Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Dekorationsformen des 19ten Jahrhunderts
Person:
Ebe, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1854965
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1856886
Deutschland. 
architecture of North-Italie. Gruner, in Dresden geboren, war meist in England thätig; er leitete die 
Dekoration des in den fünfziger Jahren erbauten Teils von Buckingham Palace in London, die innere 
Ausschmückung von Schloss Osborne, die Dekoration des Mausoleums für die Herzogin von Kent und 
gab die Entwürfe zu dem Mausoleum für den Prinzen Albert im Park von Windsor. Seit 1856 lebte 
Gruner in Dresden als Direktor des Kupferstichkabinets. 
Für die Durchbildung der Innenräume im hellenistischen Sinne der Bötticherschen Auffassung 
kommt das Bier sche Haus in Berlin in Betracht. 
In den Sälen des Stülerschen Museums in Berlin tritt, ähnlich wie in den Münchener Bauten, 
ein Zusammenwirken aller Kunstzweige zur dekorativen Gesamterscheinung hervor, nur wieder etwas 
stark eklektisch. Bemerkenswert ist vor allem die Durchbildung der Decken mit Hilfe der Eisenkonstruk- 
tionen. Unter König Friedrich Wilhelm IV. erhält Berlin ein königliches Institut für Glasmalerei, zuerst 
unter Leitung des späteren Generals Vogel von Falkenstein stehend. Die Terrakottafabrikation wird 
in ganz vorzüglicher Weise durch die Marchsche Fabrik in Charlottenburg weiter geführt. Ein Versuch 
Salviatis, die Herstellung der Glasmosaiken nach Berlin zu verpflanzen, scheitert; dagegen wird die 
Fabrikation von Zellenschmelz von Ravene und Sussmann aufgenommen und später von anderen fort- 
geführt. Bastani er liefert Emailmalereien im Limoges-Charakter. Der Aufschwung der Kunstschmiede- 
arbeit in Berlin stammt erst aus den sechziger und noch mehr aus den siebziger Jahren und wird in 
erster Linie durch die Fabriken von Hauschild, Puls und Hauschner eingeleitet. Die Berliner Dekorations- 
malerei wird durch Meurer und Schaller wieder belebt, die mit einer Anzahl Schülern des Kunst- 
gewerbe-Museums die Aufnahme italienischer dekorativer Malwerke der Frührenaissance bewirken. 
Die Klenze schen Bauten in München geben das bedeutendste Beispiel der damaligen Monumental- 
Dekoration. Für das Innere des Königsbaues (1830_1835) sollte nach dem von König Ludwig I. 
gegebenen Programme die Stoffbekleidung und Holztäfelung der Wände ganz ausgeschlossen sein; es 
ergab sich demnach eine gewaltige Aufgabe für die dekorative Wandmalerei, die auch in vielen Fällen 
glücklich gelöst wurde. Dagegen ist der architektonische Teil der Dekoration unkünstlerisch und trocken, 
und zeigt einen grossen Abfall gegen den Renaissance-Schmuck der älteren Teile des Residenzbaues. 
Das Treppenhaus des Königsbaues hat ein Deckengemälde von Schwanthaler, das erste Vorzimmer 
ist mit einem Fries im Stile der griechischen Vasenmalerei ausgestattet, das zweite Vorzimmer mit 
einem polychromen Friese ohne Schattengebung aus der Theogonie des Hesiod, nach Entwürfen 
Schwanthalers, ausgeführt von Hiltensperger und Streidel. Der Thronsaal zeigt an den Wänden 
Skulpturen von Schwanthaler aus den Siegesgesängen Pindars, das Empfangskabinet des Königs 
pompejanische Malereien auf weisslich-gelbem Grunde von Gajani, untermischt mit Darstellungen aus 
den Tragödien des Aeschylos, nach Schwanthalers Zeichnungen von Schulze ausgeführt. Im Schlaf- 
zimmer des Königs sind die Wände mit Reliefs von Thorwaldsen, Nacht und Morgen, geschmückt, 
ausserdem mit einem ügürlichen Friese, der ebenso wie die gewölbte Decke Darstellungen aus Theokrit zeigt, 
letztere nach Skizzen von H. von Hess von Bruckmann und Schulze gemalt. Im Spielzimmer des zweiten 
Stocks befindet sich ein Fries von Schwanthaler mit der Geschichte der Aphrodite, in einem Zimmer 
des Erdgeschosses Gemälde aus der Odyssee nach Zeichnungen Schwanthalers von Hiltensperger 
ausgeführt. Der Salon des Königs enthält an den Wänden Darstellungen aus den homerischen Hymnen, 
im pompejanischen Stil, darüber einen breiten durch Figuren geteilten Fries mit Gemälden nach 
Schnorrs Entwürfen. Die Ornamentik des Raums ist durch Hiltensperger und Schilling aus- 
geführt. Der Speisesaal ist an den Wänden und an der gewölbten Decke mit Arabesken im pompejanischen 
Stile auf weissem Grunde geschmückt, ausserdem mit Bildern aus den Gesängen Anakreons. Die 
Dekorationen sind von Anschütz und Conti, die Gemälde von Zimmermann ausgeführt. Das erste 
Vorzimmer der Königin hat Arabesken von Gajani, und ein Deckengemälde aus Walter von der 
Ebe, Dekorationsformen des 19. 
Jahrhunderts.
        

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