Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1857111
Vorherrschen 
Nationalitätsi 
in seinen Anfängen Erwahnilng finden. Er kam 1855 in das Atelier Pilotys und ging 1858 mit diesem 
nach Rom. Lenbach malte hier die „Ansicht des Forums" unter greller "Mittztgsbeleuchtung und das 
"Bildnis eines Arztes". in der Malweise eines Tizians und Rembrandts, aber noch dunkler.  
Eduard Schleich (1812-1874) führt die Münchener Landschaftsmalerei auf naturalistische Bahnen, 
wenn er auch an der poetischen Auffassung festhält. Erst 1848 fing Schleich an, sich selbständig zu 
entwickeln, von den koloristiscben Leistungen des Decamps und Marilhats angeregt, zugleich studierte 
er Rubens. Schleich wollte aber vor allem das Licht und die Spiele der Atmosphäre darstellen und 
wurde ganz zum idealistischen Stimmungsmaler für die heimische Landschaft. Erst von 1866 ab fanden 
seine Bilder Beachtung in weiteren Kreisen. Der "Flachnebel auf einsamer Hochalpe" war noch lang- 
weilig, von prächtiger Wirkung dagegen die "Isargegendff und die „Aussicht auf den Chiemsee". Das 
Studium von Ruysdael und van Goyen hatte ihn auf den rechten Weg gebracht. Schleich malte 
gelegentlich auch Strandbilder von Scheveningen und Mondnachte in der Normandie, aber sein 
Hauptfeld blieb immer die Umgebung Münchens und die Ebene Oberbayerns. Er bevorzugte in seinen 
Bildern die Herbst-, Regen- und Mondscheinstimmung. Friedrich Voltz (1817-1886), ein Schüler 
Albrecht Adams und durch Reisen in Oberitalien und den Niederlanden gebildet, ist zugleich Land- 
schafts- und Tiermaler. Er ist in der Auffassung der Natur mit Schleich verwandt und legt das 
Hauptgewicht auf die Beleuchtung und die Stimmung bei feuchter Luft. Bis Ende der dreissiger Jahre 
malte er meist Hochgebirgslandschaften, aber seit seiner 1846 nach Belgien und Holland unternommenen 
Reise malt er seine köstlichen Thieridyllen; meist sind es Kühe auf der Weide, mit Laubholz im Hinter- 
grunde und sonnigem Himmel, auf welchem sich eben die letzten Regenwolken verziehen. Adolf 
Lier (1826-1882) ist Stimmungsmaler der Landschaft, wie die vorgenannten; er ist ein Schüler 
Zimmermanns. Bis etwa 1860 malte Lier vorzugsweise Gebirgsgegenden, wie „Gegend bei Brixen", 
„I)achstein bei Abendbeleuchtung", „Brautzug im Gebirge", „Bauernscene in Hahach". Im Jahre 1861 
ging Lier nach Paris und wählte später mehr die Motive aus Flachgegenden; es entstanden in dieser 
Art: „Nebelmorgen am Chiemsee", „Motiv aus Mecklenburg", „Mondnacht an der Oise", „Partie an der 
Elbe bei Pillnitz", „ein Kanal bei Schleissheim" u. a. In allen diesen Bildern der sechziger Jahre macht 
sich ein gewaltiger Fortschritt im Koloristischen, namentlich in der Wiedergabe des Lichts, geltend. 
Einen der bedeutendsten Pilotyschüler, Hans Makart (1840-1884), treffen wir in Wien 
wieder. Er wurde der grosse Earbendichter der Schule, wenn ihm sonst auch manche andere Eigen- 
schaft abging. Makart trat 1861 in das Atelier Pilotys und machte bereits 1863 Reisen nach London, 
Paris und Italien, Seine Arbeiten bestanden bis 1866 in Zeichnungen nach Motiven aus dem dreissig- 
jährigen Kriege und einem Genrebilde „Lav0isier im Gefängnis". In den folgenden Jahren zeigt sich 
bei Mak art die starkere Betonung der Farbe, wie in den Bildern: „Ritter und Nixe", die „Elfenkönigin", 
nach einem Heineschen Gedichte, die „weiberraubenden Centauren" und einer "Landschaft" mit römischer 
Staffage. In den Jahren 1862-1863 entstanden die dekorativen Malereien „Siesta venezianischer Pa- 
trizier" und „moderne Amoretten". Das letztere Bild zeigt eine Vereinigung halbwüchsiger Mädchen, 
welche miteinander in üppiger YValdpracht tanzen und spielen, aber ohne jede Naivität und keuschem 
Reiz sind. Berühmt wurde Makart durch die „Pest in Florenz, oder die sieben T otsünden". Es zeigt 
sich hier in drei Abschnitten, in Börse, Bad und Bacchanal, ein berauschendes Übermass unverhüllter 
Sinnlichkeit, allerdings mit ausserordentlicher B'arbe11gl11t dargestellt. 1869 wurde Makart nach Wien 
berufen, malte hier seine „Abundantia", eine Vereinigung koketter Mädchen und lüsterner Knaben, die 
„Huldigung Venedigs vor Katharina Cornaro", ohne geistige Charakteristik, nßacchus und Ariadne im 
T riumphzug" und „Kleopatra auf dem Cydnus". Diese Bilder, ebenso die „Siesta am Hofe der Mediceer" 
sind im besten Sinne dekorativ gehalten. Eine Reise nach Ägypten (1875-4876) lieferte ihm den Stoff 
zu einer Anzahl Bilder aus dem modernen Ägypten. Makarts Scenen aus Dichtern geben kaum eine
        

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