Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1855599
Empiresti]. 
in Vicenza für den Grafen Valmarana (Abb. 6) u. a. zeigen diesen italienischen Empirestil, dessen 
Eigentümlichkeit sich namentlich in einem öfter vorkommenden Vergreifen des Massstabes für einzelne 
einfache Ornamentmotive, wie Palmettenfriese und dergleichen, aussert. 
Ähnlich wie in der Architektur, fehlte es in der Skulptur der neuklassischen Periode an leitenden 
Geistern. Der Naturalismus in der Portratbildnerei war noch ein Erbteil des Rokoko, dagegen artete 
die Schule Davids in der Skulptur in eine kalte Nachahmung der Antike aus. Ganz in dieser Art ist 
Pierre Juli en s "sterbender Gladiator" gehalten, während Roland s Arbeiten immer noch ein sorgfältiges 
Naturstudium aufweisen. Die Skulpturen des Bogens auf dem Karussellplatze von Espercieux, Desein, 
Ramey, Claudion u. a. sind durchweg trocken schematisch, die des letzteren verraten den in der Klein- 
kunst des Zopfstils gross gewordenen Meister. Cartellier  1831), der ebenfalls an der Ausschmückung 
des Triumphbogens beteiligt war, lieferte gute Portratstatuen Napoleons und der Kaiserin Josephine. 
Ghaudet hatte in Rom den Reliefstil der Alten und die Vasenmalereien studiert und gefiel sich in der 
unbedingten Nachahmung der Antike, wie sie an seiner Statue Napoleons hervortritt, die ganz im heroischen 
Porträtstil der Römer gehalten ist. Bosio lenkte dann in die Canova sche anmutige, formenglatte 
Richtung ein und stattete seinen bogenspannenden Amor, die Nymphe Salmacis und anderes mit ausserlichem 
Formenreiz aus, bei gänzlicher Vernachlässigung der Durchbildung des Einzelnen nach der Natur. Ähnlich 
anmutig ist Cortot in mythologischen Genreliguren, indes zeigt sein vsterbender Marathonsieger" neben 
bedeutendem Formenreiz eine strengere formale Durchbildung. Cortots wenige religiöse Bildwerke 
kommen dagegen nicht über ein oberflachliohes Pathos hinaus. Sein bestes ist die klar komponierte 
Hochreliefgruppe für das Giebelfeld der Fassaden der Deputiertenkammer, die Verleihung der Charte von 
1830 darstellend. Eine Gruppe für den Arc de PEtoile von Cortot, die Krönung Napoleons durch die 
Siegesgöttin und zwei andere Gruppen für dasselbe Monument von Etex, die Erhebung des französischen 
Volkes und die Segnungen des Friedens, gehören noch in diese Periode und zeigen das hohle Pathos 
ohne einen Funken wahrer Begeisterung, welches im allgemeinen die Plastik nach ihrer Wendung zur 
Neuklassik beherrschte. 
Die zahlreichen Leistungen Davids und seiner grossen "Malerschnle können hier nur kurz und 
summarisch geschildert werden, nur soweit als erforderlich ist um den allgemeinen Gang der Entwicklung 
zu zeichnen. David wusste in seinen Bildern die Zeitideen vortrefflich zu treffen. Er gab im „Schwur 
der Horatier" (1782) ein Vorbild des revolutionären Geistes, im nlärutus, dem die Leichen seiner Söhne 
ins Haus getragen werden" (1789) das Vorbild stoischer Römergrösse. Der „Tod Maritts" (1793) ist dann 
energisch realistisch dargestellt, und kräftig gefärbt, ganz ohne Anlehnung an den Stil der antiken Plastik. 
Die Sabinerinnen (1794-99) bedeuten eine Wendung nach dem griechischen Ideal hin und fanden 
ungeheuren Beifall, vielleicht auch deshalb weil die Darstellung nackter Frauengestalten dem französischen 
Geschmacke zusagte. Ein bedeutendes Bild Davids ist „Nap0leon den St. Bernhard hinanreitend", 
vielleicht die idealste und geistvollste Darstellung des grossen Eroberers. Gros, der Schüler Davids, findet 
in seinen Gemälden, der "Schlacht von Eylau" und den vllestkranken in Jaffa" bereits den gemütstief 
und koloristisch bedeutenden Ausdruck für das historische Genre. Die Art des Schrecklichen, welches in 
den Pestkranken von J atfa zur Darstellung gekommen ist, hat nichts mehr mit der Nachahmung der Antike 
zu thun, sie ist von dieser nie berührt worden. Guerin zeigt in dem vzurückkehrenden Verbannten" 
ein damals zeitgemässes Symbol der Verbannung selbst, zugleich dramatisch und rührend. Görards 
„Amor und Psyche" ist ganz griechisch gedacht, nur zu glatt gemalt. Prud"hon ist kein Schüler Davids 
und hat seine eigene Auffassung der Antike, weicher und voller als dieser und in Verbindung mit dem 
blühenden Kolorit eines Correggio. Pru d'hon malt für einen Sitzungssaal im Justizpalast eine Allegorie, 
„die Gerechtigkeit und göttliche Rache, welche das Verbrechen verfolgen", von ergreifendem Ausdruck 
und gewaltiger Bewegung. Seine „Him1nelfahrt der heil. Jungfrau" ursprünglich für die Kapelle der
        

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