Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1857104
Deutschland. 
nächsten Jahren entstanden die Bilder: „der Leichnam Wallensteins, von Soldaten in Gegenwart 
Butlers weggeschleift", der "Morgen vor der Schlacht am weissen Berge", den Herzog Maximilian mit 
seinen Feldherrn hinter einem Zeltdach zeigend, während ein spanischer Mönch von einem von Maul- 
tieren gezogenen Wagen herunter die Soldaten anfeuer-t. Von einer Reise nach Paris, England und 
Italien (1856-1858) kam Piloty technisch gebildeter, aber mit einer starken Neigung zu theatralisch- 
pathetischem Wesen zurück; dieser neuen Art entspricht sein Bild „Ner0 auf den Trümmern Roms" (1861); 
man sieht den Imperator im Morgengrauen über die rauchenden Ruinen schreiten, gemordete Christen 
liegen auf seinen Wegen. Die Komposition des Bildes ist mangelhaft und das Beiwerk sehr vordringlich 
behandelt. Später wendet sich Pilot y mehr den neueren Franzosen zu, gewinnt an blendender Wirkung, 
verliert jedoch an Einfachheit und Würde. Sein Bild "Wallensteins Zug nach Eger" zeigt den kranken 
Feldherrn in einer Sanfte sitzend, von Seni und Butler umgeben, in ein Grab blickend, das eben vor 
den Thoren der Stadt ausgeworfen wird; „Galilei im Kerker" ist mit einem übertriebenen Beleuchtungs- 
effekt ausgestattet; „Gottfried von Bouillon und die Kreuzritter nach der Einnahme Jerusalems zum 
heiligen Grabe pilgernd" ist wieder für das Maximilianeum bestimmt. Die „Er1nordung Cäsars" (1865) 
ist als Komposition das Beste von Pilotys Bildern, auch koloristisch mit grosser Feinheit behandelt, 
leidet indess durch die theatermässige Haltung und Gewandung der Figuren; "Columbus, in einer 
Mondnacht auf dem Verdecke seines Schiffes stehend", ist dagegen eine schwache Leistung; „Äbtissin 
des Klosters Frauenchiemsee, an der Spitze ihrer Nonnen einem Haufen von Plünderern entgegentretend", 
giebt eine Scene aus der Zeit des dreissigjahrigen Krieges. Dem Ende der sechziger und siebziger 
Jahren gehören noch die Bilder an: "Maria Stuart nach Verkündigung des Todesurteils, inmitten ihrer 
Frauen", „Botschaft von der Schlacht am Weissen Berge", „Triumphzug des Germanicus", mit flüchtiger, 
von dem glitzernden Farbenspiele erdrückter Zeichnung. Im Jahre 1874 wurde Piloty als Nachfolger 
K aulbachs zum Direktor der Münchener Akademie ernannt; einen früher erfolgten Ruf nach Berlin 
hatte er nicht angenommen. Für den Festsaal des neuen Münchener Rathauses malte Piloty 1874 
eine Monachia, umgeben von den Allegorien der Fruchtbarkeit und den historischen Persönlichkeiten, 
welche zum Ruhme der Stadt beigetragen haben; das Bild erinnert etwas an die Kaulbachsche 
Manier. Ein anderes Gemälde von ihm „letzte Fahrt der Girondisten" ist nicht von bedeutender 
Wirkung. Wilhelm Lindenschmit der Jüngere (1829-1895) erhielt den Unterricht seines Vaters, 
besuchte seit 1848 das Stadelsche Institut in Frankfurt a. M., dann die Akademie zu Antwerpen und ging 
von da nach Paris. Eines seiner ersten Bilder war „Herzog Alba bei der Gräfin von Rudolstadt" darauf 
die „Ernte". Lindenschmit blieb von 1853 bis 1863 in Frankfurt a. M., malte Landschaften und 
Genrebilder, zeichnete Illustrationen zu deutschen Klassikern und einen Karton „Franz I. bei Pavia" (1858). 
Hit den 1862 vollendeten Kreidezeichnungen, die „Stiftung der Gesellschaft Jesu" und das „Gesprach 
der Reformatoren zu Marburg" fand er den Übergang zur echten Historienmalerei, mit Vermeidung des 
theatralischen Wesens. Im Jahre 1863 nach München übergesiedelt, schuf Lindenschmit bis 1876 
eine Reihe historischer Bilder, meist aus der Reformationsgeschichte, anfangs mit lebhaftem, an die 
Franzosen erinnerndem Kolorit, später in bräunlicher. matter Gesamtfarbung. Es sind dies: „Ulrich 
von Hütten im Kampfe mit französischen Edelleuten", „Erm0rdung Wilhelms von Oranien", „Walter 
Raleigh von seiner Familie im Kerker besucht", „Luther von seinen Eltern in die Klosterschule nach 
Magdeburg gebracht", "Luther vor dem Kardinal Oajetan", „Anna Boleyn übergiebt ihr Kind Elisabeth 
dem Schutze des Mathew Parker" u. a. In allen diesen Bildern zeigt sich ein Streben nach Lebens- 
wahrheit, die Figuren stehen mit 'I'racht und Lokal in enger, natürlicher Verbindung. In einem Bilde 
von 1874 „Venus an der Leiche des Adonis" schloss sich Lindenschmit in der Farbe an van Dyk an, 
nicht zu seinem Vorteil. Erst in den Faustbildern, wie in dem „Brustbild Gretchens" u. a. zeigen sich 
wieder blühende Lokalfarben. Von den Pilotyschülern mag hier noch Franz Lenbach (geb. 1836)
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.