folgte die politische Stille des Metternichschen 
Regiments. Die französische Julirevolution brachte in Deutschland wieder eine Einheitsbewegung hervor. 
die in dem 1832 gefeierten Hambacher Feste seinen Ausdruck fand, aber ergebnislos verlief. Das Bedürfnis 
der Einigung führte mindestens auf wirtschaftlichem Gebiete zu den 1820-1830 unternommenen Versuchen 
einer Zolleinigung, die 1833-1836 wirklich den Zollverein hervorbrachte, der allerdings Deutschland ir 
vier Gruppen zerlegte. Auf litterarischem Gebiete begann die grosse Arbeit der Germanisten, hauptsächlich 
durch die Brüder Grimm in echt wissenschaftliche Bahnen gelenkt. Jakob Grimm begann seine deutsche 
Grammatik, Wilhelm Grimm (1786-1859) erschloss dem deutschen Volke die alten Schätze seiner 
Heldensage. Die romantischen Dichter hatten ihr Bestes schon vor Beginn dieser Periode geleistet, aber 
sie übten erst jetzt eine tiefgehende Wirkung; Wolfgang Menzel (1798-1873) erklärte Tieck für der 
grössten deutschen Dichter. Zugleich jedoch trat eine scharfe Opposition gegen die Romantik ins Leben in 
Ludwig Börne (1784-1837), der eine demokratisch-französische Richtung verfolgte, in Heinrich Heine 
(1797-1856), der die Romantik durch Ironie vernichtete, und in seinem Widersacher August von 
Platen (1795-1835), der die deutsche poetische Sprache zu einer hohen Vollendung der Form brachte 
und einem freien Hellenismus das Wort redete. Der pessimistische Philosoph Schopenh au er giebt der 
getreuen Ausdruck des negierenden Geistes der Zeit. Gegenüber diesen das N ationalgefühl mehr oder weniger 
ausser acht lassenden Bestrebungen blieb die Musik eines Weber, eines Marschner und Kreutzei 
im wesentlichen deutsch und romantisch. Ausserhalb Deutschlands regten sich die hier unterdrückter 
politischen Nationalitatsideen mächtiger: in Russland entstand der durch G oij und Koller geforderte 
Panslavismus, in Böhmen der Czechismus durch H ank a, durch den Fund der Königinhofer Inschrift 
begünstigt, in Italien der Uarbonarismus. Es war vorauszusehen, dass Deutschland um seine Existenz 
zu retten, sich seinerseits nicht lange mehr dem nach Einheit strebenden Drange würde entziehen können 
In der Baukunst rief die völlige Empörung gegen die tote, mechanische Nachahmung der Antike 
das erwachende Nationalgefühl und der wieder auflehende christliche Sinn eine romantisch-asthetische 
Schule ins Leben, die bald von den Wiederherstellungen der alten Denkmäler zu lebensvollen Neu- 
schöpfungen überging; gleichzeitig bildete sich eine konstruktive Schule, danach trachtend, das Neue 
vorzugsweise aus den Bedingungen des Materials und dem zu erfüllenden Zweck abzuleiten. Beider 
Richtungen War die späte Renaissance als eine hohle Scheinkunst verhasst. Aber auch die antikisierende
        

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