Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1855677
Romantik. 
Neuklassik und 
Daniel Chodowiecki (1726, T1801) in Berlin, noch der Rokokoperiode angehörend, steht in 
der frischen natürlichen Auffassung der Sittendarstellungen seiner Zeit etwa mit Schadow parallel. 
Chodowiecki ist besonders durch seine zahlreichen Radierungen in weiten Kreisen bekannt geworden. 
Die stärkste Opposition gegen die späten Ableitungen der Renaissancekunst ging durch Asmus Jacob 
Carstens (1754-1798) von Berlin aus. Carstens, geborner Däne, der im Berliner Schlosse eine 
Anzahl grau in grau gemalter Dekorationen ausgeführt hatte, seit 1792 in Rom lebend, war mehr Zeichner 
als Maler und versuchte sich in Darstellungen aus den Dichtern der Alten und von eigentlich unmalerischen 
Ideen, wie die Geburt des Lichts, Raum und Zeit, und Ähnlichem, auch das nordische Element fand in 
„Fingals Kampf mit dem Gieiste von Loda" seine Vertretung. Wenn Carstens in seinen Darslellungs- 
mitteln auf Michelangelo und Raffa el zurückgrifif, so war dies eine unbewusste Anlehnung. Carstens 
wirkte auf die Richtung ein, welche der Bildhauer Thorwaldsen und eine Anzahl Maler, unter diesen 
Wächter und Schick, einschlugen Eberhard Wächter (1762-1852), anfangs Schüler Davids, 
später in Rom, malte seit 1819 Stoffe aus der Mythologie und älteren Geschichten, ohne besonderen 
Erfolg. Gottlieb Schick (1779, T 1812), durch seinen Lehrer Hetsch und den Aufenthalt in Paris 
von David abhängig, ging 1802 nach Rom und malte alttestamentarische und mythologische Stoffe in 
antikisierender Auffassung. Friedrich Müller (Teufelsmüller 1749, T 1825) war ein Gegner von 
Carstens und der neuklassischen Bewegung, er ging als Zeichner von Karrikaturen und satyrischen 
Scenen voran. Joh. Heinrich Wilhelm Tischb ein (1751, T 1829) malte nach antiken Vasenbildern 
verschiedene Stoffe der klassischen Mythologie. Bahnbrecher für die deutsche historische Landschafts- 
malerei wird Joseph Anton Koch (1768-1839), ein Schüler Guibals, der seit 1796 im Kreise von 
Asmus Carstens lebt. Koch bildete den eigentlichen Mittelpunkt des deutsch-römischen Kunstlebens 
bis in die folgende Periode hinein. 
An der Akademie in Wien, seit 1773 nach dem Plane Marons, des Schwagers von Mengs, 
in die Akademie der vereinigten bildenden Künste umgewandelt, leitete Füger die Malklasse. Die 
Berliner Schule wird durch J. K. H. Kretschmar (1769, T 1849), den Schüler von Weitsch und 
Lehrer Wachs, und von Wilhelm Kolbe (1781, T 1853), den Schüler Chodowieckis, eingeleitet. 
Kretschmar und Kolbe malten Bilder aus der Vaterländischen Geschichte, noch in etwas romantisch- 
theaterhafter Auffassung. Peter von Langer (1756-1824) ist seit 1806 Direktor der Münchener 
Akademie und fördert den von Davidscher Art beeinflussten Klassizismus. Sein Sohn, Robert von 
Langer (1783-1846), folgt ganz den Bahnen seines Vaters. 
Johann Heinrich Mayer (1760, T 1832), der "Kunschtmayer", ist nur durch sein Zusammen- 
wirken mit Goethe von Bedeutung. Die von Goethe und Mayer veranlassten Preisaufgaben, meist 
Kompositionen aus dem Homer, hatten nur einen zweifelhaften Erfolg, indem die preisgekrönten und 
protegierten Künstler es zu keiner Bedeutung brachten. Die jungen aufstrebenden Talente setzten sich 
der neuklassischen Richtung entgegen und strebten unaufhaltsam der romantischen Schule zu.  
In der Gestaltung der dekorativen Formen betritt das durch die beginnende Kenntnis des vor- 
römischen Altertums charakterisierte Zeitalter in vielen Beziehungen den Weg des zaghaften Schülers; 
die überlieferten Formen werden ungeschickt kopiert, ohne Rücksicht auf den Massstab. Die Ornamentik 
der Bauten bestand in steifen Guirlanden, kolossalen Mäandermustern und dergleichen. Am Äusseren 
bürgerlicher Wohnhäuser kommen am Anfang des 19. Jahrhunderts einigemale gardinenartige Vorhänge 
in Verbindung mit Rankenwerk in Stuck vor, einigerniassen an die spätgotischen Vorhangsbögen erinnernd. 
Im Innern wurde die Farblosigkeit zum Prinzip erhoben. Nur der figürlichen Plastik wurde gelegentlich 
an den Bauten eine bedeutendere Stelle eingeräumt. Selbst Schinkel konnte in den aus seiner frühsten 
Zeit stammenden Zimmereinrichtungen im königlichen Schlosse zu Berlin den Zusammenhang mit dem 
kalten Empirestile nicht verleugnen. Ein für den Kronprinzen Friedrich Wilhelm bestimmtes Zimmer,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.