Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1857371
Moderne. 
Einfluss Böcklins erkennen: in der Mitte des Teppichs erhebt sich der Paradiesesbaum, von der 
Schlange umwunden, bewacht von zwei wappenartig stilisierten Greifen, zu den Seiten wachsen stili- 
sierte Bäume aus reichen Gefässen hervor. Das Ganze ist in kräftigen Farben gehalten und zum 
Teil in Applikationsarbeit hergestellt. Die Stickereimuster von H. Obrist geben Bäuine mit Blättern, 
Blumen und gelegentlich reine Phantasiemotive (Kunst und Handwerk).  Die Kunstweberei in 
Scherrebek, in der Nähe von Tondern in Schleswig, befolgte anfangs eine Richtung, welche sich dem 
norwegischen F orinenkreise anschloss, erst später kamen die Muster der alten, heimischen schleswig- 
holsteinischen Hausindustrie hinzu. Ein sogenanntes Hamburger 
1:5      Kissen zeigt beispielsweise in dieser Art ein Bauernmuster in 
 T  S:    weiss, schwarz, gelb, blau und rot. In letzter Zeit gab Otto 
i    Eckmann aus Hamburg, jetzt in Berlin, der Scherrebeker 
 E   Fabrikation einen neuen Schwung. Die Eckmannsche Art 
      der Flachendekoration zeigt nirgends eine Andeutung von Plastik 
     oder Raiiintiefe, keine Modellierung, keinen Wechsel von Licht 
  3:    und Schatten. Ein Wandteppich „Waldteich" lasst nichts vom 
 P  "I  gf Himmel sehen, wohl aber wie die abbrevierten japanischen Land- 
f     _  schaftsbilder die Spiegelung von Mond und Sternen im Wasser; 
  I; auch Bäume und Schilf spiegeln sich in demselben ab. Ein 
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i     i,  herbstlichen Charakter. Ein Wandbehang mit blühenden Äpfel- 
   I   b? baurnzweigen ist am meisten japanisierend. Alfred Mohr- 
;     B butter aus Hamburg, ebenfalls für Scherrebek thätig, giebt 
      im Gegensatze zu der Eckmannschen Auffassung wirkliche 
 7-      ._Ä Bilder und Tiefenwirkungen, wie beispielsweise in dem Wand- 
oi    teppich „Haidemühle". Jul. Wohlers aus Hamburg kommt 
     F: in seinem Teppich nlinabenreigen" wieder auf den Stil der alten 
a  '.4  kzäruck. Ubrigens liefert Scherrebek bis jetzt 
ÜQ. so   Die Applikationsarbeiten nach Kartons von de Rudder 
 C  Q in Brüssel, ausgeführt von seiner Frau, zeigen echt künstlerische 
 Eigenschaften; sie sind in Art et Decoration abgebildet. Auf 
 Q ß  den Lambrequins eines Baldachins im Hochzeitssaale des Stadt- 
liauses zu Brüssel sind die allegorischen Gestalten der Starke, 
Abb. 66. Kunstverglasung von der Vorsicht, der Gerechtigkeit, der Beredsamkeit, der Wahrheit 
H" Chrlstlansen"  und der Weisheit dargestellt. Ein nach de Rudders Entwürfe 
Nach Deutsche Kunst und Dekoration.       
ausgeführter Wandschirm zeigt die Parzen, in einer Darstellungs- 
art, welche die japanische Herkunft nicht verleugnen kann. Ein Fenstervorhang von Frl. A. Herwegh 
zeigt ein Muster von llatternden Libellen. Eine eigentümliche Technik des chemischen Farbens und 
Entfärbens wendet Isaak in Paris auf Stoffe verschiedenster Art an, welche zu Wandtapeten, Portieren, 
Fenstervorhängen, Kleiderstoifen und Fächern verarbeitet werden, und je nachdem aus grober Leinwand, 
Crepes de Chine, Seide, Sammt oder Plüsch bestehen. Die Zeitschrift „Art et Decoration" bringt einige 
Beispiele dieser Art. Das Muster wird durch ausgeschnittene und dem Steif aufgeklebte Patronen 
festgelegt und danach die Färbung oder Entfärbung des Grundes, oft beides zugleich, bewirkt. Die 
Formen der Dekorationen sind naturalistisch in japanischer Art, sie zeigen Wasser mit Algen und Fischen,
        

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