Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1855718
Romantik. 
Neuklassik 
Der hochgefeierte Architekt Sir John Soane (1753, T 1837) hatte sich längere Zeit in Italien 
aufgehalten und machte sich 1778 durch eine Veröffentlichung von Aufnahmen antik-römischer und 
neuerer italienischer Bauwerke bekannt. Er baute anfangs nach seiner Rückkehr in London eine Anzahl 
Wohnhäuser von geringer künstlerischer Bedeutung in der Weise Adamsi, also in einer Mischung des 
palladianischen mit dem englisch-romantischen Stil. Sein Hauptwerk im Ubergange zur Neuklassik, das 
seinen Ruhm begründete, ist das im wesentlichen von ihm errichtete Gebäude der Bank von England in 
London, ein unregelmässiger, einstöckiger Bau. Die Rotunde und die anschliessenden Hallen sind den 
römischen Thermen nachgebildet, der Lothbury Hof zeigt das Motiv eines römischen Triumphbogens, das 
Vestibul der Princes Street ist dorisch. Die lange Hauptfront zeigt eine korinthische Ordnung nach dem 
Muster der vom Rundtempel in Tivoli, das Erdgeschoss und darüber ein Halbgeschoss einschliessend, 
mit einem geometrisch verzierten Fries und Löwenmasken an der Sima, darüber eine hohe Attika mit 
Balustraden, welche das Dach verdeckten. Andere Bauten Soanes zeigen, im Versuche originell zu 
sein, seltsame Stilmischungen ohne künstlerischen Wert. Thomas Telford (1757-1834), Schüler von 
Ohambers und Robert Adams, ist als Ingenieur berühmt. Von ihm wurde Shrewsbury castle im 
mittelalterlichen Stil umgebaut, Während eine von ihm neu erbaute Kirche in Bridgenorth aussen mit 
toskanischer, innen mit jonischer Ordnung ausgestattet ist. Robert Smirke (1780-1867) ist der 
Urheber einer gräcisierenden Renaissance. Das von ihm 1808 erbaute, später durch einen Neubau 
ersetzte Ooventgarden-Theater in London gehörte dieser Stilrichtung an und war im Äusseren mit Terra- 
kottenreliefs von Flaxmann ausgestattet. Von Smirke sind 1827-47 die älteren Teile des British 
Museum erbaut, die Bibliothek und die Räume der Antikensammlung, sowie 1825 das Postgebäude von 
St. Martins-le-Grand. Novoselski errichtete 1790 Her Majestys Theatre, welches 1816 von Nash und 
Repton erweitert und nach einem Brande von 1867 im Innern erneuert wurde. Abb. 10 giebt das 
Wohnzimmer des griechischen Gesandten, Eaton Square Nr. 2 in London, im neugriechischen Geschmack. 
Die Denkmäler des Mittelalters werden in dieser Zeit vielfach studiert und durch Veröffentlichungen 
bekannt gemacht: J. Half p enny giebt 1795 ein Heft gotischer Ornamente aus der Kathedrale von York, 
Charles Wild 12 perspektivische Aussen- und Innenansichten derselben Kirche (1809); John Whittington 
kommt schon 1809 zu dem Schlüsse, dass der Ursprung der Gotik in den Bauten Sugers in St. Denis 
zu suchen ist. In Deutschland wurde diese Thatsache erst 1840 durch Franz Mertens bestätigt. Im 
neugotischen Stile wird Fonthill-Abbey im Jahre 1795 von Bekford und James Wyatt errichtet, 
jedoch 1807 umgebaut. 
Die neugriechische Skulptur vertritt besonders John Flaxmann (1755-1826); er formt seine 
Reliefs nach dem Muster der griechischen Vasenbilder. Von ihm ist eine Rekonstruktion des Achilles- 
schildes in Relief, nach der Beschreibung des Homer, vorhanden, dann hat er eine Anzahl Grabdenk- 
mäler für Westminster und St. Paul geliefert. Wieder den Vasenbildern angenähert sind die Umriss- 
zeichnungen Flaxmanns zu Homer, Hesiod, Aeschylos und Dante. Die Bildhauer John Gibson 
(1791 geb.) und Richard Westmacott (1775, T 1856) sind Nachfolger von Canova und Thorwaldsen 
und arbeiten in Rom. 
Die englische Malerei hat wieder denselben Zug der Selbständigkeit wie die Dekoration. Die 
Schule Davids gewinnt keinen Einfluss, vielmehr sind die Engländer zunächst Naturalisten und sehliessen 
sich erst später, dem Zuge der Romantik folgend, den präraffaelitischen Meistern Italiens an. Benjamin 
West (1738-1820) malt alttestamentarische und Schlaohtenbilder, James Bary (1741-1806) ein 
grosses symbolisches Bild für den Sitzungssaal der Akademie der Künste in London, die Segnungen der 
Kultur darstellend. John Opie (1761-1807) und andere pflegen das litterarische Genre. Cotmann 
und in noch höherem Grade Turner sind bedeutende Landschaftsmaler von eigner Naturauffassung; 
der Landsehafts-Aquarellist de Vint (1784-1849) kann bereits als Stimmungsmaler gelten.
        

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