Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1855650
Romantik. 
Neuklassik und 
Kutterau im Schwarzwalde (1768 bis 
Die Kirche wurde 1874 nach einem 
ist die runde Kuppelkirche der Benediktinerabtei St. Blasien bei 
1779), mit einem inneren Umgange von 20 korinthischen Säulen. 
Brande umgebaut. 
Die Wiederaufnahme der Gotik im Kirchenbau zeigt sich 
des 18. Jahrhunderts. Der schon oben als Neuklassiker erwähnte 
in Deutschland bereits 
von Erdmannsdorf 
die Mitte 
mehrfach 
um 
hat 
den Versuch gemacht, Kirchen im gotischen Stile zu erbauen. Die Kirche zu Müglenz bei Wurzen in 
Sachsen, aus derselben Zeit stammend, zeigt schöne Rippengewölbe aus Ziegeln, obgleich Fenster und 
Thüren im Flachbogen geschlossen sind und die dekorativen Details dem herrschenden Zopfstil entsprechen. 
Die Teilnahme grösserer Kreise an den Denkmälern des Mittelalters und besonders für die Fortführung 
der unvollendeten Dome wurde durch die Litteratur angeregt, durch G 0 ethes in Strassburg entstandenen 
Aufsatz „Von deutscher Art und Kunst" (1772), durch Georg Försters „Ansichten vom Niederrhein" 
(1790), welche den Kölner Dom verherrlichen. Freiherr von Hüpsch schrieb 1784 einen Aufsatz 
unter demselben Titel, mit gleicher Tendenz. Schilderungen der im Musee des monuments frangais 
zusammengebrachten Denkmäler verbreiteten Friedrich Schlegel in der Zeitschrift Europa (1802-1805) 
und v. Kotzebue durch seine vielgelesenen „Souvenirs de Paris" (1805). Die allgemeinste Wirkung 
übten wohl eine Anzahl romantischer Dichter, unter denen Görr es (1776-1847), Ludwig Tieck mit 
"Franz Sternbalds Wanderungen" (1799) und Wackenröder  1797) mit den '„Herzensergiessungen 
eines kunstliebenden Klosterbruders" hervorragen. Das Studium der Kunstdenkmaler des Mittelalters 
tritt dann in der von Sulpice Boisseree begründeten Zeitschrift „Kunst und Altertum" (1816--1832) 
greifbar heran und führt aus der allgemein gehaltenen patriotischen und christlich-religiösen Phantasien- 
Welt zu einer wirklichen Kenntnis der Formen. Die Bildung der ersten deutschen gotischen Bauschule, 
der "rheinischen", knüpft an den endlich unternommenen Weiterbau des Kölner Domes an. Im Jahre 
1814 wurde durch den Maler Seekatz der alte Plan des nördlichen Domturms in Darmstadt entdeckt, 
1816 fand Boisseree die Originalzeichnungen des südlichen Turmes, des Mittelgiebels und des Auf- 
risses der Ostseite in Paris wieder. lWIan ging nun wirklich ans Werk, nachdem Görres im Jahre 1814 
einen Aufruf zum Weiterbau des Doms im Rheinischen Merkur veröffentlicht hatte; seit 1823 wurde 
unter Ahlerts, seit 1833 unter Zwirners Leitung die Wiederherstellung der älteren Teile des Doms 
in Angriff genommen. Der Aufbau der neuen Teile erfolgte seit 1842 unter dem Protektorate des Königs 
Friedrich Wilhelm IV. von Preussen, durch die Grundsteinlegung am Portal des südlichen Kreuzschiiifs, 
während schon einige Monate vorher durch August Reichensperger und den Bürgermeister 
v. Wittgenstein der Kölner Dombauverein begründet worden war. 
Die ersten Neuschöpfungen gotischen Stils, vor dieser Zeit, waren ausserliche theatralische 
Versuche geblieben, wie das 1811 von Metzger in München errichtete Wohnhaus für Freiherrn von 
Heydeck, mit graden Decken, Putzfassaden und einem Turm über dem Klosett, erst die Schulung an den 
alten Monumenten verschaffte der Neugotik eine gesicherte Grundlage. 
Die deutsche Skulptur dieser Periode ist wesentlich neuklassisch, ohne romantische Anwandlungen, 
sie weist jedoch zwei sich durchkreuzende Richtungen auf: den von der Rokokozeit herkommenden ehr- 
lichen Naturalismus und die äusserliche Nachahmung der F ormenschönheit in der griechisch-römischen 
Antike, wie sie Canova in Rom angebahnt und mit süsslich-sentimentalen Reizen ausgestattet hatte. 
Ein entschiedener Vertreter der ersten Richtung ist Johann Gottfried Schadow (1764-1850) in 
Berlin, ein Schüler Tassaerts und Zeitgenosse Chodowieckis. In seinem schönen Grabdenkmal des 
Grafen von der Mark in der Dorotheenkirche taucht noch ein Nachklang der Berninischen Schule auf, 
besonders in der allegorisch-pathetischen Reliefdarstellung des Sarkophags. Schadow hat die ersten 
neuklassischen Bauwerke Berlins mit plastischem Schmucke versehen, das Brandenburger Thor mit der 
Siegesgöttin auf der Quadriga, den Metopenreliefs der Tiergartenseite und der Statue des sitzenden Mars
        

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