Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1855997
Schulen 
auf hisforisclzer 
Grundlage. 
Seit 1848 erscheinen seine Arbeiterbilder „der Kornschwingef", der „Sämann" und der „Heubinder" (1850). 
Endlich, 1855, erreichte Millet in dem xßaumpfropfer" sein vorgestecktes Ziel, einen gewöhnlichen 
Vorgang durch die Grösse der Auffassung und die einfache Strenge der Linien mit dem Ideal zu umkleiden. 
Es folgten dann noch eine Reihe von Meisterwerken: „der Schäfer, welcher seine Herde bei Sonnen- 
untergang heim führt", die „Ährenleserin" und der "Angelus". Nach 1859 wurde ihm ein Gemälde „der 
Tod und der Holzhacker" von der Ausstellungs-Juryr abgewiesen. Später erschienen noch eine Reihe 
von Arbeiterbildern, heller und freundlicher gemalt als die früheren, aber immer unabsichtlich die 
sozialistische Tendenz verfolgend. Erst Jules Breton (geb. 1827) zeigte die freundlichere Seite des 
Bauernlebens, ähnlich wie die deutschen Maler Knaus, Vautier u. a. Bretons erstes Bild, die 
_.,Segnung der Felder" (1857) zeigt eine ernste freundliche Stimmung, die .,Abrufung der Ährenleserinnen 
durch den Feldhüter" (1859) giebt eine edle Naturauffassung. Der harte, das Hässliche mit Absicht 
voranstellende Naturalismus ist durch Gustave Courbet (1819, i" 1877) in die französische Malerei 
eingeführt. Er sucht mit Vorliebe das Triviale, welches er mit realistischer Schärfe, zugleich mit gänzlicher 
Missachtung der Luftperspektive darstellt. Seine Richtung wird vollständig durch die „Beerdigung in 
Ornans" und die „Steinklopfer" (1851) zum Ausdrucke gebracht; später wird Courbet in seinen Courti- 
sanenbildern ein Schilderer der gemeinen Wirklichkeit. Der eigentliche Impressionismus, wie ihn 
Edouard Manet versteht, gehört der folgenden Periode an. 
In dieser Periode der festen Schulbildungen, die bereits mehrfach den Versuch machen, an die alten 
Überlieferungen der nationalen Kunst wieder anzuknüpfen, gewinnen auch die Dekoration und das 
Kunstgewerbe wieder einen sicheren Boden, obgleich nicht gerade viel Neues geschaHen wird. Das 
Prächtigste in der Dekoration. leisten die Räume im neuen Teile des Hotel de Ville in Paris, im Stile 
der römischen Renaissance: der Empfangs-Saal mit Wänden in Weiss und Gold und blauer Seide 
geschmückt, der Plafond mit Arabesken von Lachaise; der gelbe Salon mit Deckenarahesken von 
Vauchelet; der Banketsaal mit gemalten Wandfriesen von Jodin, Scenen der Jagd, Fischerei und Wein- 
ernte darstellend. Die Glasmalerei wird während der Restauration in der Manufaktur von Sevres wieder 
aufgenommen; einige schöne Arbeiten nach Zeichnungen Chenavards geben diesem Kunstzweige einen 
neuen Aufschwung. Eine Anzahl Kirchen werden mit gemalten Glasfenstern versehen, wie St. Vincent- 
de-Paul nach Kartons-von Marichal und Grignon. Ebelmann, von 1847-1851, Direktor der 
Sevres-Manufaktur, der Nachfolger Brongiarts, greift wieder auf die alten Muster zurück und nimmt 
die Technik der Pätetendre wieder auf; allerdings herrscht in der Stilisierung ein vollständiger Eklekti- 
zismus. Ebenso sucht die Manufaktur der Gobelins die Muster Mignards wieder hervor. Der Bronzeguss 
erhält sich auf der Höhe; in den kleinen Bronzen macht sich Soger besonders bekannt. In der Gold- 
schmiedekunst ist die Nachahmung der Antike ganz beseitigt, es werden Kopien nach gotischen und 
Renaissance-Mustern gefertigt, indes üben Chenavards Zeichnungen einen bedeutenden Einfluss. 
Vaguer und Marcel liefern wieder emaillierte Goldarbeiten. Das Nlaler-Email, in der Art des von 
Limoges, beginnt wieder aufzuleben. Eine von Ciuli aus Rom in Paris errichtete Fabrik von Glas- 
Mosaiken musste allerdings wieder eingehen. 
England. 
Die Engländer sind in ihren ausgeführten, antikisierenden Architekturen nicht sehr glücklich, 
jedenfalls sind ihre theoretischen Bemühungen um das Bekanntwerden der griechischen Monumente wichtiger 
als die Anwendung dieser Formen auf moderne Bauten. In antikisierender Art entstehen: Fishmongers 
Hall von Henri Robert s in London mit griechischer Säulenhalle, Goldsmiths Hall, Vestibul und Treppen-
        

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