Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1855502
Frankreich. 
messen konnte. Zugleich verfiel man in eine übertriebene Anwendung der alten Tiersymbole, der Greifen, 
geflügelten Löwen und dergleichen, ohne zu bedenken, dass sich ehemals ein geistiger Inhalt mit diesen 
heute nur noch formschönen Bildungen verknüpft hatte. Es entstand in der Dekoration das sogenannte 
,.falsche Griechentuni". Als ornamentales Blattwerk blieb lange Zeit der Akanthus allein herrschend, 
und zwar nicht in der griechischen, sondern in der römischen Form des sich abrollenden Rankenwerks. 
Der Reichtum der heimischen Flora, den die Renaissance vielfältig für ihre Bildungen herangezogen hatte, 
blieb 
unbenutzt. 
Frankreich. 
Empirestil. 
Am Ende des 18. Jahrhunderts tritt die französische Revolution auf allen Gebieten, auch auf 
dem der Kunst, das Alte stürzend und neue Bahnen eröffnend auf. Frankreich steht in dieser Zeit an 
der Spitze der europäischen Entwicklung, indes bereitet sich durch den bald erfolgenden Gegenstoss 
gegen die revolutionäre Bewegung eine Änderung in den Beziehungen lilrankreichs zu den übrigen Ländern 
vor. Allmählich löst sich das alte Abhängigkeitsverhältnis und die befreiten Völker des übrigen Europas 
nehmen mehr und mehr einen selbständigen Weg nationaler Entwicklung. 
In der Mitte der künstlerischen Bewegung Frankreichs steht in dieser Zeit der Maler Jacques 
Louis David (1748, "l- 1828), ein seine Zeitgenossen bedeutend überragender Künstler, zugleich  ein 
entschiedener Revolutionsmann, thätiges Mitglied des Nationalkonvents und Arrangeur der theatralischen 
republikanischen Feste, mit Rob es p i err e stürzend und darauf nach Italien flüchtend, wo ihm Bonaparte 
ein Asyl bot. Später fand David im Kaiser Napoleon den Nationalhelden, den Bändigei" der Anarchie. 
Unter der Restauration verbannt, lebte David in Brüssel und blieb daselbst bis zu seinem Tode, nacl1- 
dem er einen Ruf nach Berlin ausgeschlagen hatte. Davids Stil erschien im Vergleich zu dem seiner 
Yorgänger wirklich original, durch den Gegensatz seiner männlich herben Strenge gegen das leichtfertig 
tändelnde Wesen. Davids Malerei zeichnet sich weniger durch das gesuchte Griechentum als durch 
die heroische Auffassung des Lebens aus und sticht damit stark genug gegen die Malerei der Amoretten 
und galanten Abenteuer ab. Unzweifelhaft schätzte David die Antike, mehr die römische, die er besser 
kannte, als die griechische, aber er hatte zugleich ein starkes einfaches Naturgefühl, das sich durch den 
Formalismus des antiken Schönheits-Iianons wohl abschWächen aber nicht aufheben liess. Allerdings 
erinnert seine Gruppenbildung bisweilen an die Anordnung des antiken Reliefs und es fehlt seinen Figuren 
der Pulsschlag des Lebens; dagegen besass David als Erbteil der französischen Schulüberlieferung ein 
bedeutendes koloristisches Können und verpilanzte diese Eigenschaft wieder auf seine Schüler. 
In der Architektur dieser Zeit fehlt ein so bedeutendes Talent, wie es David in der Malerei 
war. Boullee wirkte hauptsächlich als Lehrer in neuklassischer Richtung; Gondouin (1737, T 1818) 
errichtete die Schule der Chirurgie mit einem grossartigen Peristil von 6 korinthischen Säulen mit relief- 
geschmücktem Giebel und schloss die Strassenfront mit 4 Reihen jonischer Säulen ab; J aques Denis 
Antoine (1733, i" 1801) gab dem Portal im inneren Hofe des Hospitiuins der Charite griechisch-dorische 
Säulen nach den Mustern von Pästum, während er die Münze noch ganz im palladianischen Sinne errichtete. 
Dagegen zeigte das Mineralienkabinet desselben Bauwerks mit korinthischen Säulen, einer Tribuna und 
vergoldeten Stuckarbeiten auf weissem Grunde wieder den kalten neuklassischen Charakter. Die Kirche 
St. Philippe du Roule, von Chalgrin in den Jahren 1760-1784 erbaut, ist einstöckig, mit dorischem 
Säulenportikus und Giebel, monumentartig von einer hohen Attika überragt, an den Seiten schliesst sich 
ein Triglyphenfries an. Im Innern der Kirche befinden sich Tonnengewölbe aus Holz auf jonischen 
Säulen. Moreau erbaute nach 1763 den schönen dreifachen Eingang zum Palais royal, durch Arkaden
        

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