Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1857028
Deutschland. 
angelos. Seine erste Nlarniorgruppe, Hagar und Ismael, ist noch sehr unfrei. In Rom verkehrte 
Begas im Kreise von Feuerbach, Lenbach und Böcklin und fand sich durch diesen Umgang noch 
mehr in seiner malerischen Richtung bestarkt. Eine Gruppe, der schlafende Amor und Psyche mit der 
Lampe, später in Marmor ausgeführt, entstand im Atelier Emil Wolf f s in Rom. Auch die Gruppe, 
Pan die verlassene Psyche tröstend, wurde noch in Rom im Modell vollendet. Die Figuren zeigen 
ursprüngliche Frische, sind aber sonst unerfreulich. Nach Berlin zurückgekehrt, hatte Begas eine 
dekorative Kolossalgruppe für das Börsengebaude dasselbst auszuführen: „Borussia, Handel, Ackerbau 
und Gewerbe beschiitzend". Ausserdem entstand die "Faunenfamilie", durch kühne Auffassung an die 
Barockzeit erinnernd. Im Jahre 1861 ging Begas als Lehrer an die Kunstschule zu Weimar und 
erhielt 1863 den Auftrag für das Schillerdenkmal in Berlin. Dasselbe wurde 1871 enthüllt, entsprach 
aber keineswegs den Erwartungen: die Auffassung des Dichters erschien unschön und die vier Sockel-v 
iiguren, Drama, Geschichte, lyrische Poesie und Philosophie perfonifizierend, wirkten schwulstig und 
gesucht michelangelesk. Die Gruppe einer Venus, den von einer Biene gestochenen Amor tröstend, ist 
naturalistisch behandelt. Aus den sechziger Jahren stammt noch eine "Badende" und „Pan einen Knaben 
im Flötenspiel unterrichend". Seitdem hat Begas mehrere grossartige Monumente für Berlin geschaffen, 
wie den Schlossbrunnen und besonders das Denkmal für Kaiser Wilhelm I. 
In München bewirkt Michael Wagmüller (1839-1881) den Umschwung zu einem lebens- 
vollen Naturalismus und zugleich zum Barock. Wagm üller ist zwar ein Schüler Widernanns, jedoch 
mehr durch Lenbach, Makart, Gedon und die Pilotyschule bestimmt. Zu seinen besten Schöpfungen 
gehören die anmutigen-Genrefiguren: „Mä.dchen nach einem Schmetterling haschend" und „Madchen vor 
einer Eidechse zurückschreckend". Hierauf folgen eine Reihe dekorativer Arbeiten, durchweg in 
malerischer Auffassung und eine grosse Anzahl Porträts wieder im malerischen Sinne der Barockzeit, 
dann zwei Brunnen mit Kolossalfiguren für Schloss Linderhof und Arbeiten für Schloss Herrenchiemsee. 
Wagmüllers bestes Werk ist das Modell eines Grabdenkmals (1878); es ist eine weibliche Gestalt mit 
einem Palmenzweige und einem trauernden Genius neben ihr, auf einem Sarkophage sitzend; er hat 
noch das Modell zu dem Liebigdenkmal für München vollendet hinterlassen. 
Malerei. 
Die Hauptrichtung der neueren deutschen Malerei geht auf die Einkehr in das eigene Volks- 
leben, was den Inhalt anbelangt; die Formgebung halt sich enger an die Studien nach der Natur als 
früher und wird meist von einem ausgebildeten Kolorismus begleitet. Die Vertretung der volkstümlichen 
Seite fallt hauptsächlich der Genremalerei anheim; in der Historienmalerei drängt sich allmählich die 
lebenswirkliche Wiedergabe der zeitgenössischen Ereignisse in den Vordergrund, und selbst in den 
Darstellungen aus der Vergangenheit macht sich ein Streben nach möglichst realistischer Treue bemerkbar. 
Die Landschaftsmalerei kann sich zwar nicht auf die heimischen Motive beschränken, sie sucht die 
ganze Welt aufzuschliessen, aber die Auffassung ist nun seltener romantisch, sondern vorzugsweise natura- 
listisch. Die Absicht auf Stimmungsmalerei verbindet sich mit der Wahrheit des Naturvorbildes. 
Eine frische Auffassung der nationalen Malerei in der Berliner Schule vertritt Adolf Menzel 
(geb. 1815) in entschieden realistischer Weise durch seine historischen Genrebilder aus der Geschichte 
Friedrichs des Grossen und durch seine Bilder aus dem modernen Leben, in denen die energische 
Charakteristik mächtiger hervortritt als das Schönheitsgefühl. Menzel ist, namentlich im Koloristischen, 
zwar von den Franzosen beeiniiusst, aber er hat auch auf diese zurückgewirkt. Er kam 1830 nach 
Berlin und wirkte anfangs als Lithograph. In den Jahren 1833-1834 erschien ein Cyklus von 6 Feder- 
zeichnungen für den Steindruck, „Künstlers Erdenwallen" darstellend, 1837 ein Cyklus von 12 litho-
        

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