Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856911
Vorherrschen 
der Kunst. 
Natiunalitätsidee in 
Renaissance im nordischen Sinne umzugestalten. Zugleich mit dieser Erkenntnis war die Einseitigkeit 
aufgehoben, mit welcher die frühere Romantik ausschliesslich die mittelalterlichen Stilepochen als Ver- 
körperungen nationalen Wesens hervorgehoben hatte. Die Deutschrenaissance und die deutsche Umformung 
des Barocks nahmen nun wieder den ihnen gebührenden Platz ein. 
Architektur. 
Das hervorstechend Charakteristische des ArchitekturschaHens in der vorliegenden Periode ist die 
Wiederaufnahme der von der römischen Renaissance ausgehenden Stilarten mit Einschluss der Deutsch- 
renaissance und des Barocks, in bewusster Absicht auf das Schaffen einer nationalen Kunst. Folge- 
richtig bleibt daneben die Nachfolge der mittelalterlichen Stilarten, namentlich der Gotik, bestehen und 
vertieft sich noch durch das Eingehen auf die landschaftlichen Eigentümlichkeiten des Stils. Indes stehen 
sich Renaissance und Gotik nicht mehr feindlich wie früher gegenüber, sie haben mindestens ein gemein- 
sames Ziel, das Fortbilden der überlieferten Gebäudetypen im modernen Sinne. 
Die Wiederaufnahme der römischen Renaissance in Deutschland knüpft sich in erster Linie an 
den Namen Sempers, nach dessen künstlerischer Überzeugung die auf der römischen Antike beruhende 
Renaissance, mit Einschluss der Spätrenaissance bis Borromini, allen früheren Epochen überlegen war. 
Gottfried Semper (1803-1879) studierte in Göttingen Mathematik, ging 1826 nach München zu 
Gärtner, um sich zum Architekten auszubilden, 1826-1827 nach Paris zu Gau, und kehrte nochmals 
in den Jahren 1829--1830 nach Paris zurück. Eine Reise nach Italien, Sicilien und Griechenland 
schloss Sempers Bildungsgang ab. Nach seiner Rückkehr (1834) folgte er einem Rufe an die Dresdener 
Akademie als Professor an die Stelle Thürmers. Die Arbeiten Sempers in Paris, bei Gau, einem 
tüchtigen Kenner der Renaissance, entstanden, zeigen noch die Formen des Empirestils. Die Reise nach 
Griechenland gab ihm die Überzeugung von der Notwendigkeit der Polychromie zur Vollendung der 
griechischen Bauten. Semper wollte damals die ganze künstlerische Vergangenheit gelten lassen, soweit 
sie mit Selbstbewustsein und Unbefangenheit aufgenommen würde, schloss aber später die ihm unsympa- 
tische Gotik hiervon aus. Sempers erste Arbeiten in Dresden bildeten eine Festdekoration zum 80. Ge- 
burtstage des Königs Anton (1835) und die polychrome Ausschmückung der Antikensäle im Japanischen Palais, 
letztere im Stile der pompejanischen Malereien (1836). Das von ihm 1837-1838 erbaute Materni-Hospital 
zeigt eine ziemlich kunstlose Renaissance; auch die Synagoge (1838), ein im Rundbogenstil ausgeführter Cen- 
tralbau mit einem von Kuppeltürmen flankierten Vorbau, ist von keiner besonderen Bedeutung; sie zeigt 
verhältnismässig früh die Verwendung von maurischen, byzantinischen und romanischen Motiven und 
ist mit einer Holzkuppel überdeckt. Die ersten bedeutenden Bauten Sempers in Dresden sind das Hof- 
theater (1838-1841), dann die Villa Rosa für den Bankier Oppenheim und das Oppenheimsche Palais 
(1845-1848). An diesen Schöpfungen tritt das bewusste Bestreben hervor, wieder an die Einzelformen 
älterer deutscher Bauten anzuknüpfen; so ist die Behandlung der Rustika am Hoftheater und am Oppen- 
heimschen Palais der an den Portalen des königlichen Schlosses in Dresden verwandt. Im Ganzen sind 
die Semperschen Bauten weniger selbständig erfunden als die Schinkelschen; es lässt sich bei vielen 
derselben eine Anlehnung an ein älteres Muster nachweisen: „das Oppenheimsche Palais erinnert an den 
Palazzo Pandoliini in Florenz, das Haus Wilhelm Sempers in Hamburg an den Palazzo Guadagni, die 
Zwingerseite des Museums zeigt die Nachahmung eines römischen Triumphbogens; an späteren Werken 
des Meisters sind derartige Anlehnungen weniger bemerkbar. Der Bau des Hoftheaters machte Semper 
populär, wegen seiner charakteristischen Aussenform, die den Zuschauerraum und das Bühnenhaus 
gesondert hervortreten liess. Semper erhielt, wie früher Moller, die Anregung für seinen Theaterbau 
durch Pietro Sangiorgis „Idea di un teatro adatto al locale de la Convertite (1821)? Aber bei Semper,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.