Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1857073
Vorl: urrsuhen 
Natiunalitätsidee 
in die ideale Sphäre des historischen Stils einporgehoben. Rethels grossartigste Komposition ist der 
Zug Hannibals über die Alpen, nach der Schilderung des Livius, in Bleistift gezeichnet und mit Wasser- 
farben ausgeführt, später in Holzschnitt erschienen. Das Werk reifte durch die erste Romreise seiner 
Vollendung entgegen, aber es scheint, dass der Meister noch bei seinem zweiten Aufenthalt in Italien 
daran gearbeitet hat. Das erste Bild zeigt greise Hirten in einer Alpengegend, dem jüngeren Geschlechte 
die Schrecken früherer Heereszüge erzahlend; im zweiten Bilde erscheint das karthagische Heer auf 
dem Marsche, einen wilden Bergstrom überschreitend, hinter den wegweisenden Hirten erscheint ein 
unheilverkündendes, halbverhülltes, altes Weib, im Hintergründe thront der Berggeist der Alpen und 
blickt ernst auf die frevelhaften Eindringlinge. Das dritte Bild giebt die Darstellung des wilden Kampfes 
gegen ein Bergvolk, welches Felsen und Baumstämme auf die Karthager herabwalzt; das vierte Bild 
zeigt die Erfrorenen am Wege, in den Abgrund gestürzte Leichen bezeichnen den Weg, den das Heer 
genommen, nur mühsam schleppen Nachzügler ihre erstarrten Glieder fort, beschwert durch den 
Transport der Kranken und Todten. Das fünfte Bild lässt die zerschmettert in der Schlucht liegenden 
Elephanten, Pferde und Krieger sehen; das sechste Bild endlich zeigt den siegreichen Feldherrn, der von 
hoher Warte auf die Fluren Italiens herabbliclat. Adolf Tiedemand (1814-1876), ein Norweger, 
besuchte zuerst die Akademie in Kopenhagen und ging dann zu Hildebrandt und Schadow in 
Düsseldorf. Gleich eines seiner ersten Bilder „(iustav YVasa redet in der Morakirche in Dalekarlien" (1841) 
hatte einen grossen Erfolg. 1842 ging Tiedemand nach München, später nach Italien und kehrte 1846 
nach Düsseldorf zurück. Sein eigentliches Feld waren die Bilder aus dem norwegischen Volksleben, 
welche Schilderungen von cthnograpliischer Bedeutung und tiefer Wirkung gaben. In einer Anzahl dieser 
Bilder malte ltlorten Müller die Landschaft, andererseits staftierte Tiedemand mehrere Landschaften 
Gudes. Von Tiedemands Bildern mögen genannt werden: "Katechisation des Küsters in einer 
norwegischen Landkirche", der "Briefleser", „Gottesdienst der Haugiztner", "Gottesdienst in einer Dorf- 
kirche", "Bat der Nachbarn", vverwundeter Barenjagerit, „Wolfsjager in der Sennhütte". Wilhelm 
Camp hausen (1818-1885), hauptsächlich Schlaehtenmaler, wurzelt in der Romantik und gelangt erst 
in seiner späteren Zeit zu völlig realistischer Darstellung. Er erhält seinen ersten Unterricht bei 
ltethel, seit 1834 bei Sohn und Schadow und wendet sich früh der Soldatenmalerei zu. Yon ihm: 
die "Retiratle österreichischer Kürassieret" 1839, „'l'illy auf der Flucht bei Breitenfeld", „Prinz Eugen 
bei Belgrad" und "Gottfried von Bouillon in der Schlacht bei Askalon". Nach einer Reise durch 
Holland, Belgien und Oberitalien fand (lam phausen sein geistiges Feld in der Darstellung der Kämpfe 
der Puritaner in England und in den Ereignissen des dreissigjährigen Krieges. Von der Mitte der 
vierziger bis in den Anfang der fünfziger Jahre entstehen die Bilder: „(il'01IHV8llSUl1B Reiter, den 
herannahenden Feind beobachtend", "Graf Heinrich zu Sohns in der Schlacht bei Neerwinden", „Puritaner, 
gefangene Kavallerie transportierend", „Karl II. auf der Flucht nach der Schlacht bei Worcester", 
„Gustav Adolphs Dankgebet nach der Schlacht bei Breitenfeld" u. a. Camphausen strebte bereits 
nach Realismus der Darstellung, indes behielten die erwähnten Bilder doch einen hohlen, theatralischen 
Beigeschmack, welcher die Auffassung des Historischen nur als eine ziemlich äusserliche erscheinen lässt. 
Erst Camphausens zweite Periode bringt den Umschwung; sie beginnt mit den Reiterportrats und 
Kriegsscenen aus der Zeit Friedrichs des Grossen; nun befreit sich der Meister von der gesuchten 
Romantik und wird volkstümlich schlicht, wie in den Reiterportrats von Seydlitz, Ziethen, Keith, Schwerin, 
Prinz Heinrich und Leopold von Dessau, welche sich stets auf dem Hintergründe eines Schlachtgetümmels 
abheben. Andere Darstellungen aus derselben Zeit sind: „Ii'riedrich II. und das Dragonerregiment 
Bayreuth bei Hohenfriedberg", der „Chorztl von Leuthen", "Friedrich II. am Sarge Schwerins", dann 
aus den Freiheitskriegen „Blü(rhers Rheinübergang bei Kaub". Im Jahre 1864 machte Camphausen 
den schleswig-holsteinisclien Feldzug mit und malte die „Begegnung des Kronprinzen Friedrich. Wilhelm
        

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