Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1857124
Deutschlal 
Ahnung des wirklichen Inhalts; auch sein Historienbild „Einzug Karls V. in Antwerpen" (1877) 
nur eine Karnevalscene mit den üblichen nackten Weibern. Bessere dekorative Bilder von 
ist wieder 
ihm sind : 
„Jagd der Diana", die „fünf Sinne", in nackten Frauengestalten dargestellt, der "Traum", die „4 Jahres- 
zeiten", der „Frühling" (1884), letzteres von poetischem Hauche beseelt, doch nicht ganz vollendet. 
Makarts Bildnisse sind skizzenhaft und geben kaum etwas von der Eigenheit der Persönlichkeit wieder. 
Stanislaus Graf von Kalckreuth (1821-1895), der schon als Mitbegründer der Weimar- 
schen Kunstschule im vorigen Abschnitt genannt ist, gehört zu den Schülern Sohirmers in Düsseldorf, 
war aber vorher bei W. Krause in Berlin thätig. Kalckreuth ist vorzugsweise Alpenmaler wie 
Leu, aber romantischer in der Auffassung. Eine Anzahl seiner Bilder, wie „Obersee bei Berchtes- 
gaden", „Hintersee", „Morgenlandschaft aus Tirol", „Wallenstädter See", sind den tyroler Alpen ent- 
nommen. Nach einer Reise in die Pyrenäen (1854), malte Kalckreuth nach diesen Motiven den 
.,Lac de (iaubeii, das "Canigaithal" und zahlreiche andere Bilder. 
Die 
Moderne. 
Seit mehr als einem Jahrzehnt ist in Europa. und in Nordamerika eine neue Stilrichtung in der 
bildenden Kunst hervorgetreten, gewöhnlich als die „Moderne" bezeichnet, und hat, besonders auf dem 
Gebiete des Kunstgewerbes, grosse Kreise für sich gewonnen. Hervorgerufen wurde die Bewegung durch 
die allgemein verbreitete Abneigung gegen das Wiedermachen der alten, historisch-hergebrachten und 
abgewirtschafteten Stilschablonen, zugleich durch das Suchen nach einer eigenen Ausdrucksform für das 
künstlerische Empfinden unserer Zeit. Frischer Naturalismus, poetische Auffassung und Streben nach 
V olkstümlichkeit sollten die Mittel sein, um einen neuen Stil ins Leben zu rufen. 
Der praktische Anstoss zur Gewinnung eines neuen Formenkreises für das Ornament kam selt- 
samer Weise von Japan, dessen Holzschnitte, Buntdruckblatter und Gerate seit der Mitte der sechziger 
Jahre bei uns allgemeiner bekannt geworden sind. Der Stil der Japaner, in ältester Zeit von China 
dorthin verpflanzt, hat den Vorzug, entschieden volkstümlich geworden zu sein; derselbe wird niemals 
gelehrt symbolisch, sondern giebt Formen, die ohne Vorbildung allen Kreisen, verständlich sind. Die 
japanischen Zeichnungen, ausser dem Ornament die Landschaft und das Figürliche Genre umfassend, 
zeigen eine grosse Sicherheit der Linienführung, ein feines Naturgefühl, das stete Betonen der land- 
schaftlichen Umgebung, den Mangel einer Linearperspektive, das Vermeiden von Schatten und Reflexen, 
dagegen das Hervorheben der Spiegelungen im Wasser und ein gewisses Übertreiben der Luftperspektive. 
(Abb. 50). Die japanische Kunst neigt stark zum Stilisieren, aber sie idealisiert nicht, ihr eigent- 
liches Gebiet ist das impressionistische, ausschnittweise wiedergegebene Landschaftsbild in Verbindung 
mit Tier- und Menschengestalten, zugleich" das realistische, oft humoristisch aufgefasste Genrebild. 
(Abb. 51). Das japanische Piianzenornament, welches für die europäische Nachbildung in erster 
Linie in Betracht kommt, zeigt eine Vorliebe für lange, schlank gebogene Linien, während die Spiral- 
ranke, wie dieselbe im klassischen Ornament ausgebildet erscheint, kaum einmal angewendet wird. Unter 
den zahlreich abgebildeten Blütenmotiven sind vor allem die Ohrysantemum -Arten zu nennen (Abb. 52), 
dann die stilisierten Nachahmungen von Zwergbaumen und Wurzelgeflechten. Die Sumpfpflanzen, einzeln 
xtionsformen des 19. 
Jahrhunderts.
        

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