Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1855893
Schulen auf historischer Grundlage. 
mit brechendem Auge und, um die Verwundung zu zeigen, mit entblösstem Oberkörper dargestellt. Das 
Grabrelief des Grafen von Burck lasst die trauernde Gattin zu der Büste des Verstorbenen emporblicken. 
Von den sonstigen Grabmalern Davids entspricht die junge Griechin auf dem Grabe des Marco Botzaris 
der damaligen Schwärmerei für das jüngst befreite Griechenland. Eine Hochreliefgruppe für das Giebel- 
feld des Panthcon „das Vaterland teilt Ruhmeskränze an seine grossen Söhne aus" erinnert in seiner 
Hauptanordnung an die Studien Davids nach den Figuren der griechischen Tempelgiebel. Von 1840 
bis 1848 schafft David eine grosse Anzahl Portrat-Denkmalliguren von sehr verschiedenem Wert; er 
wird 1848-1853 verbannt, nach seiner Rückkehr entstehen noch das Nledaillon Manins und das Grab- 
monument Aragos. Ein eigener kosmopolitischer Zug, der bei den Franzosen selten genug ist, trieb 
David die ihn irgend erreichbaren Häupter der geistigen und künstlerischen Bewegung seiner Zeit in 
allen Ländern zu porträtieren. Er hat an 500 Bronze- und Gypsmedaillons dieser Art hinterlassen, 
allerdings meist allzu flüchtig und ohne grosse seelische Vertiefung wiedergegeben. Die der klassischen 
Richtung folgenden Bildhauer dieser Zeit, Ru de und Pradier an der Spitze, hängen doch nur ausserlich 
mit den Meistern des Empirestils zusammen. Frangois Rude (1784-1855), ein Schüler Cartelliers, 
erhielt 1812 den grossen römischen Preis, aber auf der Reise nach Italien in seiner Vaterstadt Dijon 
sich aufhaltend, verleitete er die Soldaten zum Abfall für den von Elba wiederkehrenden Napoleon und 
musste nach Brüssel flüchten. Er war der erste französische Bildhauer, der es verstand, die antiken 
Formen mit moderner Empfindung zu durchdringen, und zum Ausdrucke moderner Ideen geschickt zu 
machen. Rude kam 1827 zurück und gab gleich in dem Merkur, der im Begriff zum Olymp empor- 
zusteigen seinen Flügelschuh befestigt, keine frostige Nachahmung der Antike, sondern moderne Lebens- 
fülle. Napoleon auf dem Felsen von St. Helena zur Unsterblichkeit erwaohend, ist naturalistisch gebildet, 
aber in der Auffassung theatralisch; ähnlich ist sein Standbild des Marschalls Ney. Auch seine grosse 
Gruppe am Arc de l'Etoile „le Ohant du Dcpart" ist nicht frei von theatralischer Pose. Der Genius des 
Krieges mit allzugrossen Adlerflügeln stürzt schreiend und das Schwert zückend voran, aber die Gestalt 
schwebt nicht, sie lastet auf den Kriegern unter ihr. Immerhin hat diese Gruppe mehr als eine andere 
des Triumphbogens eine grosse Volkstümlichkeit erlangt. Eine der besten Marmor-Arbeiten von Rude 
ist der neapolitanische Fischerknabe eine Schildkröte zügelnd; die in Silber gegossene Statuette, 
Louis XIII. als Knabe, erreicht eine ähnliche Höhe. Am Ende der vierziger Jahre wird Rude ausge- 
prägt naturalistisch, wie in der Halbfigur eines absichtlich als Torso behandelten Christus am Kreuz mit 
abgeschnittenen Armen, noch mehr in der grauenerregenden liegenden Grabfigur Cavaignacs, deren nackter 
Oberkörper und Kopf der eines Leichnams ist. Erst in den letzten Jahren seiner Thatigkeit kommt 
Rude wieder auf das Klassische zurück, in einer Hebe, welche den Adler Jupiters trägt und in einem 
Amor als Besieger der Welt. James Pradier (1790-1852), lebt ganz in den Reminiscenzen der Antike 
und huldigt daneben einer des Beifalls der grossen Menge sicheren heiteren Sinnlichkeit. Er trat in das 
Atelier Lemots ein und ging 1813 nach Rom. Seine Statue der leichten Poesie, seine Phryne, die 
Grazien, Venus und Amor und andere Arbeiten sind glatt und formvollendet, sein Sohn der Niobe und 
Sappho gehen auf Sinnenreiz aus. Die Statuen des Prometheus und des Phidias wirken durch muster- 
hafte Wiedergabe des Nackten. 
Die religiöse Plastik wurde von Pradier nur gestreift; seiner Richtung mehr entsprechend war 
die Aufgabe die Statuen von 12 Siegesgöttinnen für die Wande der Gruft Napoleons im Invalidendom zu 
schaffen. Abb. 23 giebt einen Marmorfries von Pradier aus dem Schlosse zu Versailles mit dekorativen 
Zuthaten im Stil Ludwig XVI. Antoine Etex (geb. 1808), dessen beide Reliefgruppen am Arc de 
PEtoiIe schon im vorigen Abschnitt erwähnt sind, war ein Schüler Pradiers und schloss sich namentlich 
in seinen weiblichen Einzelstatuen ganz der Richtung seines Meisters an. Die gefesselte Olympia (1841) 
und eine Leda geben das Sinnlichreizende wieder. In anderen Arbeiten suchte Etex nach tieferem
        

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