Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1855534
Empire stil  
Armee errichtet. Vigno11 (1761-1828) schuf einen korinthischen Peripteros, der bis 1814 in den Säulen- 
hallen bis zur Höhe der Kapitelle, in den Mauern des Schiffs bis zur F ussbodengleiche gediehen war 
(Abb. 1). Erst 1825, unter der Restauration, wurde der Bau durch Huve fortgesetzt und zugleich 
wieder in eine Kirche umgewandelt, indem das Innere durch Saulenstellungen in Schiffe eingeteilt und 
mit Pendentifkuppeln überdeckt wurde, ausserdem wurde eine halbkreisförmige Apsis hinzugefügt. Die 
äussere Tempelarchitektur Vignons, im Stile der Hadrianischen Zeit, hat immerhin eine gewisse Grösse, 
zu welcher das Innere, obgleich dasselbe so ziemlich einem Thermensaale gleicht, in keinem Bezüge steht. 
Das Palais Bourbon war 1790 von Gisors und Lecomte für die Sitzungen des Rats der F ünfhundert 
umgebaut und später von Napoleon zum Sitz der gesetzgebenden Versammlung bestimmt; Poyet errichtete 
1804-1807 die Fassade des Hauptflügels am Seinequai mit einer Vorhalle von 12 korinthischen Säulen. 
Alexandre Brongiart (T 1813) begann 1808 den Bau der Börse, Labarre setzte nach dessen Tode 
den Bau fort, der von 1814-1821 unterbrochen, erst 1826 vollendet wurde. Das Äussere ist mit einer 
hohen korinthischen Säulenstellung umgeben, das Innere erscheint als weiter Saal von einem doppelten 
Rang Pfeilerarkaden eingefasst, welche Umgange bilden, und über denen eine grosse Voute im Anschlüsse 
an die als Oberlicht in Eisen konstruierte Decke emporsteigt. Ein Saal im Schlosse Malmaison (Abb. 2) 
ist in strengen Formen des Empirestils ausgestattet; die Wände sind durch korinthische Pilaster und 
Rundnischen mit Figuren gegliedert, über der Thürbekrönung zeigen sich sitzende, geflügelte Figuren 
neben einem Medaillen; die Decke ist durch Architrave geteilt und enthält kassettierte Felder. 
Es gab in dieser Zeit bereits romantische Anfänge, in der Litteratur wie in der bildenden Kunst. 
Neben den Revolutionsdichtern B eaumarchais, Chenier und Rouget de lilsle stand der Romantiker 
Chateaubriand (1768-1848), der zwar noch an den Gefühlsidealen Rousseaus hängt, aber doch 
die Sache des Christentums und der Ritterlichkeit verficht. Auch Frau von Staäl (1766-1817) wurde 
durch ihren Aufruf zur Wiederherstellung der Heiligtümer des Herzens und der Religion zur Vorlauferin 
der romantischen Schule. In der Kunst ausserte der englische ßnatürliche" Parkstil seinen Einfluss; 
derselbe tritt in einer 1786 von Paris entworfenen Gartenarchitektur, einem Turm mit einer Wasserkunst 
und diese treibenden Windmühle, als ein Versuch im gotischen Stile hervor. Ledoux gab in seinem 
Pavillion von Vincennes und den Zollhausern an den Barrieren von Paris dem englisch-romantischen 
Elemente erst eine bestimmte stilistische Fassung. Wichtiger für die Wiederaufnahme der Kunst des 
Mittelalters wurde die Gründung des Musee des Monuments frangais, meist aus den Trümmern der 1793 
zerstörten Abtei von St. Denis, aber auch aus anderen französischen Kirchen und Schlössern und teilweise 
aus den aus fremden Ländern geraubten Denkmälern zusammengebracht. Als Percier 1797 aus Italien 
zurückkam, machte er in den Trümmern von St. Denis eine grosse Anzahl wertvoller Aufnahmen, und 
wurde in Gemeinschaft mit Lenoir beauftragt, das erwähnte Museum im Kloster der Petits Augustins 
einzurichten. Dasselbe wurde unter der Restauration aufgelöst und den Kirchen und Schlössern Frankreichs 
 nicht den fremden Ländern  ihr Eigentum wieder zugestellt, indes war von dieser Sammlung bereits 
eine bedeutende Wirkung auf das grössere Publikum ausgegangen, die sich durch verschiedene bezügliche 
Schriftwerke bis nach Deutschland erstreckte. Immerhin war es ein merkwürdiger Zufall, dass die Wieder- 
belebung der Kunst des Mittelalters in Frankreich und Deutschland an die Trümmer von St. Denis, des 
ersten Denkmals der gotischen Kunst anknüpfen sollte. 
Die Neuklassik der David sehen Schule in ihrem Fortschreiten zum Empirestil brachte sich in 
einen beabsichtigten Gegensatz zum Stil Ludwig XVL, indem die in letzterem noch vorhandenen Elemente 
des Barocks beseitigt und durch Nachahmungen der Antike ersetzt wurden. Man wollte durchaus zur 
Einfachheit zurückkehren und griff mit Vorliebe zu den ältesten griechischen Formen. Die Entdeckung 
der dorischen Tempel in Pästum führte in der Architektur eine Art Revolution herbei und die griechisch- 
dorische Säule sollte nun überall angewendet werden. In der Fassadenbildung der öffentlichen Gebäude
        

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