Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1855728
England. 
Bezeichnend für die antikisierende Wendung im Kunstgewerhe ist die Dekoration des 1763 auf- 
kommenden Wedgwood-Geschirrs mit Palmettenmustern und anderen Motiven im Stile der griechischen 
Vasenmalerei, wenn auch hier plastisch durchgeführt. Das englische Porzellan ist noch immer keine 
reine Kaolinmasse, sondern in der Zusammensetzung dem alten Sevre-Porzellan ähnlich und mit einer 
Glasur versehen. Das Maler-Dekor des Porzellans folgt stilistisch denselben Bahnen, wie das des Wedg- 
woodgeschirrs. 
ll. Die neuen Schulen. Griechische und italienische 
Renaissance und Wiederaufnahme der romantischen Stil- 
arten auf historischer Grundlage. 
Um die Mitte der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts war der erste Ansturm der neuen Ent- 
deckungen auf dem Gebiete der antiken Denkmalkunde überwunden, und man üng an die griechisch- 
klassischen Formen, mit Beiseitelassung der vorklassischen, nicht mehr wie bisher gelegentlich nachzu- 
ahmen, sondern selbständig, gewissermassen im modern-nationalen Sinne, zu verarbeiten und sich zu 
eigen zu machen. Aus diesem Bestreben erwuchs in den antikisierenden Schulen eine hellenistische 
Renaissance, die mehr oder weniger rein, aber immer nur bei wenigen Meistern zur völligen Ausbildung 
kam. Die griechische Baukunst bot zu wenig Mittel zur Ausbildung der modernen Gebaudetypen und 
bedurfte stets der Ergänzung aus dem Schatze des Altrömischen und der Renaissancekunst. Ebenfalls 
am Anfange dieser Periode wendete man sich der italienischen Hochrenaissance zu, die für das damalige 
Empfinden der klassischen Antike am nächsten kam und den Vorzug hatte dem Barockstil und dem 
Rokoko, denen man soeben entflohen war, und die man überwunden zu haben glaubte, noch hinlänglich 
fern zu stehen. 
Im romantischen Lager war an die Stelle einer unklaren, etwas phantastischen Gefühlsrichtung 
das zielbewusste Streben nach Begründung des Wesens der mittelalterlichen Kunst durch ernstes Studium 
getreten. Zugleich war man von der poetischen Begeisterung für die Vaterländische Kunst zu praktischen 
Thaten übergegangen, zur Wiederherstellung und Fortführung der zahlreich unvollendeten kirchlichen 
Denkmäler der gotischen Epoche. An den Herstellungsbauten der alten Dome bildeten sich vorzugs- 
weise die gotischen Schulen; die vorzugsweise restaurierende Thätigkeit der neugotischen Meister 
musste indes für die Neuschöpfungen die Gefahr einer unbedingten Nachahmung gegebener Formen 
näher rücken. 
Zwischen den beiden Hauptrichtungen, der antikisierenden und der gotischen, sind Mischungen 
häufig; es giebt immer noch, wie in der früheren Periode, eine roniantisierende Klassik und eine 
klassizierende Romantik, die beide bisweilen bis zur rohen Stihnischung ausarten. Ausserdem werden 
durch die Ausdehnung der archäologischen Studien sowohl die Denkmäler der altchristlichen, wie die der 
romanischen Epoche zu Gegenständen der Nachahmung. Wie sich aus dem Obigen ergiebt, ist das 
stilistische Gesamtbild der Periode keineswegs einfacher, sondern zerrissener als das der früheren, dennoch 
muss der Meinung entgegengetreten werden, als hatte man es mit einer unfruchtbaren, sich in archaistischen
        

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