Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1857397
Moderne. 
Ornam entformen 
liefert 
Entwurf 
einem 
schmiedeeisernen 
Gitter 
Harold 
Smith (The Studio) einen etwas schwächlichen Versuch, die heimischen Pflanzenformen wieder in diesen 
Zweig der Technik einzuführen. Ein schmiedeeisernes Gitter im Reichsbankgebäude in Berlin von 
B. Miksits (Kunst und Handwerk) ist an den oberen Endigungen mit naturalistischen Piianzenformen 
geziert, die allerdings zu den unteren Akanthuskelchen und Akanthusranken in einem gewissen Gegen- 
satze stehen. 
Dekorative 
Malerei. 
Um das Bild der modernen Stilbewegung zu vervollständigen, wären noch ihre Leistungen in 
der Malerei und Skulptur kurz zu erwähnen. In den englischen Tafelbildern des neuen Stils, von denen 
„The Studio" eine Auswahl abbildet, zeigt sich als Hauptzug eine Neigung zu dekorativer Auffassung 
der Darstellung, welche wohl wieder mit dem Einüusse der beliebten japanischen Studien zusammenhängt, 
zugleich ein starkes Betonen der Farben- und Luftwirkungen, welches den gedanklichen Inhalt des Bildes, 
besonders den Ausdruck in den Köpfen der Figuren, einigermassen beeinträchtigt. In der Wahl der 
Stoffe wird der Einfluss der neueren Pariser Schule in der Vorliebe für die Wiedergabe unbekleideter 
Frauengestalten bemerkbar. Wie denn seinerzeit der Impressionismus und die Freilichtmalerei, die unter 
sich im engsten Zusammenhange stehen, und noch immer die Hauptleitmotive der neuen Richtung bilden, 
ebenfalls von der französischen Schule ausgegangen sind. Wie bekannt, verzichten die Impressionisten 
auf die Modellierung und geben ebene Flächen, die mit Farbeniiecken bedeckt sind. Bemerkenswerter 
Weise gelangt diese Malweise zu ähnlichen Ergebnissen wie die japanische Kunst, und erinnert zugleich 
an die gleichmässige Austuschung der Flächen in ungebrochenen Tönen, wie diese in den Buchmalereien 
des frühen Mittelalters in Europa üblich war. Eine andere stark hervorstechencle Eigentümlichkeit der 
modernen Malerei, jedenfalls von den Japanern abgeleitet, ist die innige Verbindung des Figürlichen mit 
der Landschaft. Ein beliebter, fast zur Manier gewordener Kunstgriff ist die Benutzung des Kontrasts 
parallel aufsteigender, meist unbelaubter Baumstämme zu den bewegteren Umrissen der Menschenbilder; 
auch die häufig wiederkehrenden, etwas aufdringlichen Vordergrundstudien nach der Natur, deuten den 
Quell an, aus dem die neue Richtung schöpfen will. Einzelne Künstler führen das Traumhafte und 
Visionäre in ihre Kompositionen ein, und versuchen sogar Geistererscheinungen in schemenhafter Halb- 
Wirklichkeit darzustellen. Wieder andere verfallen in impressionistische Farbenexperimente und geben 
mehr Studien als fertige Bilder. 
Unter den französischen Malern vertritt namentlich Levy-D hurmer die Wiedergabe des Traum- 
haften, Eugene Carriere und E. Aman-J ean dehnen den Impressionismus selbst auf das eigentliche 
Porträt aus. Die erwähnten Malwerke der englischen und französischen Schule unterscheiden sich 
übrigens wenig von einander durch nationale Eigenheiten; sie verfolgen dasselbe Prinzip und tragen in 
der Hauptsache dasselbe Gepräge.  
In Deutschland findet sich die nationale Besonderheit ebenfalls mehr bei den älteren Meistern, 
als bei denen der jüngsten Generation. Von unserem grossen Altmeister Albrecht Dürer zu Cornelius, 
Rethel, Geselschap u. a. zieht sich erkennbar ein festes geistiges Band hin. Selbst Böcklins poeti- 
scher Zauber der Auffassung ist schon in Dürerschen Blättern, wie Ritter, Tod und Teufel, Melancholie u. a. 
vorgedeutetf Böcklin ist durch den Grundzug seines Schaffens, durch die poetische Auffassung der 
Landschaft und die Figürliche Darstellung symbolischer Naturwesen eng mit der neuesten Richtung ver- 
bunden und kann sogar als einer ihrer Vorkämpfer gelten. Seine Gemälde haben den Vorzug des glück- 
lichen Gleichgewichts zwischen Poesiefülle und schöner Form. Manchen anderen Neueren, welche auf dieser 
Bahn fortschreiten, möchte man aber den Satz aus Lessings Laokoon in Erinnerung bringen: „Dass die 
Malerei nicht die weite Sphäre der Poesie füllen kann, und über dem Bestreben poetisch zu schildern, 
niemals die Forderung der Schönheit vergessen darf."
        

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