Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1855945
Frankreich 
Die romantische Richtung in der Malerei wurde durch Theodore Gericault (1791-1824) 
eingeführt. Das „Floss der Medusa", welches er nach seiner Rückkehr aus Italien (1719) im Foyer des 
Theater Favart malte, war ein Ereignis. Anfangs wurde das Bild schlecht aufgenommen, der Gedanke, 
ein zeitgenössisches Ereignis mit aller Wahrheit des Schrecklichen ausgestattet zum Gegenstände einer 
monumentalen Darstellung zu wählen, schien unerträglich, erst nach dem Tode des Malers wurde das 
Bild allgemein bewundert und übte eine tiefgehende Wirkung. Gericault, ein Schüler O arle V ernets, 
hatte zugleich das Kolorit der alten Niederländer studiert. Seine ersten Bilder, der .,Ohasseur-Officier 
der Garde sein aufbäumendes Pferd mit dem Säbel antreibend" und der nverwundete Kürassier die 
Schlacht verlassend", erinnern im Kolorit an Rubens und zeugen von einer gründlichen Kenntnis des 
Pferdes. Leopold Robert (1794-1835), der Schüler Davids, später in Rom der Schilderer des 
italienischen Volkslebens, hat einen romantischen Zug. Von 1816 bis 1819 beschäftigte Robert das 
kleine Genre: Pilger mit lteliquien, Ansicht der unterirdischen Kirche von San Martino ai Monti, Pro- 
zession von Mönchen, die sterbende Nonne u. a. noch ohne Entschiedenheit in der Richtung gemalt; erst 
seine Räuberbilder, zu denen er die Studien nach den gefangenen Räubern aus Sonnino machte, atmeten 
wenigstens dem Stoffe nach die volle Romantik, obgleich er in der Formensprache stets seinen klassi- 
zistischen Anschauungen getreu blieb. Es entstanden von 1820-1822: der mit seiner Familie tlüchtende 
Räuber, der schlafende Räuber von seiner Frau bewacht u. a. Später malte Robert friedliche neapoli- 
tanische Volksscenen, wie den Jmprovisator", vjunge Neapolitanerinnen", "das Mädchen aus Procida". 
Von 1827 an beschäftigte ihn ein Cyklus von grossen Gemälden, die vier Jahreszeiten darstellend: die 
Rückkehr von dem Feste der Madonna del Arco, der Frühling, die Schnitter, der Sommer, die beiden 
anderen, Herbst und Winter, blieben unvollendet. Die „Schnitter" sind sein Hauptbild, klassisch in der 
Reinheit der Zeichnung und romantisch im Kolorit und der Stimmung. Das letzte Bild Roberts ist 
die ,_,Abreise der Fischer des adriatischen Meeres" 1834 in Venedig vollendet, wo er sich im Jahre darauf 
den Tod gab. Das Haupt der französischen Romantiker ist Eugene Delacroix (1798-1863), wild 
und dramatisch in seinen Kompositionen, schlechter Zeichner aber grossartiger Kolorist. Delacroix 
war ein Schüler Guerins, aber der wahre Erbe seines Mitschülers Gericault. Gleich das erste Bild 
des jungen Delacroix „die Barke Dantes" (1822) entfesselte einen Sturm des Beifalls, durch das 
Rubenssche Kolorit und den erhabenen, dem Ideenkreise des Mittelalters entnommenen Stoff. Das 
„Gemetzel von (lhios" (1824) ist voll glühendem Enthusiasmus für das junge Griechenland und zeigt das 
Schreckliche seines Märtyrertums. Nach einem Aufenthalt in "London (1825) malt Delacroix „das 
trauernde Griechenland auf den Trümmern Missolunghis", „die Enthauptung Marino Falieris", „den Tod 
Sardanapals", und 1831 .,eine Barrikade in den Julitagen". In demselben Jahre ging Delacroix nach 
Marokko und Spanien und gewann eine tiefe Einsicht in die Sitten des Orients, aber er wird nicht wie 
später Decamps der glänzende Schilderer der Äusserlichkeiten und der physischen Typen des Orients. 
Delacroixs „Algierische Frauen im Harem" zeigen die melancholische Trägheit der Frauen des Orients, 
ihr halb unbewusstes, seelenloses Vegetieren. Andere Bilder dieser Art sind die „Revue Abderrhamans 
über seine Tlruppen" und die „Jüdische Hochzeit in Nlarokko". 1835-1837 malte Delacroix das 
Deckenbild des Königs-Salons im Palais du Oorps legislatif mit allegorischen Gestalten des Kriegs, der 
Gerechtigkeit, des Ackerbaues und der Industrie. Der zweite hervorragende Romantiker ist P aul 
Delaroche (1797, T 1856), der Schüler von Gros, aber er hatte nicht mehr den Ernst eines Delacroix, 
er konnte das hohe dramatische Pathos nicht erreichen, und warf sich auf den Ausdruck der romantischen 
Empfindung. Delaroche malt von 1822 bis 1830 eine Reihe nicht hervorragender historischer Genrebilder: 
Joas durch Josabeth vom Tode errettet, Filippo Lippi und Lucrezia Buti, Vincenz von Paula predigt 
vor Louis XIIL, die Jungfrau von Orleans im Gefängnis vom Kardinal von Winchester verhört u. a. 
Plötzlich gelangt Delaroche mit einigen Bildern derselben Art auf den Gipfelpunkt seines Ruhms und
        

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