Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1855664
Deutschland. 
in der Nische einer Querwand, die alte Münze mit einem noch erhaltenen Friese, und geht in diesen 
Werken selbst zur Neuklassik über. In den Marmorstandbildern Ziethens und des Fürsten Leopold von 
Dessau für den Wilhelmsplatz, später durch Bronzeabgüsse ersetzt, zeigt sich Schadow als entschiedener 
Naturalist. 
Ein Bronzestandbild Friedrichs II. für Stettin ist historisch aufgefasst, indes noch mit allegorisch- 
symbolischem Beiwerk zopfigen Charakters ausgestattet. Wie wenig die neurömische Auffassung der 
David schen Schule dem inneren Wesen Schadows gemäss war, zeigt die verunglückte Blücherstatue 
in Rostock (1819), für welche ihm das römisch-gallische Phantasiekostüm, nicht ohne Goethes Zustimmung, 
aufgedrungen war. Höchst anmutig-natürlich erscheint wieder die Nlarmorgruppe der Königin Louise 
und ihrer Schwester Friederike, dann die Marmorstatue eines ruhenden Mädchens in der Berliner 
Nationalgalerie. Christian Daniel Rauch (1777, T 1857), der Schüler Schadows und der eigent- 
liche Begründer der Berliner Bildhauerschule, ist in dieser Periode nur mit seinen Erstlingsarbeiten, 
einem Relief „Diana und Endymion" (1802) und der Büste der Königin Louise (1803), zu erwähnen. 
Rauch war ein zäher, zielbewusster Charakter und versuchte einen Ausgleich zwischen der realistischen 
und idealistischen Richtung der Neuklassik herbeizuführen. 
Johann Heinrich Danneck er (1758-1841), in Stuttgart thätig, nacheinander ein Schüler 
Le Jeunes, Guibals und Harpers, seit 1783 in Paris bei Pajou, einem Rokokomeister, wird endlich 
in seiner Richtung durch einen fünfjährigen Aufenthalt bei Canova in Rom bestimmt. Dannecker 
kam 1790 nach Stuttgart zurück und schuf in antikem Sinne die Gestalt einer Psyche für Schloss Rosenstein 
und eine Ariadne auf dem Panther für das Bethmannsche Haus in Frankfurt. Seine Kirchenplastik stand 
ebenfalls in enger formaler Beziehung zur Antike, wie besonders eine Idealgestalt Christi erkennen lässt. 
In Wien wirkte Zauner (1768, T 1835) römisch-antik im Sinne der David schen Schule. 
Ein dänischer Künstler dieser Zeit, Bartel Thorwaldsen (1770, T 1844), steht ähnlich wie 
Carstens im engsten Zusammenhangs mit der deutschen Kunst; er führt den Carstenschen Stil, das 
Gefühl für reine in der Antike geläuterte Klassizität, fort, und hat eine grosse, namentlich in Deutschland 
fortwirkende Schule hinterlassen, die wir in der folgenden Periode wiederfinden werden. 
Für die deutsche Malerei bezeichnet Anton Raffael Mengs (1728, T 1779), der Schüler seines 
Vaters Ismael Mengs in Dresden und der Freund Winckelmanns in Rom, erst den Übergang zur 
Neuklassik. Er wetteiferte in Rom noch mit Battoni und in Madrid sogar mit Tiepolo. Erst das 
unter dem Einflüsse Winckel manns entstandene Deckenbild in der Villa Albani in Rom, „der Parnass", 
geht parallel mit den Bildern der Davidschen Schule, was die Entlehnung der Figuren aus der antiken 
Plastik anbelangt. Mengs hatte einen grossen Kreis von Schülern um sich versammelt, aus dem die 
Brüder Unterberger, Guibal und Knoller zu nennen sind. Mehr oder weniger von Mengs abhängig 
sind: Angelika Kauffrnann, J. N. Füssli, Füger, Canzig, Bergler, Schopf, Hartmann, 
Mathäi, Hetsch, Nahl, Langer u. a. DerTyroler Martin Knoller, anfangs ein Schüler Trogers 
in Wien erst später von Mengs in Rom, malte wie sein Landsmann Schöpf (1745, T 1822) zahlreiche 
Altarblätter, aber auch Decken und Wandfresken in den Kirchen Tyrols in vollendeter Technik, mindestens 
in dieser Hinsicht im Anschluss an die grossen Barockmeister; Johann August Nahl (1752-1825) 
in Kassel malt mehr in klassizistischer Richtung, meist mythologisches Genre. Johann Christian 
Reinhart (1761, T 1847), ein Schüler Oesers, seit 1790 in Rom, malt historische Landschaften. In 
der Landschaftsmalerei tritt bereits eine wirklich deutsche Richtung hervor; so in den deutschen Eichen- 
wäldern Joh. Fr. Pascha Weitschs (1723-1803) und in den Partien aus dem baierischen Hochland 
von Körner (1741-1813). Einigermassen von der englischen Gefühlsweise beeinflusst erscheint 
Angelika Kauffmann (1742-1808) in ihren sonst heiter und gefällig in der Form ausgeführten 
Gemälden. Der Schweizer Anton Graf f (1736-1813) ist ein vorzüglicher Porträtmaler.
        

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