Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856903
Deutschland. 
Von den nicht allzu zahlreichen, künstlerisch ausgesehmüekten städtischen Wohnhäusern dieser Zeit 
mag beispielsweise des Härtelschen Hauses in Leipzig erwähnt werden. Die dekorativen Malereien desselben 
zeigen Nachklänge der Raf f aelschen Loggien, in etwas schwerer Behandlung von Otto Wagner 
ausgeführt; die teppichartig behandelten Wandmalereien von Peschel in Dresden geben die Darstellungen 
der vier Jahreszeiten. Die Sgraf f ito-Technik wurde wohl zuerst wieder am Dresdener Theater von 
Semper angewendet, und zwar am oberen Teil der Umfassungswand des Zuschauerraums; die Ausführung 
erfolgte durch den Maler Rolle. Die dekorativen Nialereien der Logenbrüstungen des Theaters und der 
Decke des Zusehauerraumes liess Semper nach seinen Zeichnungen von Dieterle aus Paris ausführen. 
Entwicklung der deutschen Kunst unter 
Herrschaft der Netionalitäts-ldee.  
der 
Etwa seit der hlitte unseres Jahrhunderts verblassen in den westeuropäischen Ländern die alten 
Gegensätze von Klassik und Romantik, freilich ohne ganz zu verschwinden. Mehr noch als ein neu 
aufkommender Naturalismus, der sich gegen die Fessel jedes überlieferten Stils sträubt, hat die zur 
politischen Wirklichkeit gewordene Nationalitatsidee dazu beigetragen den früheren Principienlzampf 
zibzuschwachen. Die deutschen Männer schliessen sich enger im Streben nach nationaler Einheit zu- 
sammen, obgleich Norden und Süden, protestantisches und katholisches Bekenntnis sich immer noch 
unausgeglichen gegenüberstehen. Aber man sträubt sich nicht mehr gegen die Anerkenntnis der gegen- 
seitigen Vorzüge, man erkennt überall den Wert des Volkstümlicheh, man lernt die Schätze achten, die 
Flachland und Gebirge, niederdeutsche und oberdeutsche Stamme bei sich aufgespeichert haben. Lebens- 
volle Zeichen für das Bestreben, den Besonderheiten des Volkstums nachzugehen, sind sowohl das Auf- 
treten der Dialektdichter, wie Klaus Groth, Fritz Reuter für das Plattdeutsche und Kobell, 
Stieler u. a. für das Altbayerische, als der Beifall, den die malerische Darstellung des deutschen 
Bauernlebens findet. Allerdings ist es nicht der grosse Stil, den diese sittenbildliche, die landschaftlichen 
Eigenheiten des Dorfes wiederspiegelnde Kunst zeigt, aber sie ist frisch und gefühlswarm und hat ein 
scharfes, individuelles Gepräge aufzuweisen, sehr im Gegensatze zu dem alles Charakteristische ver- 
schleifenden Kosmopolitismus der Grossstadte. Ahnlich wie Dichtkunst und Malerei verfahren nun auch 
Plastik und Architektur, sie suchen sich den alten volkstümlichen Typen anzuschliessen. Über diesem 
Bemühen musste in der Plastik die einzig nach antiker Formenschönheit haschende, für das moderne 
Emplinden inhaltsleere Schablone verschwinden, und in der Architektur der Bruch mit der gräzisierenden 
Renaissance erfolgen. Indem man den Weg zurückmass, den namentlich die Entwicklung der Renaissance- 
Kunst diesseits der Alpen genommen hatte, musste man wieder auf die römische Kunst, als den Aus- 
gangspunkt derselben, stossen. Man erkannte wieder in vollem Masse das Verdienst der Römer an, die 
ihrerseits bereits die grosse Aufgabe gelöst hatten, die Säulenordnungen und den Architravstil der 
Griechen mit dem Gewölbbau des Orients neu zu verbinden. Zugleich musste man den Versuchen Auf- 
merksamkeit schenken, welche seit dem 16. Jahrhundert in den westeuropäischen Ländern und besonders 
auch bei uns Deutschen gemacht worden sind, um die auf römischer Grundlage beruhende italienische
        

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