Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1855742
Frankreich. 
und gab 1830 sein bedeutendes Werk, „L,architecture polychrome chez les Grecs", heraus. Nach seiner 
Rückkehr führte er die 1824 von Lepere (T 1844) begonnene Kirche St. Vincent de Paul weiter, die 
erst 1844 vollendet wurde. Der Grundplan ist die römische Basilikenform, etwas folgerichtiger ange- 
wendet als bei N. Dame de Lorette. Indes ist die Vorhalle mit Giebel griechisch-jonisch, und zur Seite 
der Fassade stehen zwei viereckte stumpf abschliessende Türme, durch korinthische Säulen und Pilaster 
gegliedert. Das Innere ist fünfschiffig, aber ohne nach Aussen vertretende Apsis. Das Detail des Innern 
erinnert an die normannisch-maurischen Bauten Siciliens mit offenem Dachstuhl, die Wände über den 
Seitenschiifen sind mit den grossartigen Fresken Flandrins bedeckt, in der Farbenwirkung durch den 
rötlich gelben Anstrich der unbemalten [flachen geschädigt. In den Jahren 1836-1844 bewirkte Hittorf f 
die jetzige dekorative Gestaltung der Place de la Concorde mit den beiden grossen Springbrunnen, zu 
Seiten des schon früher in der Mitte errichteten Obelisken von Luxor, den im Umkreise aufgestellten 
20 Rostralsäulen und den 8 Piedestalen für sitzende Figuren, wieder ganz im klassizierenden Geschmack. 
Hieran schloss sich der Bau des Panorama in den Champs-Elysees, des Olympischen Cirkus (1839), des 
Cirque Napoleon an den Boulevards (1851). Ausserdem erbaute Hittorf f die Mairie auf dem Pantheonplatz, 
die Kommunalschule neben der Kirche St. Germain liAuxerrois, das Presbyterialgebäude und eine Mairie 
mit einer Annäherung an die italienische Renaissance, und den damals wegen seiner kühnen Eisen- 
konstruktionen bemerkenswerten Nordbahnhof.  
Der Wiederaufnahme der italienischen Renaissance, die wesentlich erst nach der Julirevolution 
(1830) erfolgte, kam das grosse Werk Paul Marie Letarouillys (1759,  1855) zu statten: Editlces 
de Rome moderne, seit 1821 begonnen, welches weit über Frankreich hinaus gewirkt hat. Von Bauten 
hat _Letarouilly um 1834 die Vergrösserung des College de France ausgeführt. Felix Duban 
(1798-1870) hing durch seinen Lehrer Debret mit der klassischen Richtung Perciers und Fontaines 
zusammen, hatte sich indes in Italien eine mehr malerische Auffassung der Antike angeeignet, und schloss 
sich in seinem Hauptwerke, der Ecole des Beaux-arts (seit 1838), an die Formen der italienischen 
Renaissance an. Die Überdeckung des Hofs mit einer Eisenkonstruktion ist nachträglich eingestellt, und 
verbindet sich kaum mit der Steinkonstruktion; im einzeln ist die selbständige und unverhüllte Gestaltung 
der Eisenteile von guter Wirkung. Duban ging in seinen Restaurationen des Schlosses Blois (1846), 
der Fassade des alten Louvre, nach der Seine zu, der Apollon-Galerie im Louvre mit Verständnis auf 
die Formen der nationalen Renaissance ein. Henri Labrouste (1801-1875), einer der bedeutendsten 
französischen Architekten dieser Zeit, studierte in Italien die Antike, nicht um dieselbe nachzuahmen, 
sondern um dieselbe zu selbständigen Schöpfungen zu verwenden. Seine Bibliothek St. Genevieve zu 
Paris strebt nach charakteristischem Ausdruck, selbst auf Kosten der Schönheit (Abb. 11 und 12). Das 
Erdgeschoss mit Rundbogenfenstern ist einzig mit einem Gurtbande von Guirlanden, welche von Medaillons 
getragen werden, geschmückt, die grossen Rundbogenfenster des Hauptgeschtisses sind bis zur Hälfte durch 
eingesetzte Steintafeln mit dem Namen berühmter Dichter und Gelehrter geschlossen. Die Inschriften 
nehmen vielleicht zu viel Platz ein und können nicht als Dekoration gelten, jedenfalls aber ist das 
Äussere des Gebäudes der getreue, wenn auch etwas schwerfällige Ausdruck des Innern, sogar die 
Gewölbanker treten aussen sichtbar hervor. Das Vestibul ist als Vorplatz gedacht und laubenartig 
dekoriert. Das Hauptgeschoss bildet einen grossen Saal, durch halbrund geschlossene Fenster über den 
Büchergestellen erleuchtet, mit gewölbter Decke auf eisernen Säulen. Die Eisenkonstruktion ist überall 
sichtbar (Abb. 13). Das Ganze des Raumes ist von einheitlicher, den Massstab bewahrender Wirkung. 
Fremdartig wirken die an eine frühere Periode erinnernden etruskischen und ägyptisierenden Dekorations- 
formen im Innern des Gebäudes. Nach 1850 bewirkte Labrouste den Umbau der Nationalbibliothek 
im ehemaligen Palais Mazarin; die Fassade musste sich den Formen des älteren Baues anschliessen, aber 
im Innern erscheinen die eigentümlichen einfachen und herben Formen des Meisters. Die Eisen-
        

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