Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1857367
Glasmalerei 
modernen Kostüm. Ein Glasfenster in amerikanischem Opalescentglas, von Baron Arild Rosen- 
krantz, stellt die Verkündigung dar: Maria in einem Garten, aus dem die beliebten nackten Baum- 
stämme aufsteigen, in der Höhe schweben die sieben Erzengel, darunter der Verkündigungsengel. Mehr 
im Stile des Mittelalters halt sich eine figiirliche zusammenhängende Komposition für ein grosses, durch 
Pfosten geteiltes Fenster, wirkt aber immerhin modern durch die Wiedergabe der Landschaft. Modern 
erscheinen auch die Entwürfe zu Glasmalereien von Christian sen, die zum Teil in „Deutsche Kunst 
und Dekoration" abgebildet sind. Unter andern sieht man hier eine modisch gekleidete Frau in einer 
Winterlandschaft und etwas weiter zurück einen Herrn in Oberrock und Cylinderhut. Ausserdem zeigen 
sich: ein Schwan mit seinem Spiegelbilde im Wasser; eine Landschaft mit unbelaubten Stammen, von einer 
Blulnenborde eingerahmt (Abb. 65 und 66); ein mehrfach geschwungenes 
Band, welches die Halbfigur einer Frau umhüllt; unbelaubte Stamme, die  gr 
sich im Wasser spiegeln; eine Seelandschaft mit einer Insel u. a.     
Ehrmann in Paris schliesst sich mit seinen Glasgemalden, g    W513 
gewissermassen selbstverständlich in denen, welche zum Schmucke älterer  
Kirchen bestimmt sind, an die Stilistik des Mittelalters an, giebt aber I ä "i 
doch in modernem Sinne Figuren mit ausdrucksvollen Köpfen, vielleicht  je Q 
mit mehr Ausdruck, als sich mit der doch stets auf Fernwirkung be-   
rechneten Natur des Glasgemaldes vertragen mag. In dieser Art zeigt  l m 
sich seine „Erziehung der heiligen Jungfrau" (in Art et Decoration).    
Noch strenger im alten Stil als die vorigen sind die Glasbilder für  iäjß;  
Kirchen von Grasset gehalten; dagegen zeigen die für Profanbauten   
bestimmten Entwürfe desselben Künstlers den modernen Zug in der   
reichlichen Wiedergabe des Landschaftlichen und in der Helligkeit des   
Gesamtkolorits. L. O. Merson giebt gelegentlich in seinen Glasmalereien       
ganz tafelbildmassig wirkende Interieurs wieder, wie in seinem „Christus       
mit den Jüngern in Emmaus", dann aber in den Kompositionen für      Hi.   5 
Profangebäude reizende Kinderspiele und andere Genrescenen in einer       
naturalistisch aufgefassten Landschaft. Von Besnard findet sich für den    7'  w  
gleichen Zweck eine Landschaft mit Vögeln. Im allgemeinen kann man   11-   1  
aber sagen, dass das eigentlich Stilmassige der Glasmalereien, die den Abb 65 Ku t 1 
Hauptkontur bildende Verbleiung, bei allen vorgenannten Arbeiten, auch  'H_ Cäjisifgägällng von 
bei den ganz modern aufgefassten, streng innegehalten worden ist. Die im]. Deutsche Kunst und Dekoration, 
Glasmalereien von Socard für Wohnräume zeigen ausnahmsweise den 
Anschluss an romanische Muster. Von Paul Follot und Albert Muret sind ebenfalls Glaslnalereien 
in Art et Däcoration abgebildet, 
mit der Landschaft aufgefasst. 
letzterem 
herrührenden 
stark 
naturalistisch 
Verbindung 
Stoffe. 
Eine reiche Gelegenheit zur Bethätigung der neuen dekorativen Richtung bieten die Bluster für 
Gewebe, Stickereien und Applikationsarbeiten. Auf den Entwürfen zu Seidenstoffinustern von "William 
E. Grimshaw zeigen sich grosse Blüten und zwischen denselben fliegende Schwalben (The Studio). 
In der Zeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration" sind verschiedene Entwürfe zu einem Knüpf- 
teppich enthalten, von G. Klemm in Dresden, M. A. Nicolai in München, R. Bessert in Köln, 
sämtlich in einiger Anlehnung an persische Vorbilder. Ein Wandteppich von Max Seeliger in Berlin 
zeigt die knieende Figur eines Sonnenanbeters. Ein gestickter Wandteppich von demselben lässt den 
Ebe, Dekorationsformen des 19. Jahrhunderts. 25
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.