Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856890
auf historischer 
Schulen 
Grundlage. 
Vogelweide von Gassen, das zweite Vorzimmer zeigt Gewölbmalereien aus der Gralssage nach Wolfram 
von Eschenbach von Hermann und Arabesken von Meyer. Der Salon de Service ist mit Wand- 
bildern aus Bürgers Gedichten geschmückt, welche von Folz und mit Arabesken von Meyer ausgeführt 
sind. Der Empfangssalon der Königin enthält einen Fries aus Klopstocks Hermannsschlacht durch 
Doppelkaryatiden von Kindern geteilt u. a.; in einem Empfangssalon im zweiten Stock sind Landschaften 
von Rottmann als Dekorations-Motive verwertet. Der Festsaalbau (1832-1842) ist in den drei vor 
dem Thronsaal belegenen Sälen wieder reich mit historischen Bildern geschmückt, aus der Geschichte 
Karls des Grossen, Friedrich Barbarossas und Rudolphs von Habsburg; der Bankettsaal zeigt zwölf 
Schlachtgemälde; die Spielkabinette am Tanzsaal enthalten die Galerie der Schönheiten; endlich sind in 
den Prinzenzimmern des Erdgeschosses Gemälde aus der Odyssee zur Ausführung gekommen. Im 
Reichtum der inneren Ausstattung mit historischen Wandmalereien wird sich kein zweiter Schlossbau 
dieser Zeit mit der Münchener Residenz messen können, aber es ist hier jedenfalls etwas zuviel geschehen, 
namentlich in den eigentlichen Wohnräumen, in denen die Behaglichkeit unter der überall das 
Bedeutungsreiche hervorkehrenden Ausstattung leidet.  Eine beziehungslose Ornamentik, wie sie der 
Barockstil liebte, hat jedenfalls ihr gutes Recht und wirkt vornehmer.  Die Wandiiächen und Pfeiler 
der Loggien an der Südseite der Pinakothek enthalten ein reiches nach Klenzes Zeichnungen, von 
Straus und Staukert in Wachsfarben ausgeführtes Ornament; in der Glyptothek hat Neureuther 
die dekorativen Malereien der Säle ausgeführt, ausserdem an den oberen Hofgartenarkaden die Trophäen. 
Die alte Glasmalertechnik wurde in München am frühesten wieder entdeckt; Siegmund Frank machte 
die ersten Versuche; und 1828 konnten bereits die Fenster für den Regensburger Dom vollendet werden. 
Unter der Leitung von H. von Hess wurden die Glasmalereien in den Fenstern der Aukirche nach Kartons 
von Ruben, Schraudolph, H. Fischer und Röckel ausgeführt. Max Ainmüller war der technische 
Leiter des Königlichen Glasmalerei-Instituts und zeichnete die Ornamentik. Es bildeten sich eine Anzahl 
Maler für diese Technik aus, unter diesen Joh. Hammerl, Joh. Kirchmaier, R. Wehrsdörfer, 
Eggert und Böhm. In den Jahren 1844-1848 entstanden vier grosse Glasfenster für den Kölner 
Dom, etwas zu sehr im Stil der Staffeleibilder, aber doch von schöner harmonischer Wirkung. Die 
Königliche Bronzegiesserei in München, seit 1824 unter S tigl mayers Leitung, hat bedeutende Leistungen 
aufzuweisen und wurde auch mehrfach für das Ausland in Anspruch genommen. Nach dem Tode 
Stiglmayers (1844) wurde sein Neffe Ferdinand Miller sein Nachfolger. In München widmete 
schon früh ein tüchtiger Künstler, Franz von Seitz (1817-1883), seine Thätigkeit dem Kunstgewerbe, 
und förderte dasselbe bereits im Anfange der. fünfziger Jahre durch zahlreiche Entwürfe. Die gotische 
Schule Münchens kam in der Steinskulptur durch Hautmann am Wittelsbacher Monument zu Aichach 
und an dem Theresienmonument zu Aibling zur Geltung. Die Ausstattung der Aukirche gab Gelegenheit 
zur Herstellung von Holzschnitzereien: die Kanzel mit bemalten Figuren von Entres; die Holzaltäre 
mit Figuren, meist farbig bemalt, mit dem Figürlichen von Schönlaub, der Architektur von Entres 
und Hautmann; die Stationen unter den Fenstern von Schönlaub geschnitzt. Die Arbeiten zeigen 
sämtlich den Stil deutscher Spätgotik. Anselm Sickinger in München (1807-1874) war hauptsächlich 
mit der Herstellung von Altären in Stein und Holz beschäftigt; von ihm sind die Altäre in der Jakobs- 
kirche in Landshut, in der Pfarrkirche zu Velden, in der Münchner Frauenkirche und viele andere gefertigt. 
Der Altar der Bäckerzunft in der Frauenkirche ist nach eigenem Entwürfe Sickingers gefertigt, die Kanzel 
derselben nach Bergers Zeichnung. Ebenfalls als Vertreter der gotischen Richtung im Kunstgewerbe 
ist Mengelberg aus Köln, später in Utrecht, zu nennen; derselbe hat eine grosse Anzahl Altäre und 
Kirchenmöbel im gotischen Stile geschaffen, namentlich für die Kathedrale in Utrecht zwei Ciborienaltäre 
und einen Lettner, für Köln die Ausstattung der Kirche St. Alban u. s. w. Als litterarische Förderung 
für die mittelalterliche Ornamentik wirkte Heidelof f s Ornamentik des Mittelalters, 24 Hefte, 1838-1852.
        

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