Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1855856
Schulen 
auf historischer 
Grundlage. 
starkes Relief und glänzende Polychromie, also der Gebrauch durchaus malerischer Mittel, zeichnen die 
Fassade und die Innenräume aus. An der Fassade ist eine durchgehende polychromische Wirkung 
angestrebt, die allerdings jetzt schon zum Teil wieder verloren gegangen ist, nachdem die Politur des 
Marmors von einer weisslichen Verwitterungsschicht überzogen, die Farben nicht mehr recht zur Geltung 
kommen lässt. Die weissen Säulen der Loggia heben sich von einer mit rotem Jurastein verkleideten 
Fläche ab; die Fensteröffnungen zwischen diesen Säulenpaaren sind von kleineren Säulen aus rosafarbenem 
Marmor mit vergoldeten Bronzekapitellen Hankiert, die auf Balustraden von grauem Marmor stehen. 
Über diesen kleinen Säulen zieht sich ein Fries aus Jurastein hin, dessen runde (Öffnungen über jedem 
Fenster eine vergoldete Bronzebüste enthalten. An den Ecken der Attika, welche mit Mosaiken auf 
Goldgrund dekoriert ist, erheben sich vergoldete Bronzegruppen, und auf der Spitze der Kuppel des 
Zuschauerraumes steht die Bronzestatue eines Apollo von Nebenfiguren begleitet. Das Innere des grossen 
Treppenhauses giebt Abb. 22 wieder; die Treppe mit dem Geländer aus Onyx-Marmor ist berühmt. In 
den Details der Innendekoration sind die musikalischen Instrumente, namentlich die Leyer, als Symbole 
der Musik vielleicht allzuhäufig vertreten. 
Das kunstgewerbliche Ornament, meist im Stil der französischen Hochrenaissance gehalten, 
gelegentlich orientalisierend, bietet nicht viel Neues. Auch die Spätgotik wird zuweilen, aber seltener 
benutzt, indes behält das Figürliche auch in diesem Falle stets den Renaissancecharakter. Beispiele, wie 
sie in L'Art pour tous veröffentlicht sind: ein Bierglas aus Krystall in Silber und Gold mit Emaillen 
verziert von Boucheron, im Stil orientalisierend; ein goldener Leuchter von demselben in Renaissance, 
aber in Formen des Schmiedeeisens. Ein ähnliches Vergreifen gegen den Materialstil zeigt ein Schirm 
in Gold und Emaille von J ules Debut. Im allgemeinen ist eine Wiederaufnahme der Technik des 
Maler-Emails wohl zu bemerken. Einige Leistungen in Neugotik sind nicht konsequent durchgebildet; 
so zeigt eine Uhr von Leon Chcdeville in den Hauptformen den Stil Flamboyant, im Figürlichen 
den Stil der Renaissance. 
Die dekorativen Malereien bewegen sich im Stil von Fontainebleau bis zu dem von Lebrun; 
in jenem lieferte Lechevalier, dann Ghevignard im Schlosse Azay-le-Rideau einen Plafond mit 
Knabengestalten, welche eine Wappen-Kartusche halten; in diesem schuf Milleit im Foyer des Theaters 
in Genf ein allegorisches Deckenbild mit Untenansichten u. s. w. 
Die romantische Bewegung in Paris erhält einen tief wirkenden Anstoss durch Victor 
Hugos Dichtungen, namentlich durch seinen 1830 erscheinenden Roman „Notre Dame de Paris". 
Victor Hugo verfällt aber nicht wie eine Anzahl der deutschen Romantiker in die kirchliche und 
politische Reaktion, sondern er ist revolutionär auf allen Gebieten, allerdings in späterer Zeit ein Vertreter 
der überschwänglichen und deshalb inhaltslosen Phrase. Auf dem Gebiete der Architektur begann das 
Studium der mittelalterlichen Denkmäler Umfang zu gewinnen, {unterstützt durch die von de Caumont 
gegründete Societe archeologique, die Männer wie Sommerard, V ito t, Prosper Merimee und D idron 
zu ihren Mitgliedern zählte. Im Jahre 1837 bildete die Regierung das Comitö des arts et des monuments 
für die Wiederherstellung der alten Bauwerke, welches sich etwas später in die Commisson des monuments 
historique verwandelte. Antoine Lassus (1807-1857), ein Schüler Labroustes, und Eugene 
Emmanuel Viollet-le-Duc (1814-1879) waren die Seele dieser Bestrebungen. Der Letztere, ein 
Schüler Leclercs, wandte sich später mittelalterlichen Studien zu; eine Reise durch Italien und 
Sicilien 1836-37 änderte nichts an seinen gotischen Neigungen. Noch bevor die obengenannten Männer 
in Wirksamkeit traten, hatte Gau (1790!1854) die Kirche St. Clotilde als wenig gelungene Nachahmung 
rheinisch-gotischer Monumente erbaut (1840-1857). Der Bau wurde durch Bailly vollendet, von dem 
die Helme der Türme herrühren. Auch später hat der Neubau gotischer Kirchen in Paris keinen rechten 
Boden fassen können. Was geschah, betraf grösstenteils nur die Wiederherstellung der alten Monumente.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.