Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1855830
Schulen 
Grundlage. 
auf historischer 
Wiederaufnahme 
nationalen Renaissance 
öffentlichen 
Bauwesen 
kamen 
die Restaura- 
tionen der Königsschlösser und besonders das grosse Projekt der Verbindungsbauten zwischen Louvre 
und Tuilerien zu statten, welche letztere schon einmal unter dem ersten Kaiserreich in Angriff genommen 
waren. Die Restaurationsarbeiten, welche Alexis Paccard (1813-1867), ein Schüler von Lebas, 
später Boitte unter dem zweiten Kaiserreiche im Schlosse von Fontainebleau ausführten, erstreckten 
sich nicht auf Neuschöpfungen, waren aber wohl geeignet die Kenntnis der alten Renaissance zu fördern. 
Visconti (1791-1853), Schüler Perciers, wurde als der bevorzugte Architekt des zweiten Kaiserreichs 
von Na-poleon III. zur Vollendung des Louvre berufen, aber er starb zu früh um etwas zu vollenden. 
Später wurden nur die Hauptlinien seiner Pläne beibehalten, die Architektur dagegen erfuhr von seinem 
Nachfolger Lef u el eine gründliche Umgestaltung. Von Visconti wurde die Krypta im Dom der Invaliden 
angelegt, zur Aufnahme des Grabdenkinals für Napoleon 1., und mit grossem Prachtaufwande ausgeführt. 
Die Moliere-Fontaine (1844) ist ebenfalls eine Schöpfung Visco ntis im Stil der französischen Renaissance. 
Hector Martin Lefuel (1810-1881), der Vollender der Louvrebauten, stand etwas abseit und hat 
keine Schule gemacht. Er erhielt den grossen Preis für Rom und war seit seiner Rückkehr (1848) an 
der Wiederherstellung der Schlösser Meudon und Fontainebleau beschäftigt. Erst nach dem Tode 
Viscontis wurde er Architekt des Louvre und begann 1857 die Ausführung der beiden Verbindungsflügel. 
Die neuen Teile des Louvre, besonders die Arkaden des neuen Louvrehofs sind vortrefflich in der Massen- 
verteilung, vornehm in der Wirkung, obgleich namentlich die Fassade an der Rue de Rivoli allzusehr mit 
Schmuck überladen ist und ohne organische Verbindung mit der Raumbildung des Inneren. Derselbe 
Vorwurf traf in noch höherem Masse Lefuels Umbau der jetzt verschwundenen Tuilerien, den am 
Quai du Louvre belegenen Teil mit dem Pavillon de Flore umfassend. 
Neben der Wendung zur nationalen Renaissance ging die Bildung einer griechischen Renaissance 
her, deren Hauptvertreter Duc ist, ein strenger Klassizist, der in dem von Percier eingeleiteten Kreise 
begonnen hatte. Die Studien über antike Polychromie hatten der klassischen Richtung wieder einen neuen 
Anstoss gegeben: Paccard veröffentlichte 1847 eine farbige Rekonstruktion des Bantheon, Hittorf f 1851 
die Restauration des Tempels von Selinunt, Charles Garnier 1852 eine polychrome Wiederherstellung 
des Tempels auf Aegina. Joseph Duc (1802-1879), seit 1825 in Italien, bearbeitete eine Anzahl von 
Restaurationen antiker Theater und Amphitheater; nach Frankreich zurückgekehrt übernahm er von 
Alavoine den Bau der Julisaule, die sein eigenstes Werk ist. Auf rundem Unterbau ruht ein quadratisches 
mit Bronzereliefs geschmücktes Postament, darüber erhebt sich die Säule in Marmor mit einem Bronze- 
kapitell abschliessend. Über dem Kapitell, auf runder Basis, ist der auf einer Kugel schwebende Genius 
der Freiheit angebracht. Seit 1839 unternahm Duc die Anbauten zum Justizpalaste in griechischer 
Renaissance, mit der bewussten Absicht den Gewölbebau mit griechischen Formen zu verbinden, ähnlich 
wie dies später auch in Berlin von Gropius versucht wurde. Die beiden Assisensäle, die davor liegende 
Salle des Pas-perdus und die Mittelpartie der Hauptfassade gehören dem Ducschen Bau an. Die Fassade 
zeigt 10 korinthische Halbsaulen, von freier Bildung, die sich an viereckige Pfeiler anlehnen; die Pfeiler 
sind unter dem Architrav durch Flachbogen verbunden. In den Interkolumnien sind die F ensterstöcke 
frei eingesetzt, ähnlich wie das Masswerk gotischer Fenster; Architrav und Fries verkröpfen sich über 
den Halbsaulen, die wirklich das Gesims tragen; Säulen und Pfeiler sind als Wiederlager der inneren 
Gewölbe aufgefasst. Die Gewölbe der Salle des Pas-perdus entsprechen dem gotischen Systeme, dagegen 
sind die Kämpfer der Gewölbgurte wieder antikisierend gebildet. Dekorative Meisterstiicke sind die 
Ausstattung des grossen Assisensaals und im einzelnen die Thür der Salle du Conseil. Ein Grabdenkmal 
für Duban und eine Anzahl Wohnhäuser, ebenfalls von Duc, zeigen gleicherweise seine klassische Richtung. 
Leon Vaudoyer (1803-1872) ist ebenfalls ein strenger Klassizist und hat sich in Italien an der Antike 
gebildet. Er führte seit 1845 den Ausbau des Conservatoriums des Arts et Metiers in der alten
        

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