Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1857067
Deutschland. 
sind die architektonischen Illustrationen zu Kuglers Kunstgeschichte (1848). Als Landschaftsmaler 
bevorzugt Riefsthal anfangs die norddeutschen Motive, wendet sich aber bald den bayerischen und 
schweizerischen Alpengegenden zu und stattet seine Bilder mit bedeutender, dem Volksleben entnommener 
Staffage aus. In dieser Art gemalt ist die „'l'rauerversammlung in Appenzell" und die „Feldandacht 
Passeierer Hirten". Sein Bild "Allerseelentag in Bregenz" (1869), noch aus seiner ersten Periode 
stammend, zeigt schon eine grossartige Naturauffassung. Im Jahre 1889 verliess Riefstahl Berlin, 
um nach Rom zu gehen und sich dort ebensosehr in das Studium der Baudenkmäler als in das Leben 
der Geistlichkeit zu versenken. Von 1873-1877 wirkte er als Direktor der Karlsruher Kunstschule, 
und liess sich, nach einem zibermaligen Aufenthalt in Rom, dauernd in München nieder. Von Rief- 
stahls Bildern aus dieser zweiten Periode sind zu erwähnen: „das Pantheon des Agrippa mit einem 
vorübergehenden Leichenzuge", „Forum romanum", "Kinderbegrabnis im Passeier", „Refektorium eines 
schwäbischen Klosters", „Anatomiscl1es Theater in Bologna", wßauerndeputation in der Vorhalle eines 
Klosters" und ,Jiauernversammlung vor einer Kapelle im Bregenzer Walde". Karl Bennewitz von 
Loefen (1826-1895), ein Schüler Schirmers in Berlin und Zimmermanns in München, ent- 
wickelte seine Eigenart in der liebevollen Wiedergabe der märkischen Landschaft. Anfangs malteBenne- 
witz Gebirgslandscliaften nach Motiven aus Schottland, Tirol und Oberitalien, später aber fast aus- 
schliesslich norddeutsche Gegenden aus der Mark, dem Odergebiet und Rügen. Dieser letzteren Richtung 
gehören die Bilder an: „Weiher vor Sonnenaufgang", Waldsee im Spätherbst", „trübes Wetter in der 
Mark" u. a. 
Unter den Historienmalern der neueren Düsseldorfer Schule ist der schon im vorigen Abschnitte 
erwähnte Alfred Re thel einer der hervorragendsten; er verbindet das deutsche Element, die Dürer sehe 
Kraft und Wahrheit mit dein niass- und schwungvollen Linienzuge der italienischen Meister. In dem 
vollendeten Ausdrucke der Reckenhaftigkeit mittelalterlicher Helden übertraf Rethel noch Cornelius. 
Im Römer zu Frankfurt malte Rethel die Bildnisse der Kaiser, Philipps von Schwaben, Maximilians I. 
und II. und Karls V. und für die Nieolaikirche daselbst den „Auferstandenen Christus". Im Jahre 1840 
blieb Rethel in einer Konkurrenz für die Ausmalung des lsiröntingssaals im Rathause zu Aachen Sieger 
und begann 1847 mit den Kartons für die lüesltobiltler, die er 1847 bis 1851 zum Teil ausführte. Von 
seinen acht Kompositionen aus der Geschichte Karls des Grossen sind vier von ihm selbst ausgeführt: 
"Zerstörung der Irmensaule bei Paderborn", „Karls Einzug in Pavia", „Sarazenensohlacht bei Cordova" 
und „Kaiser Otto IV. in der Gruft Karls des Grossen". Die Kartons zu den genannten vier Bildern 
und ein fünfter „'l'aufe Wittekinds" befinden sich in der Berliner Nationalgalerie. Die vier übrigen 
Fresken: „Kaiserkrönung in Rom", "Erbauung des Aachener Münsters", die "Krönung Ludwigs" und 
die "Taufe Wittekinds" hat Josef Kehren nach den Entwürfen Rethels bis 1862 ausgeführt. Die 
Schilderung altdeutscher Heldengrösse fand in diesen Fresken ihren Ausdruck und wird von keinem 
sentimentalen oder romantischen Zug beeinträchtigt. 1852 ging Rethel zum zweiten Male nach Italien, 
um Heilung von einer Gemütskrankheit zu suchen, aber vergeblich. Ausser den Geintilden hat Rethel 
noch grosstirtige Zeichnungen geschaffen: die „Uinrisse zum Nibelungenliede" (1840), die "Todesbilder" nach 
1848, in sechs Bleistiftzeichnungen: der Tod, wie ihn Eitelkeit, List, Lüge und die bösen Lüste zu seinem 
verderblichen Ritt ausrüsten, wie er in die Stadt reitet, wie er im Wirtshause das Volk aufreizt, indem 
er eine Krone und einen Pfeifenstummel gegeneinander ztbwagt, wie er dem Vertreter des Pöbels 
das Schwert reicht, wie er als Führer der Revolutionsmüriner auf der Barrikade steht, wie er 
als 'l'riumphator über Leichen- und Trümmerhaufen reitet. Später entstanden noch zwei Blätter zu 
diesem Cyklus: der Tod als Würger, von der Cholera begleitet, im Domino auf einem Maskenball zu 
Paris erscheinend und der Tod als Freund, wie er einem greisen (ilöckner in der 'l'urmstube den Glocken- 
strang aus der Hand nimmt. Bei aller realistischen Einzelbehztndlting erscheinen diese Zeichnungen doch
        

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